Balance halten

  • vonRedaktion
    schließen

Die Balance zu finden, ist nicht ganz leicht, sagt Anna. Sie hat im Wintersemester ihr Lehramtsstudium begonnen und ist dafür aus dem Odenwald nach Gießen gezogen. Das 100-prozentige Online-Semester als Auftakt für das Studierendenleben hält Herausforderungen bereit. Besonders fehlt der unbeschwerte Kontakt mit anderen "Ersties", um das Gleichgewicht zwischen dem eigenen Anspruch, dem notwendigem Engagement im neuen Arbeitsfeld und der genauso nötigen Gelassenheit zu finden.

Die Tradition des Jesuitenordens kennt fünf Prioritäten des Lebens, an die ich in Zeiten großer Anspannung und persönlicher Krisen gerne denke. An erster Stelle steht, dem Schlaf sein Recht im Leben zu geben. Dem folgt, sich durch Bewegung und gesunde Ernährung ein gutes Gespür für den Körper zu bewahren. Als Drittes sind Gebet und Meditation genannt. Es stärkt uns, wenn wir angesichts Gottes auf unser Leben schauen, wie es gerade ist und so in uns hineinhören. Die vierte Priorität ist geprägt von den Beziehungen zu anderen Menschen, zur Familie, den Lebenspartnern, den Freunden und Freundinnen. Wir sollen ohne weiteren Zweck Zeit mit ihnen verbringen, unter Corona-Bedingungen natürlich auf Abstand beim Spaziergang, per Brief, am Telefon oder über Video-Meeting. Als letzte Priorität wird die Arbeit genannt. Sie steht hinten an, weil die Gefahr groß ist, sich von der Arbeit die Anerkennung zu erhoffen, die es eigentlich nur in der Beziehung zu anderen Menschen, in der Liebe geben kann.

Mit Anna habe ich über die fünf Prioritäten des Lebens gesprochen. Ich hoffe, dass sie ihr Kraft geben, um in der unvertrauten Situation die seelische Ausgewogenheit zu behalten, auch während des Lockdowns, mitten im Advent. Und bei allen Ungewissheiten, die Weihnachten 2020 mit sich bringt, können die fünf Wichtigkeiten der Jesuiten vielleicht auch ein wertvolles und schönes Geschenk sein. Ach ja, vorgestern schrieb mir Anna eine kurze Nachricht: "Ich hoffe, es kommen einfach wieder andere Zeiten, in denen man sich nicht so viele Sorgen machen muss!!!" Auch das ist ein guter Wunsch für dieses kuriose Weihnachtsfest.

Pfarrerin Jutta Becher Ev. Studierendengemeinde Gießen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare