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Das war’s: Schüler/innen und Lehrer/innen der GGO sowie die GAZ-Redaktion bauen die Ausstellung ab. FOTO: SCHEPP

Berührt, bedrückt, beeindruckt

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Es wird vielleicht der letzte Jahrestag gewesen sein, an dem derart umfassend und eindringlich an die Zerstörung Gießens im Zweiten Weltkrieg erinnert wurde. Im Mittelpunkt beim Erinnern an den 75. Jahrestag des 6. Dezember 1944 stand die gemeinsame Ausstellung der Gesamtschule Gießen-Ost, der Stadt und der Gießener Allgemeinen Zeitung. Am Donnerstag wurde sie abgebaut. Die Reaktionen sind überwältigend.

Passt auf, dass das Flugzeug nicht abstürzt", ruft Frank Tasler. Dann endlich kommt eine Schülerin mit der rettenden Schere und schneidet das Kunstwerk von der Decke ab. Fünf Tage lang schwebte der graue Bomber über dem Eingang zur früheren Kunsthalle in der Kongresshalle. Am Donnerstagmorgen wurde die Ausstellung "Erinnerung und Mahnung", mit der sieben Oberstufenkurse der Gesamtschule Gießen-Ost und die Stadtredaktion der GAZ künstlerisch und dokumentarisch an die Zerstörung Gießens Anfang Dezember 1944 erinnerten, in Windeseile abgebaut.

Ein Teil der Exponate wird in der Schule noch einmal zu sehen sein, die anderen werden eingelagert. Auf der Homepage der GGO soll es später einen virtuellen Rundgang geben. Denn fünf Tage Ausstellung sind gemessen am Aufwand, den Schüler/innen und Lehrer/innen seit Monaten getrieben hatten, wenig. Aber eine Verlängerung war aus organisatorischen Gründen nicht drin. Gleichwohl ist die GGO dankbar, dass ihr diese innerstädtische Bühne zur Verfügung stand. Zur emotionalen Vernissage mit den Gänsehautdarbietungen der Kurse Darstellendes Spiel kamen rund 300 Besucher. Auch in den Tagen danach war der Besuch laut dem Aufsichtspersonal, das der Verein Ehrenamt dankenswerterweise zur Verfügung stellte, gut.

Fast schon ein Zeitdokument für sich ist das Gästebuch, das am Eingang auslag. Auch Augenzeugen der Bombardierungen vor 75 Jahren trugen sich ein. "Bin am 6. Dezember mit Mutter, Oma, Tante, Bruder (5 Monate alt) durch die Stadt gelaufen, rechts und links brannte es", schrieb eine damals sechsjährige Alsfelderin in das Buch. "Das Haus meiner Großeltern in der Nordanlage wurde dem Erdboden gleichgemacht", schrieb ein Besucher aus Grünberg. Ein Mann, der den Abend des 6. Dezembers 1944 im Mutterleib in einem Luftschutzkeller in der Innenstadt überlebte, lobte die Ausstellung als "beeindruckend und großartig" und fügte hinzu: "Nie wieder Krieg." Ein Paar hatte fünf Stunden Anreise auf sich genommen und schrieb von einer "lohnenden Ausstellung". Eine Schülerin der Ricarda-Huch-Schule formulierte: "Schwer beeindruckt und bedrückt verlasse ich die Ausstellung." Kollegiales Lob kam aus dem Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Ein Kunstlehrer sah eine "wirklich beeindruckende Vielfalt" der ausgestellten Arbeiten. Auch historisch einordnende Beiträge finden sich. Die Zerstörung Gießens sei die Folge des von den Nazis begonnenen Kriegs gewesen: "Hitler-Deutschland musste besiegt werden." Auch die GAZ erhielt zahlreiche positive Reaktionen zu ihrem Ausstellungsbeitrag und der Berichterstattung zum 6. Dezember. Stellvertretend für viele ein Leserkommentar: "Danke für diese bewegende Zeitreise."

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