Alte Post

Was im Bauantrag zur Alten Post in Gießen steht

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Mit unglaublichem Tempo arbeitet Kai Laumann an der Rettung der Alten Post. Der Unternehmer hat am Donnerstag den Bauantrag abgegeben. In den drei Aktenordnern stehen spannende Details.

Kai Laumann ist immer für eine Überraschung gut. Am gestrigen Donnerstag hat der neue Besitzer der Alten Post im Rathaus den ersten Bauantrag für sein Areal am Bahnhof gestellt. Gut zweieinhalb Monate nachdem er das vom fast 20-jährigen Leerstand gezeichnete Kulturdenkmal von den ehemaligen Besitzern, Karim Shobeiri und Silvia Würtele gekauft hatte.

Er umfasst den geplanten Neubau und das Telegraphenamt. In den drei dicken Aktenordnern, die Laumann gemeinsam mit seinem Planer, dem Wettenberger Bauingenieur Dietmar Moos, im Büro von Bürgermeister Peter Neidel auf den Schreibtisch stellte, stecken einige spannende Details über die Zukunft der Gebäude. "Dieses Tempo war nur möglich, da wir sehr gut mit der Stadt zusammengearbeitet haben", sagte Laumann bei der Übergabe. Er lobte die Zusammenarbeit mit Stefan Schäfer und Irina Probst vom städtischen Bauordnungsamt und Gabriele Kron vom Stadtplanungsamt. "Das war wirklich eine sehr gute Kooperation. Der Antrag ist komplett abgestimmt, auch mit der Denkmalschutzbehörde", betonte Laumann.

Gute Zusammenarbeit mit Ämtern

Neidel, der die Grundlagen für die Planung über das Planungsamt in Absprache mit Laumann gelegt hatte und den Bauantrag nun an das Bauordnungsamt weiterreichen wird, gab am Abend in der Stadtverordnetenversammlung, die den Bebauungsplan beschlossen hat, einen ersten Einblick in die konkreten Vorhaben. Demnach wird im Erdgeschoss der Alten Post tatsächlich – so wie im Bebauungsplan gewünscht – eine Gastronomie einziehen. Das Konzept wollte Laumann noch nicht verraten, dem Vernehmen nach stehen allerdings interessante Nutzer zur Verfügung, die die gesamte Fläche bespielen und zudem im Innenhof eine Außengastronomie errichten wollen.

Ein Clou dürfte zudem die zweite Gastronomie werden, die Laumann für das Telegraphenamt vorgesehen hat. In einem ehemaligen Kesselhaus, das noch einige Meter unter dem eigentlichen Kellergeschoss liegt, plant der Unternehmer eine Gin- und Weinbar. Auch für dieses Lokal ist eine Außengastronomie im Innenhof vorgesehen. Ein Nutzer ist dafür noch nicht gefunden. "Ich bin überzeugt davon, dass die Alte Post eine Gastronomie benötigt. Und ich möchte, dass die Gießener das Kulturdenkmal auch betreten und benutzen können", erklärte Laumann.

Gin-Bar im Kesselhaus

Für Neubau und Telegraphenamt ist auch im Bauantrag eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. "Ich hätte den Mieter heute schon gerne bekanntgegeben, aber die Verträge sind noch nicht unterschreiben", erklärte Laumann, verriet aber, dass auch die Planung schon eng mit dem Interessenten abgestimmt sei. Die beiden Gebäude hinter der Post – alt und neu – werden miteinander verbunden. "Ursprünglich hatte der Denkmalschutz Bedenken angemeldet und wollte eine erhebliche Lücke zwischen den beiden Häusern", erklärte Neidel. Dies sei nun mit einer nach hinten versetzen Verbindung gelöst worden, sodass sich zwar eine optische Trennung, aber doch eine funktionelle Einheit ergebe. Dort wird ein Aufzug für die beiden gleich hohen Gebäude errichtet. Im Erdgeschoss erhält der Neubau eine stattliche Glasfassade.

Laumann, Geschäftsführer der gleichnamigen Zimmerei- und Bedachungs GmbH aus Wettenberg, will das Tempo hochhalten. Schon im Januar möchte er auf dem Areal ein Baubüro einrichten. "Ich hoffe, dass wir im März mit ersten Arbeiten loslegen können", sagte er. Schon Ende 2019 sollen alle denkmalschutzrechtlichen Maßnahmen an Dach und Fassade der bestehenden Gebäude umgesetzt sein. "Ich plane damit, dass die Alte Post im nächsten Dezember außen wieder im alten Glanz erstrahlt und der Nutzer des Telegraphenamts im Juni 2020 einziehen kann", sagt Laumann. Für die Restaurierungsarbeiten hat er die Firma Nüthen angefragt, die in Gießen auch schon die historische Treppe am Bahnhof sowie das Soldatenrelief an der ehemaligen Bergkaserne herausgeputzt hat.

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