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Die Rapper Max Strelow (vorne) und Simon Groos (hinten) bilden mit Beatproduzent Henry Seidewitz das Rap-Kollektiv Neighbour Flavour. Ihre EP »Zwei Schwätzer« ist ein Hiphop-Projekt aus und über Gießen.

»Ballin’ in der Schlappegass«

  • Daniel Beise
    vonDaniel Beise
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»Zwei Schwätzer« heißt ein neues Hiphop- Projekt aus und über Gießen. Für das Debüt haben Promis Grußworte beigesteuert - auch Gießens OB. Das Rap-Kollektiv Neigh-bour Flavour beschreibt das Lebensgefühl Gießens Jugend.

Komm, wir ballin’ in der Schlappegass, ballin’ in der Schlappegass. Alle kommen mit und wir ballin’ durch die Nachbarschaft.« So lautet der Refrain des zweiten Songs auf der neuen Musik-EP (Extended Play) des Gießener Hiphop-Kollektivs Neighbour Flavour mit dem Titel »Zwei Schwätzer«. »Ballin’« ist ein Begriff aus der Rap-Kultur und meint: ein gutes Leben führen, ohne sich viele Sorgen machen zu müssen. »Und Schlappegass wurde der Seltersweg ja mal genannt, weil dort so viele Schuhgeschäfte waren«, sagt Rapper Max Strelow, der sich als Künstler MAST nennt. »Das schien uns ein interessanter und zeitgemäßer Titel, weil er das Moderne mit dem ›Back to the roots‹ verbindet.«

Eingeleitet wird der Song mit dem Gruß von Dietlind-Grabe Bolz: »Als Oberbürgermeisterin der Stadt Gießen sage ich: Super, dass Sie - die Artists MAST und ZMNSTR - mit ihrem Projekt ›Zwei Schwätzer‹ für unsere schöne Stadt Gießen unterwegs sind.«

Mit der OB war Strelow nach einem Auftritt ins Gespräch gekommen, sie habe gesagt, dass sie den Song »353« über Gießen total cool finde und das »authentischer und hörbarer« Rap sei. »Für das Projekt habe ich sie angeschrieben und schnell eine positive Rückmeldung bekommen. Das hat uns riesig gefreut.«

Der zweite Schwätzer ist Simon Groos alias ZMNSTR (»simonster« gesprochen). Der Dritte im Bunde ist Beatproduzent Henry Seidewitz mit dem Künstlernamen Job.Bones, er ist kein Rapper. Daher lautet auch der Titel des Projekts »Zwei Schwätzer« und nicht drei wie die Figuren im Sletersweg. »Die stehen neben dem Elefantenklo natürlich symbolisch für Gießen«, sagt Groos. »Der Name hängt stark mit unserem Selbstverständnis zusammen. Wir sind alle drei Hessen und versuchen, die Leute mit Storys aus der Region und insbesondere Gießen zu erreichen«, fährt Strelow fort. »Weil das der Ort ist, an dem wir zusammengefunden haben und mit dem wir wunderbare Momente verbinden.«

Die Stadt sei bunt und habe viel zu bieten, finden die Künstler, »Das ist unser Beitrag dazu. Wir wollen präsentieren, was hier geht und Hiphop auf die regionale Landkarte bringen.« So illustriert auch das Cover der EP im Comicstil ein Konzert vor dem Uni-Hauptgebäude. Gabriel Artuc, bekannt vom Marbobo-Kiosk gegenüber dem Uni-Hauptgebäude, hat genau wie Kneipen-Urgestein Britta Prell vom Sowieso »Shoutouts« für die EP geliefert. Man kennt sich. Der Begriff »Shoutouts« wird in der Rap-Szene und sozialen Medien verwendet, um sich bei Unterstützern zu bedanken und die Aufmerksamkeit auf inspirierende Menschen zu lenken.

Amigo-Ulrich wünscht viel Erfolg

Auch ein richtiger Schlagerstar ist auf der Platte. Amigo Bernd Ulrich. Sein Gruß im ersten Track der Platte »Gude«: »Hi Freunde, hier ist der Bernd von den Amigos - also Abteilung Schlager und Disco Fox. Nicht so euer Ding natürlich. Aber ich hab’ gehört, ihr habt ein neues Album. Viel Glück dafür. Und rapt die Bude, sag’ ich euch.« Strelow vermutet: »Ich glaube, er war von unserem Grundgedanken überzeugt: aus Hessen, für Gießen. Ich denke, Bernd würde das sicher nicht für jeden machen.«

Zuletzt konnte das Trio über ein Newcomer-Format beim bekannten Hiphop-Magazin »Backspin« noch eine nationale Größe der deutschen Rap-Kultur gewinnen: Boogiedown Base stünde als einer der Hauptakteure beim Magazin für die »Alte Schule« in der Szene und habe Deutschrap mit hochgebracht. Eine Riesenehre sei es, dass er einen »Shoutout« geschickt hat.

Vor allem und nicht zuletzt hat »Zwei Schwätzer« auch musikalisch viel zu bieten. »Der Sound orientiert sich an Oldschool-Beats aus den 90ern«, sagt Produzent Seidewitz, der in Frankfurt Audioengineering studiert hat. »Der Fokus liegt auf dem Bass, den Drums und Vocals; Melodien und Samples sind eher die Würze für die Songs. Ich würde das Klangbild als roh und dreckig, aber nicht unangenehm beschreiben«, erläutert der 23-Jährige.

Die Boom-Bap-Beats der Platte - wie dieser Stil aus der frühen Phase des Rap auch genannt wird - animieren direkt zum Mitwippen. Und auch rhetorisch haben die Jungs einiges auf dem Kasten: Originelle Punchlines (humorvolle Reime, die andere treffen/dissen sollen), eingängige Hooks (Refrain), und Power in ihren Stimmen. Alles in allem unterhaltsamer, anspruchsvoller Battle-Rap von Künstlern, die alles selbst machen - vom Texten über Promotion bis zur Produktion. »Die EP drückt die Schönheit von Gießen sehr gut aus - auch für Außenstehende«, findet Seidewitz. Einen Wunsch haben die drei Musiker noch: Sie freuen sich auf Konzerte und Open Airs. nach der Corona-Pause. Und: »Wir wollen endlich mal auf dem Stadtfest spielen.«

Das Cover der Musik-EP im Comicstyle.

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