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Markierungen für Baustraße im Gebiet »In der Roos«.

VGH-Entscheidung abwarten

Paukenschlag in Gießen: Umstrittenes Projekt wird auf Eis gelegt

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Die Koalition und die Liste Gigg im Gießener Stadthaus stoppen die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet in Rödgen. Hier sollen bis zu 33 Wohnhäuser entstehen. Der Stopp nimmt Rücksicht auf rechtliche Belange.

Gießen - Paukenschlag im Bau- und Planungsausschuss: Die Koalition aus Grünen, SPD und Gießener Linke ist am Dienstagabend einem Antrag der Oppositionsfraktion Gigg (Gießen gemeinsam gestalten) gefolgt und hat die Weiterarbeit am Rödgener Baugebiet »In der Roos« auf Eis gelegt.

Nach dem Beschluss, den das Stadtparlament am 30. September bestätigen muss, darf mit der Erschließung des Baugebiets erst begonnen werden, wenn ein beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängiges Normenkontrollverfahren, das der Rödgener Ortslandwirt Konstantin Becker im Mai 2020 angestrengt hatte, abgeschlossen ist. Diese Entscheidung, bei der der seit Dezember 2019 rechtskräftige Bebauungsplan vom Gericht überprüft wird, könnte sich noch zwei bis drei Jahre hinziehen.

Gießen: Baugebiet „In der Roos“ in Rödgen soll rechtssicher bleiben

Für die Fraktion Gigg betonte Max Würtz, es gehe nicht um die Verhinderung der Bebauung mit bis zu 33 Wohnhäusern, sondern um eine rechtssichere Planung. Der erste Teil der Antragsbegründung vermittelt dagegen durchaus den Eindruck, dass es darum geht, die Bebauung des innerdörflichen Wiesengeländes zu verhindern. Mit der Bebauung ginge die »hohe biologische Diversität« des Gebiets verloren, außerdem würde eine Versiegelung dem Klimabeschluss des Stadtparlaments vom September 2019 widersprechen, heißt es.

Die Koalition übernahm den Gigg-Antrag und ergänzte ihn nur um den Zusatz, dass einzig die Umsiedlung des seltenen Ameisenbläulings aus der Roos in die Wiesenlandschaft westlich der Ortslage weitergehen soll.

Von dem Stopp wäre neben der Erschließung womöglich auch das noch nicht abgeschlossene Umlegungsverfahren betroffen.

Baugebiet „In der Roos“ in Gießen gestoppt: Geißler zeigt sich entsetzt

Heiner Geißler, Fraktionschef der Freien Wähler, zeigte sich entsetzt. Jahrelangen Diskussionen in Rödgen sei 2019 der Kompromissplan für die Roos gefolgt; über andere Wohnbauflächen verfüge der Stadtteil nicht. »Dann gibt es keine Entwicklung mehr in Rödgen«, sagte Geißler.

Nach GAZ-Informationen soll es bei den Grünen sogar Überlegungen gegeben haben, den Bebauungsplan mit einer Aufhebungssatzung zu beerdigen. Ein Verzicht auf das Gebiet wäre auch eine Abkehr von der Linie von Grünen-Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die bis 2016 als Planungsdezernentin den B-Plan unter dem Motto Innenverdichtung vor Landschaftsverbrauch im Außenbereich auch Widerstände vor Ort vorangetrieben hatte. CDU-Planungsdezernent Peter Neidel führte die Planung dann - leicht abgespeckt - zu Ende.

Für die verjüngte Stadtfraktion der Grünen indes ist das Wohngebiet offensichtlich keine Innenverdichtung, sondern Naturverbrauch. Seit Dienstagabend scheint in Gießen zu gelten: Ende im Gelände.

Neidel und Planungsamtsleiter Dr. Holger Hölscher reagierten auf der Magistratsbank sichtlich konsterniert auf den Beschluss.

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