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»Berliner Barocktrompeten« zu Gast in Gießen

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Von: Dr. Olga Lappo-Danilewski

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Das Ensemble »Berliner Barocktrompeten« in der Schiffenberg-Basilika. FOTO: RW © Dr. Olga Lappo-Danilewski

Gelungenen musikalischen Seh- und Hörgenuss bot am Sonntag die erste Sommer-Matinee der Basilika-Konzerte auf dem Schiffenberg. Der Impresario des Meisterkonzerte-Vereins, Dieter Lindheimer, begrüßte ein Ensemble, das für die Liebhaber Alter Musik einen klingenden Namen hat: Die »Berliner Barocktrompeten« präsentierten ihr Programm »Tromba festiva«.

Musik der Renaissance und des Barocks an Europas Königs- und Fürstenhöfen - das ist nicht nur das Einstudieren von Notenmaterial, zumal die Aufzeichnungen in manchen Fällen rudimentär sind. Die Musiker müssen sich auch als Forscher und Arrangeure betätigen, um Komponisten wie etwa Giovanni Kapsberger oder Bellerofonte Castaldi auf die (Klang-)Spuren zu kommen, beide um 1580 geboren und noch deutlich der Renaissance verhaftet. In ihren Werken spielten die imposante Theorbe aus der Familie der großen Gitarren sowie Perkussionsinstrumente die Hauptrolle. Das Ensemble aus sieben Instrumentalisten reüssierte mit dreifachem Trompetenglanz, der Viola da Gamba und der Truhenorgel sowie Theorbe/Gitarre und Perkussion aus Pauken, Holzklappern, Schellentamburin und allerlei interessanten Trommeln. Es wurde geleitet von Trompeter Johann Plietzsch, der die Auswahl der Stücke kommentierte, ihre Bedeutung in ihrer Zeit und ihrem Zweck verortete.

Die musikalische Reise durch Europa begann mit Arcangelo Corelli (1653-1713), dessen Sonata in C für drei Trompeten, Pauken, Theorbe, Gambe und Orgel mit ihren vier charaktervollen Sätzen einen glanzvollen und differenzierten Einstieg bildete. Militärisch oder eher tänzerisch-unterhaltsam betonte Werke von Alessandro Scarlatti (1660-1725), der beiden Franzosen André Danican Philidor (1652-1730) und Jean Joseph Mouret (1682-1738) weckten bildstarke Assoziationen bei den Zuhörern.

Dass die Vollblutmusiker aus Berlin ihr Metier mit Leidenschaft und Einfühlungsvermögen verstehen, wurde in einer von ihnen zusammengestellten Spanischen Suite deutlich, die in das 17. Jahrhundert führte. Zugrunde lagen »Ausgrabungen« aus verschiedenen Bibliotheken mit Aufzeichnungen von Gaspar Sanz und anonymer Verfasser. Das Ergebnis: ein höchst lebendig musiziertes, facettenreiches Kaleidoskop mit folkloristischen iberischen Anklängen.

In diesem Programm durfte natürlich Georg Friedrich Händel nicht fehlen. Der Auswanderer aus Sachsen, dessen Landesherr aus dem Haus Hannover dann König George I. von England wurde, hatte weiterhin das besondere Wohlwollen seines musikliebenden Fürsten in London. Das höfische Leben dort ist ohne Händels Musik nicht zu denken, ob zu festlichem Feuerwerk oder zu unterhaltsamen Wasserpartien auf der Themse. Die Berliner Barocktrompeten hatten zum effektvollen Abschluss ihres Auftritts Sätze aus dem Anhang zur Wassermusik-Suite gewählt und brachten in voller Besetzung noch einmal besonderen Glanz in das Kirchengewölbe. Die hervorragende Akustik rundete das Musikerlebnis dieser Matinee aufs Beste ab.

Langer, herzlicher Beifall aus der vollbesetzten Basilika für eine exquisite Darbietung mit hohem Informationsgehalt war die Folge.

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