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Sie will ins Kanzleramt: Annalena Baerbock.

»Baerbock verkörpert die nächste Generation«

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Gießen (mö). Gießens Stadträtin Gerda Weigel-Greilich ist seit über 30 Jahren bei den Grünen engagiert. Sie gehört dem Landesvorstand an und zum Inventar ihrer Partei in Hessen. Dass die Grünen nun das Kanzleramt ins Visier nehmen, hätte sie »niemals für möglich gehalten«. Annalena Baerbock ist für sie die richtige Spitzenkandatin bei der Bundestagswahl:

»Sie verkörpert die nächste Generation.«

Frau Weigel-Greilich: Sie waren schon bei den Grünen engagiert, als sie im Jahr der Wiedervereinigung aus dem Bundestag flogen. Jetzt will Ihre Partei die nächste Bundeskanzlerin stellen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Die Grünen haben unter dem Wahldebakel 1990 lange gelitten, aber auch eine Lehre daraus gezogen: Man darf nicht nur seine eigenen Themen durchziehen, sondern muss offen sein für neue Entwicklungen und sie aufgreifen. Das haben wir bei der Wiedervereinigung nicht getan. Die jetzige Entwicklung hätte ich nie für möglich gehalten. Das ist schon Wahnsinn.

Hat es Sie noch überrascht, dass es Annalena Baerbock geworden ist?

Eigentlich nicht mehr. Es hat sich in letzter Zeit eine Eigendynamik ergeben, die habe ich auch vor der Kommunalwahl gespürt. Eine Mehrheit der Gesellschaft möchte Veränderungen, aber mit Augenmaß. Für beides steht Annalena Baerbock. Sie verkörpert die nächste Generation mehr als Robert Habeck. Ich denke, das war ausschlaggebend.

Den Grünen wird vorgeworfen, die Kandidatenfrage sei quasi ungrün im Hinterzimmer ohne Einbindung der Mitglieder entschieden worden.

Wir hatten zwei sehr gute und unumstrittene Personen, die gesagt haben, dass sie die Kandidatenfrage selbst klären können. Da macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, nur um des Prinzips willen einen parteiinternen Wahlkampf auszurufen.

Baerbock wird vorgehalten, sie verfüge über keinerlei Regierungs- und Verwaltungserfahrung - im Gegensatz zu Harbeck.

Annalena Baerbock ist als Grünen-Chefin Vorsitzende einer Großorganisation mit über 100 000 Mitgliedern. Sie hat sich in dieser Position inhaltlich in ganz viele Themen eingearbeitet. In einer politischen Führungsposition kann man im Übrigen nie alles können und wissen. Man sollte möglichst gut vobereitet sein und eine klare Haltung haben. Die hat Annalena Baerbock. Ich bin mir sicher: Sie würde sehr angemessen reagieren, wenn sie ein Herr Erdogan an den Katzentisch setzt.

Wie weit weg ist das Kanzleramt für die Grünen?

Alles ist möglich. Wie gesagt: Ich nehme wahr, dass die Stimmung weitverbreitet ist, dass es nicht weitergehen kann wie bisher, insbesondere was den Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen betrifft. Es kommt jetzt darauf an, dass wir und unsere Kanzlerkandidatin die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, der Bevölkerung mit Augenmaß vermitteln.

Benzinpreis, Veggieday, Einfamilienhaus-Verbot: Die Liste der Stolperfallen, die sich die Grünen selbst stellen, ist lang.

Natürlich wird es Gegenwind und Versuche geben, Kampagnen gegen die Grünen und die Kandidatin zu fahren. Da darf man sich nicht gleich verunsichern lassen. Das mit dem angeblichen Einfamilienhaus-Verbot ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Argumenten solchen Kampagnen den Wind aus den Segeln nimmt. Niemand bestreitet doch ernsthaft, dass man in den Ballungszentren platzschonend planen und bauen muss.

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