Volker Wissemann mit dem Barometer von Hermann Hoffmann. FOTO: CHH
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Volker Wissemann mit dem Barometer von Hermann Hoffmann. FOTO: CHH

Hoffmann-Barometer

Beleg für Erderwärmung

  • Christoph Hoffmann
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Die Hermann-Hoffmann-Akademie freut sich über ein neues Sammlerstück: das Barometer ihres Namensgebers. Dessen Aufzeichnungen beweisen, dass Pflanzen heute deutlich früher blühen.

Gießen(chh). Mit allerlei Messinstrumenten bepackt streift Hermann Hoffmann durch den botanischen Garten. Wann blüht welche Pflanze auf? Welche Rolle spielt die Temperatur? Und was hat es mit dem Luftdruck auf sich? Der Naturforscher ist von Wissensdurst getrieben und zeichnet seine Forschungsergebnisse akribisch auf. Hoffmann lebt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der die Botanik mächtig aufblüht. Charles Darwin veröffentlicht sein Hauptwerk "Über die Entstehung der Arten", Gregor Mendel publiziert seine "Mendelschen Regeln". Hoffmann selbst verfasst über 70 Arbeiten über seine systematischen meteorologischen Beobachtungen. Vor allem die Blühphänologie hat es ihm angetan. Wann blüht wo welche Pflanze unter welchen Bedingungen auf? Hoffmann sammelt Erkenntnisse, die noch heute von zentraler Bedeutung sind. Und seit einigen Monaten ist die Gießener Uni im Besitz eines Instruments, das maßgeblichen Anteil an Hoffmanns Ergebnissen hat.

Klarer Beleg für Erderwärmung

"Das ist es", sagt Prof. Volker Wissemann und präsentiert ein zirka ein Meter langes Holzbrett. Am unteren Ende befindet sich ein gläsernes Flüssigkeitsreservoir, dessen Hals sich bis ans obere Ende des Bretts erstreckt. Das Instrument ist ein Barometer zur Messung des Luftdrucks. Und nicht irgendeins. "Das hat Hoffmann genutzt", sagt Wissemann. "Ein Nachfahre aus Würzburg hat es uns kürzlich vermacht."

Wissemann ist Botaniker und Leiter der neben dem botanischen Garten angesiedelten Hermann-Hoffmann-Akademie. Er ist also Fachmann für den Namensgeber seines Instituts und dessen Werk. "Hoffmann hat detailliert aufgezeichnet, wann und wo zum Beispiel die Kastanie, die Birke oder der Apfel aufblühen." Durch diese gesammelten Daten sei ein Modell entstanden, das den Beginn des Frühlings an verschiedenen Orten der Welt dokumentiere. "Hoffmann konnte zum Beispiel belegen, dass der Frühling im Mittelmeergebiet 36 Tage früher als in Gießen eintritt." So war es zumindest damals.

Hoffmanns gewonnene Daten sind heute auch deshalb von Bedeutung, weil sie Erkenntnisse über den Klimawandel liefern. "Zum Teil blühen Pflanzen heute drei Wochen früher auf als zu Zeiten Hermann Hoffmanns", sagt Wissemann. Das sei ein klarer Beleg für die Erderwärmung.

Auswirkungen auf das Ökosystem

Laienhaft ausgedrückt verhält es sich so: Eine Pflanze nimmt Wärmemengen auf. Ist ein bestimmter Wert erreicht, blüht die Pflanze auf. Durch die globale Erderwärmung tritt dieser Reiz immer früher ein - mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem. "Der verfrühte Blühreiz korreliert nicht mit dem Rhythmus der Insekten. Wenn die Bienen erwachen, ist die Blühphase mitunter schon vorbei. Die Pflanzen können dann nicht mehr bestäubt werden", sagt Wissemann.

Somit liefert Hoffmanns Forschung Erkenntnisse über globale Entwicklungen, die zu seinen Lebzeiten noch keine Rolle spielten. Ein Umstand, der das Werk des Botanikers noch bedeutsamer macht.

An der Seitenwand der Hermann-Hoffmann findet sich eine bronzene Gedenktafel. Neben dem Konterfei des Namensgebers sind vier Pflanzenreihen abgebildet. Das Maiglöckchen für den Frühling, der Mohn für den Sommer, die Sonnenblume für den Herbst und der Winterling für den Winter. Der Frankfurter Künstler Heinz Bube hat diese Kunst am Bau 1960 angefertigt.

Vielleicht findet sich für Hoffmanns Barometer ebenfalls ein prestigeträchtiger Platz in der Akademie. Schließlich hat es seinem Namensgeber und somit der gesamten Botanik gute Dienste erwiesen.

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