Wort zum Sonntag

Ausdauer und Mut

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Auf meinem Schreibtisch steht ein kleines Aquarium mit einigen Minifischen, Garnelen und zwei putzmunteren Schnecken. Sie vergraben sich, hängen kopfüber am Deko-Holz, kriechen an schmalen Zweigen entlang und stürzen auch schon mal ab. Dann liegen sie eine Zeit lang reglos da, oft auf ihrem Haus, bis sie sich drehen und weiter geht’s.

Ich finde die Ausdauer der Schnecken bewundernswert. Das wünsche ich mir auch: Lebendigkeit spüren, beweglich sein. Beharrlich meinen Weg suchen, ihn mit Ruhe gehen und umkehren, wenn ich sehe: Hier komme ich nicht voran. Aufstehen, mich schütteln und weitermachen, nachdem ich gestolpert bin.

Auch nach den Ferien herrscht keine gewohnte Normalität, vielmehr sind Vorsichtsmaßnahmen wie die Maske inzwischen "normal". Das macht keinen Spaß. Wie lange denn noch? Wie soll das weitergehen, fragen wir entnervt bis besorgt. Es gibt leider keine schnellen, einfachen Antworten auf diese Frage.

Fest steht: Rücksichtslosigkeit führt nicht weiter, im Gegenteil. Wir werden Ausdauer brauchen, um möglichst gut durch den Herbst und Winter zu kommen, viel Geduld und einen fürsorglichen Umgang miteinander.

Manchmal wird uns das überfordern, hier und da auch bedrücken. Doch "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit" (2 Tim 1,7). Die Bibel ist lebens- und alltagstauglich. Weder wird mir eine rosa Brille aufgesetzt noch werde ich mit Durchhalteparolen abgespeist. Es gibt den Geist der Furcht. Ja, so ist es. Aber Gottes Geist gibt uns die Kraft und Besonnenheit, die wir in einer Krise brauchen. Lebendigkeit. Beharrlichkeit, Ruhe. Mut wieder aufzustehen oder umzukehren. Damit wir uns am Leben freuen, hat er die Liebe in unser Herz gelegt. Zu Menschen, Tieren, zur Natur, zum Spiel usw. Es ist alles da; greifen wir zu!

Eine Schnecke als Vorbild? Warum nicht?

Jutta Martini,

ev. Kirche Grüningen

und Klinikseelsorge Lich

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