Die Ausnahme als Anfang

  • schließen

Gießen(csk). Vor der Mitmachaktion steht die Gesamtkonferenz. In den meisten Schulen Gießens und der näheren Umgebung habe man noch nicht über die Idee abgestimmt, hieß es am Mittwochabend im Netanya-Saal des Alten Schlosses. Dort traf sich eine Gruppe, die derzeit einen Aktionstag "Autofreier Schulweg" vorbereitet. Die Initiative stammt von Kirsten Quass (Clemens-Brentano-Schule, Lollar), Raphael Kästel-Koddebusch (Friedrich-Ebert-Schule, Gießen) und Anette Sander (Liebigschule, Gießen). Läuft alles glatt, möchten sie und ihre Mitstreiter im Rahmen der Klima-Aktionswoche am 20. Mai möglichst viele Schüler, Lehrer und Eltern dazu bringen, das Auto wenigstens einen Tag lang gegen umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu tauschen.

Alles erlaubt außer Auto

"Viele Wege führen nach Rom", gab Quadde beim zweiten Treffen der Aktivisten eine Art Leitsatz vor. Soll heißen: Alles, was keine Fortbewegung im eigenen Auto ist, gilt als Beitrag zur Aktion. Neben Schulmitgliedern auf Fahrrädern sind auch solche im Bus, in der Bahn oder auf den eigenen Füßen also immer gern gesehen - und notfalls sogar ein paar in Fahrgemeinschaften. Die Initiative wolle "für nachhaltiges Verhalten im Straßenverkehr sensibilisieren" und damit einen Beitrag zur Verkehrswende leisten, betonen die Organisatoren. Vor allem müsse sie den Teilnehmern aber Spaß machen.

Sternfahrt geplant

Deshalb ist zum Beispiel eine Sternfahrt geplant, beginnend an den teilnehmenden Schulen und endend am Berliner Platz. Nach der sechsten Stunde werden im Idealfall Hunderte radelnd aufbrechen zur zentralen Abschlusskundgebung mit Livemusik vor dem Rathaus. "Dann wäre die Stadt natürlich dicht", sagte Quass. "Aber was die Traktoren dürfen, das dürfen wir auch." Das Ordnungsamt gebe jedenfalls grünes Licht - wenn bis Ende März eine Anmeldung und die geschätzte Teilnehmerzahl vorliegen.

Und darin steckt durchaus eine Schwierigkeit. Fest für den Aktionstag gestimmt habe bisher nur die Liebigschule, andernorts zeigten sich Lehrer und Schüler "stark interessiert", berichteten Vertreter der jeweiligen Schulen. Unter den wahrscheinlichen Mitstreitern, bei denen noch die Gesamtkonferenzen abstimmen müssen, sind die Ostschule, die Herderschule und die Ricarda-Huch-Schule. Unterstützen sie den Aktionstag, bleibt die Teilnahme für die einzelnen Schüler, Lehrer und Eltern freiwillig.

Um zum Umstieg für einen Tag zu motivieren, möchten die Aktivisten nicht zuletzt Aktions-T-Shirts herstellen lassen. Auch eine Kooperation mit dem JLU-AStA zeichnet sich inzwischen ab - und möglicherweise eine Abschlussparty am Philosophikum. Solch eine Feier, mit Aktionsständen und Chill-Areas auf abgesperrten großen Parkplätzen, hätte einen weiteren Effekt: "Sie würde zeigen, wie der Raum an der Uni anders zu nutzen wäre", befand ein AStA-Vertreter. Andererseits hofft die Aktionsgruppe, dass die Teilnahme für Schüler durch eine Verbindung mit der Uni attraktiver wird.

Gefahrenstellen analysieren

Noch nicht entschieden haben die Initiatoren, ob eine gemeinsame Mannschaft der Gießener Schulen beim diesjährigen "Stadtradeln" an den Start geht. Der 20. Mai fällt in den Zeitraum der beliebten Radfahrwochen. Sicher ist, dass der Aktionstag dank einer Evaluation langfristig nützliche Erkenntnisse liefern soll, besonders über Gefahrenstellen für Radler und Fußgänger im Stadtgebiet. Unter dem Stichwort "Alltagstauglichkeit" plädierte nicht nur Quass dafür, die Strecken, die Unterrichtszeiten und andere Umstände trotz der Aktion "so realistisch wie möglich" zu halten. Nur so könne aus der Ausnahme "Autofreier Schulweg" am Ende vielleicht die Regel werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare