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Auferstehung des Alten Flughafens

  • VonRedaktion
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Swen Richert hat sich nicht nur in Modellbaukreisen einen Namen gemacht. Der Gießener hat bereits Dioramen der Stadtkirche und des Liebigmuseums kreiert. Sein neuestes Werk ist derzeit im Schaufenster des Copy-Shops an der Ludwigstraße zu bewundern: ein maßstabsgetreuer Nachbau des Gießener Flughafens.

Daniel Beitlich haucht dem Areal des Alten Flughafens seit einiger Zeit neues Leben ein. Dort, wo einst die Gießener bei Kaffee und Kuchen die Flugzeuge bestaunten, entwickelt der Investor ein neues Wohngebiet. Beitlich ist aber nicht der einzige Mann, der den Flughafen auferstehen lässt. Swen Richert macht das ebenfalls - wenn auch eine Nummer kleiner. Der 50-Jährige hat den Gießener Flughafen, so wie er von 1927 bis 1935 aussah, im Maßstab zwischen 1:72 und 1:78 nachgebaut. »Der Zusammenbau«, sagt Richert, »hat 80 Stunden gedauert« - und somit deutlich kürzer als seine anderen Werke zur Gießener Geschichte.

Schon seit seiner Jugend beschäftigt sich Richert mit Modellbau. 2016 hat er nach jahrelanger Arbeit ein Diorama der zerbombten Stadtkirche fertiggestellt. 2020 präsentierte er den maßstabsgetreuen Nachbau des Liebigmuseums. Während diese beiden Vorzeigeprojekte seinem Hang zur Geschichte und einer ordentlichen Portion Lokalpatriotismus geschuldet waren, handelt es sich beim Flughafen quasi um eine Auftragsarbeit.

»Bernd hat gesagt, wenn ich das nicht baue, kriege ich Hausverbot«, sagt Richert lachend. Bernd, das ist Bernd Passinger, der Inhaber des Copy-Shops an der Ecke Liebig-/Ludwigstraße. Der Hobby-Historiker hat ein Faible für die Gießener Geschichte, in seinem Schaufenster finden sich etliche Bilder vom historischen Gießen, natürlich auch vom Flughafen. Kürzlich ließ Passinger von einem Fachmann den »Rohbau« des Flughafens per Laser aus Holzbrettern schneiden. Fehlte noch die Detailarbeit. »Ich kann das aber nicht«, gibt Passinger unumwunden zu. Sein Freund Richert aber schon.

Und so machte sich der Gießener ans Werk. Anhand von etlichen Fotos aus Passingers Fundus rekonstruierte er das Gebäude. »Die Fenster haben wir ausgedruckt, ausgeschnitten und eingeklebt«, erzählt er. Auch um den Anstrich, den »Flughafen«-Schriftzug und den Rasen kümmerte sich Richert. Die kleinen Figuren, die auf der Terrasse die Sonne genießen, stammen aus dem Eisenbahnzubehör. Und die Flugzeuge? »Das sind ebenfalls Modelle«, erzählt Passinger. Auch wenn es auf dem ersten Blick wirkt, als sei das Flugzeug im Vergleich zum Gebäude überdimensionalisiert, ist der Maßstab ziemlich originalgetreu, sagt Passinger. »Daran sieht man, wie groß die Junkers war.«

Als nächstes Alte Wache?

Das Kapitel der zivilen Luftfahrt in Gießen war nicht von allzu langer Dauer. Am 5. Juli 1925 wurde das neu erbaute Flugfeld in Anwesenheit von rund 2000 Schaulustigen eingeweiht. Ein Jahr später wurde Gießen als Zwischenstopp auf der Verbindung Frankfurt-Kassel angeflogen. Im Zuge der Flugfelderweiterung entstand 1927 auch das Empfangsgebäude. Profitabel war der Betrieb aber nicht, weshalb ab 1933 nur noch Zubringerflüge angeboten wurden. 1936 endete die Ära der zivilen Nutzung endgültig. Die Nazis nutzen das Areal bis Kriegsende als Militärflugplatz, anschließend übernahmen die amerikanischen Streitkräfte.

Wer sich die detailverliebte Arbeit von Richert ansehen will, wird im Schaufenster des Copy-Shops fündig. »Das Modell steht nicht zum Verkauf«, betont Passinger. Wobei nicht auszuschließen ist, dass weitere Modelle irgendwann entstehen. Denn Passinger hat nicht nur einen Holzkorpus anfertigen lassen, sondern gleich vier. Gut möglich also, dass Richert sich noch einmal von seinem Freund bitten lässt. Zuvor hat der Bastler aber andere Pläne. »Ich könnte mir vorstellen, die Alte Wache am Brandplatz nachzubauen.« Das nötige Anschauungsmaterial dürfte leicht aufzutreiben sein. Passinger wird seinen großen Fundus an historischen Fotos sicher gerne bereitstellen.

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