Eine neue HR-Reihe behandelt Kriminalfälle in Hessen. Markus Cebulla aus Gießen führt bei "Crime Time" Regie und setzt dabei auch auf Illustrationen. Hier zu sehen: Die Festnahme von Rick. J., der Johanna Bohnacker entführt und ermordet hat.
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Eine neue HR-Reihe behandelt Kriminalfälle in Hessen. Markus Cebulla aus Gießen führt bei »Crime Time« Regie und setzt dabei auch auf Illustrationen. Hier zu sehen: Die Festnahme von Rick. J., der Johanna Bohnacker entführt und ermordet hat.

Gießen in HR-Serie

„Auf den Spuren eines Kindermörders“: Gießener dreht für HR „Crime Time“ – Fall heute im TV

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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»Crime Time« heißt eine neue Reihe des Hessischen Rundfunks, für die Markus Cebulla aus Gießen Regie führt. Heute Abend um 21 Uhr zeigt der HR den ersten Teil der Dokumentation zum Fall Johanna Bohnacker.

Es ist schlicht genial, dass man ihm nach 18 Jahren den Mord noch nachweisen konnte«, kommentiert der Profiler den Fall Johanna Bohnacker in der neuen Dokumentation des Hessischen Rundfunks »Auf den Spuren eines Kindermörders«. Die damals achtjährige Johanna wurde 1999 im mittelhessischen Bobenhausen von Rick J. entführt, vergewaltigt und ermordet.

Gießener dreht für HR »Crime Time«: Fall der damals achtjährige Johanna Bohnacker von 1999

Der Profiler in dieser neuen Serie mit dem Titel »Crime Time«, die Verbrechen in Hessen aufrollt, ist der bekannte Kriminal- und Geheimdienstanalyst Mark T. Hofmann. In schickem Anzug und vor schwarzem Hintergrund resümiert er, ordnet ein und bewertet immer wieder die Geschehnisse - und schaut dabei als einziger Protagonist direkt in die Kamera, also dem Zuschauer in die Augen.

»Die Idee zu einem Profiler, der sich optisch klar abhebt und Zusammenhänge erklärt, war Teil unseres Konzepts für ›Crime Time‹«, erläutert Regisseur Markus Cebulla. Damit solle auch verdeutlicht werden, dass Hofmann nicht konkret in den Fällen ermittelt hat, sondern als Externer auftritt.

Cebulla ist in Gießen aufgewachsen, hat in Marburg Medienwissenschaften studiert und arbeitet und lebt heute in Frankfurt. »Der Zuschauer bekommt einen Kriminalfall dargelegt, der eine ganze Region bewegt hat - und das in einer Ausführlichkeit, die bisher so nirgends ausgearbeitet wurde«, kommentiert der 33-Jährige die Recherchearbeit des gesamten Teams. »Wir bleiben möglichst sachlich. Die Erzählweise richtet sich nach dem Vorgehen der Ermittler «, betont er weiter.

Ebenso hat der Regisseur bewusst auf nachgestellte Szenen mit Schauspielern verzichtet, weil diese oft die Ereignisse verzerren und so beim Zuschauer falsche Eindrücke wecken würden. Wie es inzwischen in einigen solcher Dokus gemacht wird, setzt auch Cebulla auf comichafte Zeichnungen, um diverse Geschehnisse zu inszenieren. Diese würden eine größere, objektivere Distanz schaffen. Umgesetzt haben die Zeichnungen Illustratoren des HR.

»In der Dokumentation kommen die zu Wort, die 20 lange Jahre nichts unversucht ließen, den Mörder zu fassen und den Eltern etwas Seelenfrieden zu verschaffen«, schreibt der HR. So zum Beispiel Roland Fritsch, Leiter der Soko Johanna bei der Polizei in Gießen, die Ermittlerin Agata Koch, die Rick J. verhaftet hat, oder der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Gießen: Pilotfolge für »Crime Time« behandelt den Fall der Serienmörderin Tuba S.

Bereits die erfolgreiche Pilotfolge für »Crime Time« hat Cebulla für den HR gedreht. Dabei ging es über die früher in Gießen lebende Serienmörderin Tuba S. Sie wurde 2016 unter dem Verdacht verhaftet, ihren ehemaligen Nachbarn Erich N., bekannt unter seinem Künstlernamen Riconelly, getötet zu haben. Noch während der laufenden Ermittlungen ermordete sie zwei weitere Menschen in Düsseldorf. Das Tatmotiv war Habgier, lebenslange Haft mit anschließender Sicherhungsverwahrung das Urteil.

»Wir haben damals schon täglich für den HR die Berichterstattung begleitet«, erinnert sich Cebulla. »Es war unfassbar, wie viele Wendungen der Fall hatte, und dann hatten wir die Idee, daraus eine Doku zu machen. Das Recherchieren, das Aufdröseln und das schließliche Erzählen eines Falls in seiner Gesamtheit begeistere ihn an True-Crime-Formaten, die seit einiger Zeit vor allem in Form von Podcasts sehr beliebt sind.

So widmen sich auch die HR-Gerichtsreporterin Heike Borufka und Podcaster Basti Red in ihrem Podcast »Verurteilt« dem Verbrechen an dem Mädchen. Der Titel: »Späte Gerechtigkeit für Johanna Bohnacker«. Borufka spricht darin über den Fall, den sie seinerzeit als Reporterin begleitet hatte, und der ihr auch deshalb so naheging, weil sie engen Kontakt mit der Familie pflegte«, schreibt der HR.

Sieben weitere Folgen für »Crime Time« plane der Sender für dieses Jahr, sagt Sprecher Christian Bender. Im Juli solle die nächste erscheinen. Ob weitere Fälle dabei sind, die Gießen unmittelbar oder indirekt betreffen, könne man noch nicht sagen. Aber mit Sicherheit die Region Mittelhessen, verspricht Regisseur Cebulla.

Auf den Spuren eines Kindermörders (HR)

Die Dokumentation „Auf den Spuren eines Kindermörders“ über den Fall der ermordeten Johanna Bohnacker steht auch in der Mediathek des Senders zum Streaming zur Verfügung.

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