Mit Wut im Bauch

Gießen (sak). Komikerin Enissa Amani besuchte am Sonntagabend die Kongresshalle mit ihrem neuen Programm "Mainblick". Darin schlug die Deutsch-Iranerin unterschiedlichste Töne an, von beleidigend über politisch brisant bis konventionell.

Von SAK

Gießen (sak). Komikerin Enissa Amani besuchte am Sonntagabend die Kongresshalle mit ihrem neuen Programm "Mainblick". Darin schlug die Deutsch-Iranerin unterschiedlichste Töne an, von beleidigend über politisch brisant bis konventionell.

Wer darauf steht, beleidigt zu werden, sollte sich bei den Shows von Enissa Amani in die vorderen Reihen setzen. Mit etwas Glück nimmt die Komikerin aus Frankfurt am Main direkten Kontakt auf und beißt zu. Wer den Spaß nicht versteht, hat an diesem Sonntagabend schlechte Karten.

Gleich zu Beginn ihres neuen Programms "Mainblick" pickt sich die 36-Jährige ein Schwesternpaar heraus, und sagt der einen, dass sie die Häßlichere der beiden sei. Autsch. Das Publikum im fast ausverkauften kleinen Saal der Kongresshalle feiert Amani trotz oder gerade wegen solchen Trash-Talks.

Trash-Talk und Politik

Nach dem Eröffnungsgeplänkel kommen mit einem Mal aber unerwartet ernsthafte Töne von der Bühne. Die Deutsch-Iranerin rekapituliert ihren Auftritt bei "Hart, aber fair" von Anfang April im Fernsehen. In der Talkshow diskutierte sie mit Polit-Experten unter anderem über Edmund Stoibers Aussage "Der Islam gehört nicht zu Deutschland". Sie argumentierte für Muslime in Deutschland. Allerdings nahm nach ihrer Einschätzung in der Sendung keiner ihre Aussagen ernst. Das ärgert sie bis heute. Und so ist der Komikerin in den folgenden 45 Minuten auch nicht zum Scherzen zumute. Sie hat Wut im Bauch.

"Warum sorgt ein Einwanderer für Anstoß, wenn er einen Job in Deutschland findet, aber nicht US-Konzerne wie Starbucks, die zu massenweisen Schließungen von regionalen Bäckereien führen?", fragt sie. Oder: "Warum darf die AfD Plakate mit durchgestrichener Moschee aufhängen?" Amani will aufrütteln und vor Rechtspopulismus warnen – löblich und verständlich. Doch gehört so etwas in ein Stand-up-Programm? Ja! Allerdings fehlt ihr der Mut das Politische in Comedy zu verpacken.

Keine Graubereiche

Die einzigen Lacher, die Amani während dieses Monologs erzielt, entstehen durch gelegentliche Publikumsbeleidigungen. Dabei gibt es erfolgreiche Vorbilder in der Szene, die mit intelligentem Witz Ungerechtigkeiten ansprechen, wie der Südafrikaner Trevor Noah oder die US-Amerikanerin Ali Wong.

Die Frankfurter Komikerin hingegen beendet ihr Programm unpolitisch, mit klischeebeladenen Gags über Männer, Frauen und Social Media. Das Publikum findet daran wieder großen Gefallen. Nichtsdestotrotz bleibt der schale Eindruck zurück, dass Amani für Kalauer lieber auf das von ihr angeklagte Schwarz-Weiß-Denken setzt, als Graubereiche zuzulassen.

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