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Badewasser ist wie Liebe

Die Bühne der Gießener Kongresshalle wurde zum Battleground für einige der besten deutschen Poetry Slam-Akrobaten. Runde eins im Wettstreit von MainSlam ging an einen Lyriker mit dem schönen Künstlernamen Schriftstehler.

Um ehrlich zu sein ist das hier ja quasi eine Discoveranstaltung. Hab ich Recht?", eröffnete Moderator Enrico Josche pünktlich um 20 Uhr witzelnd den Freitagabend. Er stand dabei neben dem DJ-Pult von "DJ Dario", der das Publikum bis zum Beginn der Veranstaltung unterhalten hatte. Die Veranstaltung, das war der erste Lyrikerwettkampf der Reihe "Best Of Poetry Slam", der von der Gruppe MainSlam in der Kongresshalle ausgetragen wurde. Der Titel hielt, was er versprach: Was die zahlreichen Zuschauer zu sehen bekamen, war wirklich ein Best Of.

In drei Duellen kämpften einige von Deutschlands besten Poetry Slammern gegeneinander an. Die Themen variierten von ernst zu lustig, von autobiografisch zu metaphorisch.

Bei den ersten Duellanten handelte es sich um Flemming Witt, dem "eigentlichen Nordlicht" aus Thüringen, und Maron Fuchs, die mit ihren "Texten, die von Herzen kommen", aus Bamberg angereist war.

Während Witt mit einem Text darüber, wie seine Eltern sich mit ihm einen Scherz erlaubt haben - sie hatten so getan, als hätten sie ihm eine Aldi-Tüte statt eines Schulranzens besorgt - versuchte, seine Vertrauensprobleme zu erklären, und so einige Lacher und viel Applaus erntete, konnte Fuchs sich mit einem schnellen, emotionalen Text über das Bienensterben und den Klimawandel durchsetzen.

Abgestimmt wurde, wie auch bei allen weiteren Entscheidungen, vom Publikum per Applausometer.

Das zweite Duell trugen Karsten Hohage, auch Grohacke genannt, und "Christofer mit F", auch bekannt als autoritärer Lateinlehrer, aus. Hohage beschäftigte sich in seinem Text mit der Lebensgeschichte seiner Großmutter, die als Flüchtling nach Deutschland gekommen und Anfeindungen der Einheimischen ausgesetzt war. Der Slamer stellte den Bezug zur aktuellen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland mit den Worten her: "Und dann seh ich die mit den leeren, hassenden Fressen und denke: Haben die wirklich alles vergessen?"

Christofer reimte über das Leben als Lateinlehrer und den One-Night-Stand mit der Mutter einer Schülerin. Die Entscheidung fiel sehr knapp aus, schließlich zog Hohage ins Finale ein.

Lange Pause und Moderationen

Der dritte Finalist wurde im letzten Duell zwischen Armin Sengbusch aka Schriftstehler und Leonie Batke ermittelt. Batke beschrieb eine Situation, in der sich viele Menschen schon mal befunden haben: Man wird an der Bar von jemandem angesprochen, der ein "Nein" einfach nicht akzeptieren will - egal, wie oft es wiederholt wird. Sengbusch dagegen sprach ein Thema an, welches für Außenstehende schwer nachzuvollziehen sei: die Auswirkungen von Depressionen. Dieser sehr persönliche, aber trotzdem humorvolle Text, sicherte ihm den letzten freien Platz im Finale.

Zweimal - am Anfang vor dem ersten Slam-Text und zum Pausenende als Einstimmung auf das Finale - hörten die Zuschauerinnen und Zuschauer Nikita Gorbunov, den Gaststar außer Konkurrenz, der das Publikum mit Gitarre und verrückten Songtexten gleichzeitig zum Lachen, Stutzen und Nachdenken brachte.

Im Finale schließlich adressierte Hohage in einem cleveren Text mit viel Witz seine durchaus bemerkenswerte Körpergröße, Fuchs trug einen rührenden Text über den Verlust eines lieben Menschen vor, und Sengbusch benutzte Badewasser als Metapher für die Liebe. Dies brachte ihm schließlich auch den Sieg und damit den ersten Preis ein - eine Flasche Dattelessig.

Leider litt der eigentlich sehr unterhaltsame Abend unter einer 30-minütigen Pause, die die Spannung auf das Finale etwas abflauen ließ, und unter der teilweise etwas ausschweifenden Moderation zwischen den Auftritten. Alles in Allem jedoch verließen die Besucherinnen und Besucher die Kongresshalle zufrieden, und die Organisatoren von MainSlam können einen erfolgreichen Start ihrer Serie "Best Of Poetry Slam" verbuchen. Diese wird am 6. März in Frankfurt in ihre zweite Runde gehen.

Tickets und weitere Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen gibt es unter www.mainslam.com oder auf der gleichnamigen Facebook-Seite.

Gewinner "Schriftstehler" Armin SengbuschFOTO: CMD

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