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Stefan S. Schmidt bevorzugt als Motiv Behältnisse mit Gebrauchsspuren. FOTO: DKL

Augenschmaus pur

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Dinge des Alltags in neuem Glanz zeigt die nächste Ausstellung im Kapellengang des Uniklinikums. Zu sehen ist dort realistische Kunst von Stefan S. Schmidt.

Gegenständliches war schon häufiger zu sehen in den bisherigen Ausstellungen im Kapellengang des Uniklinikums. Aber so realistisch gemalte "Ding-Welten" wie die von Stefan S. Schmidt gab es an diesem Ort noch nicht. Für alles gibt es eine Premiere, auch in diesem Fall, was Dr. Susanne Ließegang, Kunstbeauftragte am Uniklinikum, und Renate Seeger-Brinkschmidt, Vorsitzende des Freundeskreises der Kunst im UKGM, besonders freut.

Die gemalten Dinge in den Bildern von Stefan S. Schmidt erscheinen zunächst belanglos, sie kommen aus dem Alltagsleben, sind halt in besonderer Weise arrangiert und drapiert, wie man das von Stillleben kennt. Schmidt malt keine Kostbarkeiten, sondern bevorzugt Behältnisse mit Gebrauchsspuren, auch unregelmäßige Äpfel und Quitten mit Schadstellen aus dem Garten, Sessel mit herausspringendem Innenleben, Plastikflaschen oder Gläser mit fehlendem Boden. Selbst verschiedenfarbige Papiere, ordentlich gefaltet und zu Stapeln aufgeschichtet, sind malwürdig bei ihm. Alles bekommt einen besonderen Glanz, daher interessieren ihn am Papier die Knickspuren, an Stoffbahnen die Faltenwürfe, und die Quitten erhalten eine Haube aus Cellofantüten, sodass auch sie im Licht erstrahlen. Er arrangiere tatsächlich alles in seinem Atelier, das sei Teil seines Arbeitsprozesses, erzählt er. Was einen bei so manchem Bild erstaunt, etwa bei dem Backbleche-Ensemble. Auch ist manches so wacklig übereinandergesetzt, dass man meint, es müsse gleich herunterfallen. Letzte Geheimnisse bleiben.

Der in Marburg lebende Künstler ist 1958 geboren, studierte Malerei und Grafik an den Hochschulen in Kassel und Loughborogh (GB), in Marburg auch Kunstgeschichte. Er erhielt internationale Preise für Malerei, Aquarell und Zeichnung, was ungewöhnlich ist. Er war an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, auch in Gießen war er schon zu Gast: 1987 in der Galerie Augenblick, 1992 in der Kunsthalle.

Es ist keine hyper- und keine fotorealistische Malerei, der Unterschied lässt sich an Stefan S. Schmidts Bildern wunderbar studieren. Der Hintergrund, manchmal auch die Standflächen, sind oft unspezifische Farbflächen. Auch die Binnenausführung der Objekte ist aus der Nähe betrachtet reine Farbmalerei. Bei manchen Bildern sind die Pinselführungen deutlich zu erkennen, andere haben eine perfekte glatte Oberfläche, die nur jemand hinbekommt, der das Handwerk der Ölmalerei beherrscht. Die Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Themen oder Genres blitzt ebenfalls auf, sei es Renaissance-Kunst oder holländische Malerei.

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