Bekenntnisse eines Serienmörders

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Einen ungewöhnlichen Killer beleuchtete Autor und Musikredakteur Hollow Skai am Mittwoch im Rahmen des Krimifestivals. Wer schon immer wissen wollte, weshalb so viele Rockmusiker auf dem Zenit ihrer Karriere sterben, für den hatte er im Ulenspiegel eine skurrile Antwort parat in seiner Geschichte "Samuel Hieronymus Hellborn – Memoiren eines Rockstar-Mörders".

Einen ungewöhnlichen Killer beleuchtete Autor und Musikredakteur Hollow Skai am Mittwoch im Rahmen des Krimifestivals. Wer schon immer wissen wollte, weshalb so viele Rockmusiker auf dem Zenit ihrer Karriere sterben, für den hatte er im Ulenspiegel eine skurrile Antwort parat in seiner Geschichte "Samuel Hieronymus Hellborn – Memoiren eines Rockstar-Mörders".

Der kontaktfreudige Mann bringt 75 Jahre lang einen Musiker nach dem anderen um und legt in seinen Memoiren ein offenes Geständnis ab. Sein Vater wandert Anfang des 20. Jahrhunderts von Deutschland in die USA aus. Schon als Jugendlicher entwickelt Hellborn eine sadistische Neigung, malträtiert skrupellos Enten. Zu seinem größten Idol wird Bluessängerin Bessie Smith. Der Protagonist handelt bei seinen Taten stets mit strengem Kalkül, so gerät er bei Smith‘ vermeintlichem Unfalltod nicht in Verdacht.

Hollow Skai las die Geschichte abgeklärt und amüsierte mit ausgeprägtem Hang zum Sarkasmus. Als ergiebige Basis für sein Buch erwiesen sich profunde Kenntnisse des soziokulturellen Milieus sowie der Rockmusikhistorie. Jimi Hendrix steigert sich aus Hellborns Perspektive durch eine Hellseherin darin rein, unter Drogeneinfluss zu sterben, was sich im Alter von 27 Jahren denn auch bewahrheiten soll. Der Killer hilft dabei ein klein wenig nach. Bemerkenswert: Hellborn ist felsenfest davon überzeugt, das Richtige zu tun, Hendrix "vorm Abstieg vom Thron der Gitarristen" zu schützen. Stets aufs neue verblüffte die abstruse Logik des Serienmörders; unanzweifelbar rechtfertigt er beispielsweise, weshalb er Elvis Presley umbringen muss. Der Täter hat ein in sich geschlossenes Wertesystem, verfolgt das Ziel, den Weg freizumachen für hoffnungsvolle Nachwuchstalente.

Satirisch auf die Spitze trieb Skai den Plan des Protagonisten, durch "Sterbehilfe" den posthumen Erfolg berühmter Stars anzukurbeln und so lukrative Deals mit Plattenfirmen zu machen. Erstes Opfer: Jeff Buckley. Weitere Todesfälle kommen hinzu, ehe sich Hellborn aus dem Geschäft zurückzieht.

Die ausgefallene Veranstaltung bereicherte Marius del Mestre durch musikalische Hommagen an die Künstler. Mit ausdrucksvoller Stimme sang er etwa Smith‘ Song "Nobody knows you when you are down and out", begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre. Seine hingebungsvollen Interpretationen überzeugten, so auch die Version von Leonard Cohens Hit "Hallelujah".

Im Ganzen beeindruckte die in sich runde Verbindung aus Lesung und Konzert. Skai und del Mestre zeigten dabei gleichermaßen originelle Fantasie und rissen das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

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