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Rick Astley (Mitte), begleitet von Ryan Farmery, Adam Evans, Lauren Johnson und Dawn Joseph (v. l.).

Bekanntes neu entdeckt

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Glück für die Besucher des Rick-Astley-Konzerts am Montag im "heyligenstaedt". Der britische Popsänger und Komponist macht ganz intim vor kleinem Publikum im Hochzeitssaal auf seine Tour und das neue Album "The best of Me" aufmerksam. Ein ungewöhnlicher Auftritt auf hohem Niveau.

Aus der Redaktion

Das Publikum hatte für das Konzert von Rick Astley im Gießener Restaurant und Hotel "heyligenstaedt" nichts bezahlt, da alle Karten bei hr 1 verlost worden waren. Nicht wenige kamen von weit her angereist, die Stimmung war erwartungsvoll fröhlich. Vorab stellte Moderator Bastian Korff dem Star der 80er Jahre nach einer witzigen Einleitung ein paar Fragen und wärmte das Publikum auf. Frage auf Zuhörerwunsch: "Wie schaffst Du es, immer noch so volles Haar zu haben?" Astley parierte cool: "Das wird in China hergestellt, und ich hab drei davon: eins für gutes Wetter, eins für schlechtes und eins für Wind." Großer Beifall. Er freue sich, dass er immer noch auf die Bühne dürfe.

Astley, jetzt 53, wirkt relaxed und bei sich, und auf die Frage, worum es bei "The Best of Me", seinem neuen Album, gehe, sagt er, es sei "sehr attraktiv gewesen, die alten Songs in neuer Bearbeitung aufzunehmen und einige auch neu zu entdecken."

Das ist zum Teil auch der Ansatz des kurzen Konzerts. Astley startet allein mit Pianist Ryan Farmery und dem Mega-Hit "Never gonna give you up" (NGGYU), in einer kleinen Version. Aber wenn man dann seinen angenehmen Bariton hört und die sensible Art, wie er das singt, was man im Grunde immer noch auswendig kann, verändert sich etwas. Ohne sich groß anzustrengen vergrößert er das klangliche und expressive Spektrum, fügt Nuancen ein und sehr viel Gefühl, was man so noch nicht kannte. Damals zischte die Dancefloor-Nummer viel zu flott los, der Hüftschwung lenkte ab, und tatsächlich sang Astley damals auch deutlich kommerzieller. Die Produktion war glatt und effizient, und der zeitgemäße, mitreißende Discosound wollte weder auffallen noch besonders sein; nur absolut tanzfähig musste das Ding sein, und das hat ja geklappt - man braucht heute noch nur die erste Zeile zu hören, und der ganze Song ist wieder da.

Später kommen Adam Evans (Gitarre) und Lauren Johnson und Dawn Joseph (Gesang) dazu, und die Bandbreite erweitert sich deutlich. Der ästhetische dunkle Stimmsound ergänzt schon bei "Angels on my side" die sanft harmonische Begleitung ganz exzellent, die Sache schiebt sich in Richtung Blues. Und jetzt kann Astley auch zahlreiche stimmliche Nuancen zeigen, sogar schwarze Töne hat er drauf, er zeigt großes Gefühl, und man horcht auf. Keine Spur von unverbindlichem Popgedudel, stattdessen Abwechslung und Drama. Dann bei "Cry for help" reißt es die Zuhörer mit, sie klatschen - nicht zum ersten Mal sogar auf die Zwei; ein Höhepunkt des wohlklingenden Abends. Zum Schluss noch mal "NGGYU", diesmal im original Tempo. Jetzt stehen wieder alle auf, klatschen mit und sind gut drauf, die meisten lächeln. Sehr langer Beifall und eine Zugabe. Ein sehr schöner Abend.

Das Konzert wurde aufgezeichnet und wird am 4. November in der "hr-1-Lounge" gesendet.

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