Viele UKGM-Beschäftigte sind mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden. Das zeigen sie am Dienstag beim Warnstreik. FOTO: SCHEPP
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Viele UKGM-Beschäftigte sind mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden. Das zeigen sie am Dienstag beim Warnstreik. FOTO: SCHEPP

Warnstreik am Uniklinikum

Beschäftigte fordern Geld statt Applaus

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Der Asklepios-Konzern, neuer Eigentümer der Gießener Uniklinik, muss sich mit einem Warnstreik auseinandersetzen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten dazu aufgerufen, für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren.

Der Betriebsratsvorsitzende Marcel Iwanyk hält gerade eine flammende Rede, als am Gießener Uniklinikum ein Versorgungstransporter vorbeirauscht. Auf der Seitenwand ist in dicken Lettern "Werde WIR am UKGM" zu lesen. Mit der Werbemaßnahme sollen neue Kräfte angelockt werden. Die rund 150 Menschen, die am Dienstagmorgen in der Kälte vor dem Uniklinikum stehen, hätten eine andere Idee zur Gewinnung neuer Kollegen: Bessere Arbeitsbedingungen. Und mehr Lohn.

Die Gewerkschaft Verdi hat für Dienstag und Mittwoch zu einem Warnstreik an den UKGM-Standorten Gießen und Marburg aufgerufen. Es ist die erste Aktion dieser Art seit der Übernahme durch den Asklepios-Konzern. Anlass sind die stockenden Verhandlungen über eine neue Eingruppierung für die Beschäftigten. "Unsere Geduld und unser Verständnis sind am Ende. Viele unserer Kollegen und Kolleginnen warten seit Jahren auf eine bessere Bezahlung", sagte Verdi-Verhandlungsführer Fabian Dzewas-Rehm bereits im Vorfeld und betonte, dass das UKGM beispielsweise die in der Pandemie so wichtigen Laborassistentinnen so schlecht bezahle wie keine andere Universitätsklinik.

Am Dienstagmorgen ist es Iwanyk, der vor dem Eingang des Klinikums zum Mikrofon greift. "Es ist nicht unbedingt das Geld, es sind vor allem die Umstände", ruft der neue Betriebsratsvorsitzende den rund 150 Teilnehmern des Warnstreiks zu und fordert neben einer Anhebung des Lohns auf das Niveau der Kollegen von öffentlichen Krankenhäusern auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. "Der Laden funktioniert doch nur durch eine Zuneigungsgefangenschaft."

Ulrich Stroh hört sich die Rede von den Treppenstufen aus an. Der Pfleger arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Gießener Krankenhaus und versteht genau, was mit "Zuneigungsgefangenschaft" gemeint ist. "Keiner will die Kollegen oder die Patienten hängenlassen. Daher nehmen wir die Belastung in Kauf. Das wird vom Arbeitgeber ausgenutzt." Berufseinsteiger würden sich das bei diesem Lohn aber nicht mehr antun, wodurch dringend benötigtes Personal fehle. "Auf meiner Station sind von 49 Betten 22 aufgrund von Personalmangel gesperrt", sagt Stroh. Diese Missstände seien für viele Kollegen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastend. Stroh nimmt sich da nicht aus. Gegen den allabendlichen Frust helfe oft nur der Griff nach einem Bier.

Notfallversorgung laut Klinik sicher

Auch Michelle Krämer beteiligt sich am Streik. Die 24-Jährige arbeitet als MTA für Funktionsdiagnostik. "In unserer Abteilung werden viele ungleich bezahlt, obwohl wir die gleiche Arbeit machen." Das sorge für schlechte Stimmung, zumal die Eingruppierungen teils deutliche Verdienstunterschiede bedeuteten.

Bereits am Tag vor dem Warnstreik hatte sich das Klinikum an die Öffentlichkeit gewandt und die Notfallversorgung als "sichergestellt" bezeichnet. Gleichzeitig betonte Dr. Gunther K. Weiß, der Vorsitzende der Geschäftsführung des UKGM, dass in den Verhandlungen schon viel erreicht worden sei. So seien Gehalt und Zulagen für mehrere Berufsgruppen erhöht worden. Abgesehen davon seien seit Anfang des Jahres die monatlichen Vergütungen von allen nicht-ärztlichen Angestellten um 60 Euro gestiegen. Auszubildende und Schüler erhielten 30 Euro pro Monat mehr. Den Warnstreik bezeichnet Weiß daher als unbegründet. "Wir sind bei unseren Gesprächen zur Weiterentwicklung unseres Haustarifvertrags auf einem gutem Weg."

Die Gewerkschaftsvertreter sehen das anders. DGB-Kreisvorsitzender Klaus Zecher fordert daher auch die Politik auf, Druck auf den Arbeitgeber auszuüben. In seiner Rede erinnert er daran, dass vor gar nicht langer Zeit die Menschen auf den Balkonen für Helfer und Pfleger geklatscht hätten. "Das ist inzwischen vorbei, an den Arbeitsbedingungen hat sich jedoch nichts gerändert." Abgesehen davon sei der Zuspruch der Bevölkerung zwar schön. Was die Beschäftigten aber tatsächlich bräuchten, sei kein Applaus. Sondern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.

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