Für das Bauprojekt ist der Spielplatz verlegt worden. FOTO: HIN
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Für das Bauprojekt ist der Spielplatz verlegt worden. FOTO: HIN

Befürworter als "Dorfzerstörer" bezeichnet

  • vonDagmar Hinterlang
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Gießen-Allendorf(hin/khn). Die Wogen schlagen hoch, seit das quartierbezogene, barrierefreie Wohnprojekt am Kleefeld in Allendorf seinen Anfang nahm. Kein Wunder also, dass das Thema auch bei der ersten Sitzung des Ortsbeirats nach langer Corona-Pause für Emotionen sorgte. Das Gremium tagte unter strikter Einhaltung der Hygieneregeln in der Gaststätte "El Greco" in der Sport- und Kulturhalle. Hochwasserschutz und Grundschule waren weitere Themen.

Als "Dorfzerstörer und Diktatoren" brandmarkte ein Plakat im Ortskern die Befürworter des Projekts, allen voran Ortsvorsteher Thomas Euler. Tobias Blöcher von der SPD widersprach diesen Vorwürfen entschieden. Er unterstrich, dass die Mitglieder im Ortsbeirat ehrenamtlich ihre Freizeit opferten, um etwas für ihr Dorf zu bewirken. Der Urheber des Plakats entschuldigte sich in der Sitzung am Dienstagabend zwar für den Aushang. Seiner Empörung tat dies keinen Abbruch. Er und seine Frau seien nervlich am Ende, sagte der Bürger. Seine Wut richtete sich auch gegen Busverkehr und Müllfahrzeuge, klagte der Anwohner der Hüttenbergstraße. Um Verkehrsverstöße zu dokumentieren, hat er anscheinend eine Kamera installiert; allerdings sagte er auch, sie sei nur eine Attrappe. Eine Zuhörerin ärgerte sich trotzdem. Sie finde es bedenklich, wenn ihr Kind auf dem Schulweg gefilmt werde.

Persönlich verletzt

2016 war im Ortsbeirat eine Initiative gestartet worden, seniorengerechte, barrierefreie Wohnungen im Stadtteil zu ermöglichen. Magistrat, Ortsbeirat und Stadtverordnetenversammlung stimmten dem Verkauf der städtischen Fläche an die Firma Revikon mehrheitlich zu. Gebaut werden nun fünf Gebäude, davon eines mit zwölf Wohneinheiten für den Sozialen Wohnungsbau. Hinzukommen drei barrierefreie Häuser sowie ein Gemeinschaftshaus für die Bewohner.

Die Auseinandersetzung um das Wohnprojekt und eine damit verbundene Unterschriftenaktion hat das Dorf, wie zu vernehmen war, gespalten. Ortsvorsteher Euler versuchte, die Diskussion auf einer Sachebene zu strukturieren. Er brachte aber auch zum Ausdruck, wie sehr er sich persönlich von den Anschuldigungen verletzt fühlte. Die Projektgegner hatten dem Ortsvorsteher eigene Interessen an dem Bauprojekt unterstellt. Weitere Kritikpunkte sind der Hochwasserschutz sowie die Verkleinerung des Bolz- und die Verlegung des Spielplatzes.

Euler betonte, es sei gut und wichtig, dass es unterschiedliche Meinungen gebe, dass Bürger von ihrem Recht Gebrauch machten, Unterschriften gegen ein Projekt zu sammeln oder dagegen zu klagen. Ihn ärgere es aber, dass die Initiative nie den Dialog gesucht oder eine Ortsbeiratssitzung besucht habe. Außerdem seien bei der Unterschriftensammlung "Unwahrheiten und Mutmaßungen" verbreitet worden.

Das Verwaltungsgericht hatte die Klage eines Anwohners gegen das Bauprojekt im Februar zurückgewiesen. Für Euler ist dieses Urteil besonders interessant. Es sei deutlich geworden, dass der Kläger selbst bei seinem 2015 in unmittelbarer Nähe gebauten Haus keinen Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet habe. Der Ortsvorsteher sagte, er könne es verstehen, dass der Anwohner nun "vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel versucht, hier noch etwas zu retten". Er bedauere aber, dass bis zur richterlichen Entscheidung die Baustelle ruhe. Euler forderte den Kläger auf, "selbst an seinem Bau für Hochwasserschutz zu sorgen". Die Stadt solle "Ausgleichsmaßnahmen für diesen privaten Bau von 2015 nachträglich fordern".

Zwei Klassen

Ein weiteres Thema waren die Kleebachschule und die Tatsache, dass zwei erste Klassen gebildet worden sind. Kritikpunkt war, dass Kinder aus dem Neubaugebiet vornehmlich in der einen und Kinder aus dem "alten Dorf" in der anderen Klasse eingeschult wurden. Euler hätte sich eine Durchmischung gewünscht, um ein "Wir" und "Die da" zu vermeiden. Die Schule hatte jedoch dem Elternwunsch entsprechend gehandelt, was der Ortsbeirat akzeptierte.

Zum Thema Hochwasserschutz lagen indes zwei Anträge der SPD vor. So sei es nötig, das Bett des Kleebachs von umgestürzten Bäumen zu befreien. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass der Wasserdurchlass am Stauwerk im Hochwasserdamm die Leistungsfähigkeit von Brücke und Wehr nicht überlaste.

Volker Arnold von den Bündnisgrünen forderte zudem die Ausweisung einer 200 Meter langen Strecke in der Straße Altes Gericht (Kreisel bis Einmündung Gerichtsspitz) als verkehrsberuhigte Zone. Bisher gilt dort ein Tempo-30-Limit. Zahlreiche weitere Themen rund um den Straßenverkehr im Dorf sollen gesammelt und bei einem Verkehrstag mit Bürgermeister Peter Neidel im November zur Sprache gebracht werden, regte Blöcher an.

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