Ab Herbst

Ausbau sorgt für Behinderungen im Zugverkehr

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  • Philipp Keßler
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Ab September wird an der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel gebaut. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr von Norden in Richtung Mainmetropole.

Zugreisende aufgepasst: Wer ab September aus Richtung Norden über Gießen und Friedberg nach Frankfurt oder zurück fahren möchte, sollte die Fahrpläne ganz genau lesen. Denn ab dann will die Deutsche Bahn damit beginnen, zwei zusätzliche Gleise auf der Main-Weser-Strecke zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West zu verlegen. Das hat Folgen für den Bahnverkehr.

Es ist der Anfang des viergleisigen Ausbaus der Strecke zwischen Frankfurt/West und Friedberg. Bereit seit Ende Februar werden dafür im ersten Bauabschnitt zwischen Bad Vilbel und Frankfurt Bäume und Büsche gerodet, um Platz für Baufahrzeuge und Material zu schaffen. Der negative Nebeneffekt: Gleissperrungen und Fahrplanänderungen. Denn auf dem Streckenabschnitt beginnt ein sogenannter Gleiswechselbetrieb. Das bedeutet, dass die Bahnen abschnittsweise auf Gleisen rollen, die sonst für den Gegenverkehr bestimmt sind. Sprich: Wer Richtung Frankfurt fährt, kann phasenweise auf dem Gegengleis unterwegs sein. Dafür hat die Bahn in den vergangenen Monaten die technischen Voraussetzungen getroffen. Sie hat zusätzliche Signale zwischen den Gleisen installiert, damit vom Stellwerk aus Frankfurt-Gallus die Züge entsprechend umgeleitet werden können.

Umleitungen über Hanau

Das hat Auswirkungen auf den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr. Wie ein Sprecher der Bahn auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte "werden wir je nach Bauphase die unterschiedlichsten Betriebszustände haben. Im Großen und Ganzen wird der S-Bahn-Verkehr zwischen Friedberg und Frankfurt erhalten". Ausnahmen seien lediglich wegfallende Verstärker-Fahrten. Der Regionalverkehr könne allerdings immer mal wieder über Hanau umgeleitet werden, der Fernverkehr (ICs und ICE) sogar dauerhaft. Genaueres stehe allerdings noch nicht fest, die Detailplanung für den Fahrplan laufe noch. "Wir versuchen es für die Reisenden so verträglich wie nur möglich zu machen", heißt es dazu von der Bahn. Allerdings sei es aufgrund der Bauarbeiten nicht immer möglich auf beiden Gleisen in der sonst üblichen Geschwindigkeit zu fahren.

Um auf dem Laufenden zu sein, hat die Bahn eine eigene Website für Reisende eingerichtet, auf der auch die Fahrpläne für die Zeit der auf insgesamt fünf Jahre angelegten beiden Bauabschnitte veröffentlicht werden. Sie ist unter www.s6-frankfurt-friedberg.de/home.html erreichbar. Dort gibt es auch Informationen rund um die Baustufen, den Ablauf der Bauten, den Schall- und Erschütterungsschutz, den Naturschutz und den Service sowie "Aktuelle Meldungen".

Baukosten: 550 Millionen Euro

Dass die Bauarbeiten im vierten Quartal losgehen, hatte der Bad Vilbeler FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn dieser Tage vom hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir erfahren. Hahn hatte im Landtag eine kleine Anfrage gestellt. Aus den Antworten gehe auch hervor, dass die Baukosten für das gesamte Projekt von Frankfurt-West bis Friedberg insgesamt 550 Millionen Euro gemäß dem aktuellen Preisstand inklusive Bauhaftpflichtversicherung ohne Planungskosten und Genehmigungsgebühren betragen. Auf die Strecke Frankfurt-Bad Vilbel entfielen 249 Millionen Euro, auf den zweiten Bauabschnitt bis Friedberg weitere 301 Millionen Euro. Hinsichtlich der Verteilung der Kosten teilte der Verkehrsminister dem FDP-Landtagsmitglied mit, dass der Bund bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernehme, das Land Hessen werde 27,5 Prozent und die kommunalen Aufgabenträger die restlichen 12,5 Prozent tragen.

Abschließend machte Al-Wazir deutlich, dass die Kostenberechnungen gerade vom Eisenbahnbundesamt aktualisiert würden und eine erneute Nutzen-Kosten Analyse vorgenommen werde. "Wir werden sehen, dass diese sehr sinnvolle Maßnahme um einiges teurer werden wird", prognostizierte Hahn bereits. Für die Pendler heißt es vor allem: Geduld haben, um in fünf Jahren auf vier Gleisen schneller und pünktlicher reisen zu können.

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