Begeistert von Tipp-Kick seit über 30 Jahren

Gießen (kw). "Als Kind habe ich ein Tipp-Kick-Spiel geschenkt bekommen." Das trifft bestimmt auf viele Männer seines Alters zu. Doch für Christian Schäl wurde das Geschenk Auslöser einer Begeisterung, die mittlerweile über 30 Jahre anhält. Kürzlich wurde der 48-Jährige Hessischer Tipp-Kick-Meister - ein Erfolg für den jungen Gießener Verein "Spieltrieb Ylipulli".

In Michelbach im Odenwald setzte sich Schäl im Finale gegen den Frankfurter Peter Becker durch. Erst wenige Sekunden vor Spielende gelang ihm das entscheidende Tor zum 3:2. Im Halbfinale schlug er ebenfalls knapp mit 3:4 und 3:3 den amtierenden Deutschen Meister Alexander Beck, der mit seinem TKC Gallus Frankfurt in der Bundesliga spielt. "Das war für mich besonders schön", berichtet der 48-Jährige im AZ-Gespräch.

Freilich hat er selbst einst ebenfalls in Bundesliga gespielt, und das in einer Zeit, als es noch weit mehr Tipp-Kick-Spieler gab. In den siebziger Jahren gewann der damals 16-jährige Wetterauer ein Turnier, das Aktive vom TKC Wöllstadt organisiert hatten. Sie warben ihn als Mitspieler, der viel Zeit und Herzblut in das Ziel steckte, immer besser zu werden. "Wenn andere Kinder im Sommer ins Schwimmbad gingen, habe ich mit einem Freund Tipp-Kick gespielt", erzählt Christian Schäl. Stundenlang und manchmal bis in die Nacht übte er beispielsweise Eckstöße in Zehnerserien.

Das damals erreichte Niveau habe er auch während Studium und Berufstätigkeit recht gut halten können und sich zugleich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. "Das Schöne ist: Man kann Tipp-Kick sehr lange spielen." Schon von Jugend an kenne er die Gleichgesinnten. "Das ist wie eine kleine Familie." Anstrengend könne das Spiel aber durchaus sein. Zum einen merke man von Jahr zu Jahr mehr, dass die gebeugte Haltung den Rücken plagt. Müde sei nach einigen Stunden Spiel aber vor allem auch für das Gehirn. Denn beim "Kicken" mit modernen Metallfuß-Figuren auf der großen filzbespannten Platte sei - im Vergleich zur Kinder-Version - kaum etwas dem Zufall überlassen. Taktische Überlegungen rücken in den Vordergrund. "Es ist ein bisschen wie Blitzschach", so Christian Schäl.

Jede Woche beschäftigt sich der Familienvater rund fünf bis zehn Stunden mit seinem Hobby. "Ich trainiere etwa vier Stunden, dazu bastle ich an meinen Figuren oder informiere mich im Internet über Neuheiten." Besonders gut gefällt ihm, dass man Tipp-Kick die Figuren anfasst. Das "haptische Erlebnis" unterscheide es von den Bildschirm-Spielen, die heute eher die Masse fesseln.

"Tausende" hätten sich in den achtziger Jahren beim Mini-Fußball gemessen, erinnert sich mit etwas Wehmut Jens Jepp, Vorsitzender von "Spieltrieb Ylipulli". Diejenigen, die jetzt diese Begeisterung wieder aufleben lassen, haben das selbst miterlebt. Die Gießener, die im vergangenen Herbst den Verein gründeten, sind jedenfalls allesamt Männer über 40. Benannt hat sich der Club nach einem finnischen Skispringer, weil der in den Medien seines Heimatlandes in den Schlagzeilen stand, "als wir zusammen in Finnland waren und da einen besonderen Schuss entwickelt haben". Etwa alle drei Wochen treffen sich die Mitglieder zum "Training".

Inzwischen zählt "Spieltrieb Ylipulli" zwölf bis vierzehn Mitglieder und ist dabei, sich einen Namen in der Szene zu machen. In der "Verbandsliga Südwest" der Tipp-Kicker hatten die Gießener bis zum Sonntag alle Spiele gewonnen. Dann unterlagen sie jedoch in Wißmar im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga gegen die TKVgg Remseck mit 14:18 und mussten den Aufstieg ihrem Kontrahenten überlassen.

Wer Näheres über "Spieltrieb Ylipulli" erfahren oder mitmachen möchte, kann sich per E-Mail wenden an jens.jepp@arcor.de.

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