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Claudia Andes unterwegs zum nächsten Kunden. Foto. Schepp

Gießener Helden

Das AWO-Team ist hoch motiviert

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Claudia Andes leitet den Mobilen Dienst der Arbeiterwohlfahrt. Der "Rote Schutzengel" ist für die Senioren oft der einzige Kontakt nach draußen.

Gießen (cg). Claudia Andes und ihre Kolleginnen sind ganz nah dran. Während die meisten Menschen derzeit den 2-Meter-Abstand einhalten oder ganz auf Kontakte verzichten, ist die Leiterin der Mobilen Dienste der AWO täglich unterwegs zu ihren Kunden. Ihre Kunden, das sind in der Regel alte Menschen mit Vorerkrankungen - in Corona-Zeiten die Hochrisikogruppe Nummer eins.

Andes und alle in ihrem 20-köpfigen Team tragen eine große Verantwortung. "Wir tun alles, um unsere Patienten zu schützen", sagt sie. Und umgekehrt. Die Altenpflegerinnen müssen auch gut auf sich selbst aufpassen. Auf sich und ihre eigenen Familien. Ihre Eltern sieht Andes derzeit nicht, sie leben wie viele ältere Leute in selbst verordneter Quarantäne. "Wir telefonieren jeden Tag, das ist uns wichtig", sagt die 41-Jährige. Ihrem Team hilft in diesen Tagen eine professionelle Sicht auf die Dinge. Je ruhiger und gelassener die Pflegeexpertinnen seien, desto besser sei das für alle Beteiligten. Ihre Kunden sind dankbar, wenn das kleine rote Auto der AWO vorfährt und die Altenpflegerin kommt, um ihnen bei der Körperhygiene oder den Thrombosestrümpfen zu helfen, wenn sie den Blutdruck misst und dabei - ganz wichtig - ein Schwätzchen hält.

Absage aus Angst

Andes ist manchmal der einzige Kontakt zur Außenwelt. Das ist im "normalen Alltag" so und jetzt erst recht. Die Helfer der ambulanten Dienste sind so etwas wie die rasenden Schutzengel von Gießen. Etwa 200 Kunden in der Stadt und den Stadtteilen werden von der Awo versorgt. Derzeit sind es etwa 20 weniger. Manche wollen die Hilfe jetzt nicht in Anspruch nehmen, weil sie fürchten, sich anzustecken. "Ich kann diese Sorge verstehen, denn natürlich kann ich keine Garantie geben", sagt Andes. "Wir tun, was wir können, und wir sind mit Handschuhen, Desinfektionsmitteln und Mundschutz gut ausgestattet". Man habe bei den ersten Engpässen zeitig nachbestellt. Abgesehen davon, dass die Mitarbeiter hoffen, dass die alten Leute alleine zurecht kommen, muss die Leiterin der Dienste schauen, wie sie diese Ausfälle handhabt, denn die Kunden haben ja Verträge mit der AWO abgeschlossen. Es gibt viele Unwägbarkeiten auf einmal.

Andes ist seit 20 Jahren Altenpflegerin. Sie mag diesen Beruf noch immer. "Wir haben so viele freundliche, dankbare Kunden". Die Begegnungen mit den alten Menschen seien oft eine Bereicherung, von ihrer Sicht auf die Welt könne man viel lernen. Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, den Senioren jetzt beizustehen. Ihre Kolleginnen sehen das genauso. "Alle sind hochmotivert".

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