Hier wird ab August abgerissen und gebaut. Der Kiosk wird verschwinden. FOTO: SCHEPP
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Hier wird ab August abgerissen und gebaut. Der Kiosk wird verschwinden. FOTO: SCHEPP

Umbau der Kongresshalle

Berliner Platz in Gießen wird Dauerbaustelle

  • Burkhard Möller
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Nach jahrelanger Debatte und Vorplanung soll es Anfang August mit dem Umbau der Kongresshalle losgehen. Der Berliner Platz wird wohl für über ein Jahr zur Baustelle. Die Tage des Kiosk an der Bushaltestelle sind gezählt.

In rotes Licht getaucht war am späten Montagabend auch die Kongresshalle. Bei der Night of Light wurde bundesweit ein Zeichen für die von der Corona-Pandemie gebeutelte Veranstaltungswirtschaft gesetzt. Den Glauben in Veranstaltungsorte wie die Kongresshalle verloren hat die Politik in Gießen in den letzten Monaten keineswegs. Davon werden in gut einem Monat Baustellenabsperrungen und Abrissbagger zeugen, denn im August geht es mit dem lange geplanten und seit Dezember beschlossenen Umbau der Kongresshalle los.

Dies bestätigte Sadullah Gülec, Geschäftsführer der Stadthallen GmbH (SHG), nachdem die Gesellschaft eine Interessenbekundung zu den Rohbauarbeiten für den ersten Bauabschnitt zur "Neustrukturierung Gießener Kongresshalle" ausgeschrieben hatte. "Es ist nach den Abrissarbeiten die zweite Ausschreibung", erklärte Gülec.

Im ersten von vier Bauabschnitten, für deren Umsetzung das Stadtparlament Ende vergangenen Jahres 4,5 Millionen Euro bereitstellte, wird der Vorbau der seit langem leerstehenden Kongresshallen-Gastronomie ebenso abgerissen wie die Sichtschutzwand mit dem integrierten Kiosk. Auf der Nordseite soll danach ein neuer Zugang zu den Konferenzräumen und anderen Bereichen der Halle entstehen. Zudem soll der Andienungsverkehr zur Bühne und Küche umorganisiert werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Belüftung des Kleinen Saals und des unteren Foyers. Neben den funktionalen Verbesserungen verspricht sich die Stadt von den Veränderungen optisch eine Rückkehr zur "originären Architektur" des Kernstadt-Bürgerhauses.

Der Beginn der Abrissarbeiten bedeutet auch das endgültige Aus für den Kiosk an der Bushaltestelle. Offiziell läuft die mit der Pächterfamilie noch einmal verlängerte Nutzungsvereinbarung Ende Juli aus. Sollten sich die Abrissarbeiten verzögern, kann der Kiosk weiterbetrieben werden, solange es die Abläufe auf der Baustelle zulassen. "Die Pächterfamilie hat uns gesagt, dass für sie jeder Öffnungstag wichtig ist", sagte Gülec. Andere Standorte auf der Nordseite der Kongresshalle sahen die Planer nicht. Der "Prüfungsprozess", ob ein Kiosk im Bereich der Bushaltestellen untergebracht werden kann, ist laut Gülec aber noch nicht abgeschlossen. Im Gespräch ist auch ein Standort auf der anderen Platzseite im Bereich des Zugangs zur Rathaus-Tiefgarage.

Unterführung wird zugeschüttet

Gülec geht davon aus, dass der Berliner Platz auf der Nordseite der Kongresshalle für über ein Jahr zur Baustelle wird. Denn dem Umbau der Kongresshalle soll der Bau einer neuen Bushaltestelle folgen. Die jetzige wird für die Zeit der Bauarbeiten verlegt. Im Zuge dieser Arbeiten soll die seit über zwei Jahren gesperrte Fußgängerunterführung verfüllt werden. Hinzu kommen jetzt Pläne der Stadt, eine Querung für Radfahrer über den vierspurigen Berliner Platz zwischen der Löberstraße und dem Parkplatz neben der Wieseck anzulegen. SHG-Chef Gülec ist jedenfalls froh, dass es nach den jahrelangen Diskussionen und Vorplanungen nun endlich losgeht mit den Arbeiten.

Wie lange sich diese insgesamt hinziehen werden, ist allerdings noch unklar. Grünes Licht vom Stadtparlament hat die Stadthallen-Gesellschaft nur für vier von neun geplanten Bauabschnitten. Die finanzierten Schritte betreffen neben dem Umbau der Andienung am Berliner Platz die Erweiterung des unteren Foyers, den Umbau von Eingang und Verwaltung sowie die Umgestaltung des Vorplatzes an der Südanlage.

Bei den folgenden Bauabschnitten würde es um den Umbau des Innenhofs, des oberen Foyers, des Restaurants zu Veranstaltungsräumen, um die Instandsetzung der beiden Säle, die Modernisierung der Küche und ein neues Dach mit Begrünung und Fotovoltaik-Anlage gehen. Die vom Magistrat vorgelegte Planung sah ein Gesamtkostenvolumen von 13,5 Millionen Euro vor. Ob und wie es nach den ersten vier Bauabschnitten weitergeht, muss das neugewählte Stadtparlament entscheiden.

Seit 2017 ein Denkmal

Seit etwa drei Jahren ist die Kongresshalle unter der Adresse Berliner Platz 2 in der Denkmaltopographie offiziell als Kulturdenkmal eingetragen. Das vom schwedischen Architekten Sven Markelius geplante Gebäude wurde 1966 als "Offenes Haus für alle Bürger" eröffnet. Die Kongresshalle war eines der ersten großen Bürgerhäuser in Hessen und steht aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung sowie aus städtebaulichen und künstlerischen Gründen unter Schutz.

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