Der Bedarf ist groß

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Gießen (pm). Mit der "Koordinationstelle Migration und Behinderung" nimmt die Lebenshilfe eine Vorreiterrolle ein und bietet Innovationen auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene. Seit dem 1. Februar hat die Einrichtung in der Siemensstraße 6 für hilfesuchende Personen geöffnet. Nach rund sechs Monaten zieht die Lebenshilfe in Anbetracht der bisherigen Resonanz Bilanz.

Gießen (pm). Mit der "Koordinationstelle Migration und Behinderung" nimmt die Lebenshilfe eine Vorreiterrolle ein und bietet Innovationen auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene. Seit dem 1. Februar hat die Einrichtung in der Siemensstraße 6 für hilfesuchende Personen geöffnet. Nach rund sechs Monaten zieht die Lebenshilfe in Anbetracht der bisherigen Resonanz Bilanz.

"Das alles hier ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird von der Aktion Mensch finanziert", erläutert Smira Kaznawy. Die 30-Jährige Erziehungswissenschaftlerin leitet die Koordinationsstelle gemeinsam mit Hakim Rasho (29), der vor drei Jahren selbst als Flüchtling aus Syrien gekommen war. Beide Berater agieren mehrsprachig und stehen ihren Klienten auf vielfältige Weise bei. Im Zentrum der Tätigkeit der Koordinationsstelle stehen hierbei beratende und unterstützende Maßnahmen für Flüchtlinge, Asylbewerber und Personen mit Migrationshintergrund, die von einer geistigen, körperlichen oder chronisch seelischen Behinderung betroffen sind.

Konkrete Hilfestellungen sind Orientierungsgespräche zur Klärung des behinderungsspezifischen Unterstützungsbedarfs, Kontaktvermittlung zu relevanten Institutionen, wie dem Betreuungsbüro des Landkreises Gießen, den Krankenkassen und Ärzten, sowie Unterstützung bei Anträgen auf Behindertenausweise. Allen Beratungs- beziehungsweise Arbeitsschritten geht die Ermittlung des jeweils rechtlichen Status voraus. Hierfür bilden sich Kaznawy und Rasho regelmäßig fort, um aktuelle politische Entscheidungen unmittelbar geltend zu machen.

Smira Kaznawy und Hakim Rasho gehen ihrer Arbeit mit großem Einfühlungsvermögen nach. "In manchen Ländern gilt eine Behinderung leider als Gottesstrafe", berichtet Kaznawy. Nicht wenige Klienten mussten in ihrer Vergangenheit viel Leid erfahren. Mitunter gelte es, so die Beraterin, Klienten für die eigene Behinderung zu sensibilisieren, zu informieren und ein sachgemäßes Verständnis aufzubauen.

Laut der Lebenshilfe sei im Kreis Gießen ausschließlich die Koordinationsstelle für diese spezielle Nachfrage zuständig. Kaznawy bilanziert den Zeitraum seit der Eröffnung: "Wir befinden uns nun im siebten Monat, es läuft wirklich gut an und wir haben sehr viele Anfragen. Der Bedarf ist offensichtlich groß."

Aktuell arbeitet die Koordinationsstelle mit 26 Klienten aus unterschiedlichen Ländern zusammen. Darunter sind Menschen aus Syrien, Afghanistan, aber auch aus dem europäischen Ausland. Beim Großteil der Personen handelt es sich um Menschen mit einer geistigen Behinderung.

Zu erreichen ist die Einrichtung unter 06 41/972 10 55 420 zu den telefonischen Sprechzeiten montags von 9 bis 10 Uhr, mittwochs 14 bis 15 Uhr und donnerstags von 10 bis 11 Uhr. Die offene Sprechstunde findet immer donnerstags von 11 bis 13 Uhr in der Siemensstraße 6 statt. Kontaktaufnahme unter migration@lebenshilfe-giessen.de.

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