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Am 9. Juli feiert Schäfers Backstuben in der Weststadt Eröffnung. An der Fläche waren vielen Mitbewerber interessiert.

Überall Brötchen

Gießen: Bäckereien sind die neuen Stadttore - Standorte hart umkämpft

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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An den Gießener Einfall-straßen entstehen immer mehr Bäckereien. Aktuell zum Beispiel in der Weststadt an der Rodheimer Straße. Denn diese Plätze sind für die Betreiber sehr profitabel und daher hart umkämpft. Nur wer über gute Kontakte und das nötige Kleingeld verfügt, kommt zum Zug.

Jeden Tag fahren rund 35 000 Menschen mit dem Auto zur Arbeit nach Gießen. Viele der Berufspendler versorgen sich auf dem Weg ins Büro noch schnell mit einem Kaffee oder einem Brötchen. Egal, aus welcher Richtung sie auch kommen, an den Gießener Einfall-straßen werden sie fündig. Überall haben Bäckereien Filialen eröffnet, um den Hunger der Kunden zu stillen. Genügend Platz zum Parken bieten die Standorte ebenfalls. Kein Wunder, dass diese Flächen heiß begehrt sind - und dementsprechend auch ordentliche Summen kosten.

In der Weststadt entsteht an der Rodheimer Straße derzeit gerade wieder solch ein modernes »Stadttor« in den Farben von »Schäfers Backstuben«. Es wird eine Filiale samt Drive-in-Schalter. Am 9. Juli soll Eröffnung sein. »Der Bedarf an Ganztagswaren ist groß. Das sieht man an unserer Expansion«, sagt Maximilian Plum, Geschäftsführer des Biedenkopfer Unternehmens, das bereits drei Filialen in Gießen betreibt, darunter auch jene in der Grünberger Straße. Um die Fläche in der Weststadt hat sich Plum sehr bemüht, wie er sagt. »Wir haben über Jahre eine gute persönliche Bindung mit dem Besitzer aufgebaut und uns beim Konzept angenähert.«

Gießen: Große Konkurrenz unter Bäckern bei Standortsuche

Plum macht keinen Hehl daraus, dass unter den Bäckern diesbezüglich große Konkurrenz besteht. Auch »europaweit bekannte filialisierende Gastronomiebetriebe« würden sich diese Standorte mit einer gewisse Härte gerne sichern wollen. Bisher seien sie aber auf Granit gestoßen. »Wir haben erkannt, dass Geduld und menschliches Verständnis erfolgversprechender sind«, sagt Plum. »Schlussendlich ist unser Partner an den Hessenhallen auf uns zugekommen.«

Auch Bernd Braun von der gleichnamigen Gießener Bäckerei hat sich bereits um Flächen an den Einfallstraßen bemüht. Allerdings ohne Erfolg. Entweder hätten die Mitbewerber bessere Kontakte oder das nötige Kleingeld gehabt. Als Obermeister der Gießener Bäcker-Innung wird Braun mit diesem Wandel der Branche regelmäßig konfrontiert. Während die Bäcker früher in erster Linie die Menschen aus der Nachbarschaft mit Backwaren versorgt hätten, hätten sich inzwischen viele Kollegen zu Ganztagsversorgern samt Café-Bereich entwickelt. »Sie sind quasi in die Gastro-Schiene reingerutscht«, sagt Braun. Die Einfallstraßen würden dabei eine zentrale Rolle einnehmen. »An Licher Straße, Marburger Straße und Co. haben wir eine sehr hohe Frequenz mit Verkehrsbewegungen im fünfstelligen Bereich. Die vielen Parkplätze spielen dabei auch eine große Rolle.«

Gießen: Vom Bäcker zum Gastronom

Meist würden für diese Vorhaben sogenannte Freestander gebaut, also eingeschossige freistehende Gebäude, wie man sie auch von McDonalds, Burger King und Co. kennt. »Zudem haben Hersteller und Ladenbauer Containerlösungen für sich entdeckt«, sagt Braun. »Für viele Bäcker ist das ein kostengünstiger Einstieg.« Mitunter würden diese Container auch zu Testzwecken aufgestellt: Erweist sich der Standort als profitabel, können sie in der Folge durch feste Bauten ersetzt werden.

Die Bäckerei Künkel ist ebenfalls für viele Pendler eine Anlaufstelle. Vor allem die Filiale samt Café und Drive-in-Schalter nahe der Grünberger Straße lockt Autofahrer an. »Wir regionale Bäcker müssen uns intensiv um diese hart umkämpften Flächen bemühen«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Martin Künkel. »Von außen stoßen die ganz großen Filialisten hinein. Das macht die Sache schwierig.« Gerade als heimisches Unternehmen, das in der fünften Generation geführt werde, suche sein Team natürlich weiter nach solchen attraktiven Flächen. »Dafür muss man aber blitzschnell sein und gute Kontakte haben. Die Konkurrenz ist extrem hoch.«

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