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Krimifestival

Auftakt in der Morus-Kirche

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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ZurEröffnung des Krimifestivals erklingt stets die "Tatort"-Melodie. Diesmal nicht. Denn zum Auftakt unter Corona-"Mordalitäten" hatte die Morus-Gemeinde ihr Gotteshaus zur Verfügung gestellt.

Corona hat auch das Gießener Krimifestival fest im Griff. Schließlich fehlen Organisator Uwe Lischper diesmal pandemiebedingt die großen TV-Stars als prominente Vorleser. Und auch an Sponsoren, die ihre Verkaufs- und Geschäftsräume als ungewöhnliche Leseorte zur Verfügung stellen, mangelt es in diesem Krisen-Jahr. So konnte diesmal das Festival nicht, wie üblich, auf Einladung der Sparkasse in der Tanzschule Astaire’s und mit der obligatorischen "Tatort"-Melodie als "Ouvertüre" eröffnet werden.

Umso erfreulicher ist es, dass die Lesereihe überhaupt stattfinden kann. Das sehen auch die Krimifans so und haben sämtliche Karten aufgekauft, die für Veranstaltungen in Gießen zu haben waren.

Zudem hat die Thomas-Morus-Kirche in der Grünberger Straße, ohnehin als Kulturkirche dem Krimifestival seit einiger Zeit verbunden, ihr immerhin 60 hygieneabstandsgerechte Plätze bietendes Gotteshaus für mehrere Veranstaltungen als "Tatort" zur Verfügung gestellt.

Oscar Wilde macht Avancen

Dort konnte somit am Freitagabend Krimiautor Robert C. Marley, begleitet von der charmanten Geigerin und Co-Vorleserin Susanne Hill, vor tatsächlich ausverkauftem Haus seinen viktorianischen Kriminalroman präsentieren. Mit Decken zum Einkuscheln und Schokolade als "Nervennahrung" bestens versorgt sowie mit der erfrischend launigen Eröffnungsrede von Manfred Sommer vom Morus-Förderverein wunderbar eingestimmt, begaben sich die Zuhörer mit Inspector Donald Swanson im Jahr 1894 auf die Spur eines "Magischen Zirkels". In dem trachtet jemand dem Zauberer Hector Van Dyke nach dem Leben und lässt ihn um ein Haar in wassergefüllten Glaskasten ertrinken. Zum Glück kann Inspektor Swanson, der mit seiner Frau die Zaubershow besucht, durch beherztes Eingreifen helfen - und anschließend seinem Ruf als talentierter "Very british"-Ermittler gerecht werden. Wie in der Krimi-Reihe üblich, hilft ihm dabei wieder sein Freund Frederick Greenland und observiert die Illusionisten, die sich gegenseitig "nicht das Schwarze unter ihren Nägeln" gönnen. Sogar der berühmte Dichter Oscar Wilde gerät in den Strudel der Ereignisse und macht dem smarten Frederick eindeutige Avancen.

Robert C. Marley ist das Pseudonym des 1971 in Lemgo geborenen Schriftsteller Gerald Hagemann. Der gelernte Goldschmiedemeister ist nicht nur Fan und erfolgreicher Autor viktorianischer Krimis im Stil von Sherlock Holmes und Agatha Christie, sondern sogar Besitzer eines eigenen kleinen Kriminalmuseums. Mit Scotland-Yard-Inspector Donald Swanson als Hauptfigur hat er eine aktuell sechs Bände umfassende Reihe verfasst, die stilsicher und gut recherchiert den Stil viktorianischer Krimis in die Gegenwart holt. Band sieben erscheint im November, Band vier ("Inspector Swanson und der magische Zirkel") hatte Marley zur Auftaktlesung des Gießener Krimifestivals mitgebracht.

Und weil der Autor auch als Hörbuchsprecher erprobt ist, wurde sein Auftritt trotz der etwas "pastoralen Akustik" im Gotteshaus zu einem echten Genuss. Bauchrednerpuppe Geoffrey, die auch im Buch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, und Geigerin Susanne Hill, die kleine musikalische Einlagen im britischen Pub-Stil "simply magic" beisteuerte und auch die Frauenrollen las, trugen das Übrige zum Gelingen der Veranstaltung bei. Mit einem kleinen Fläschchen Sekt als Geschenk des Fördervereins machten sich die Zuhörer gut gelaunt auf den Heimweg - viele von ihnen mit dem nächsten Krimifestival-Termin schon fest auf der Agenda. FOTO: HF

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