Wolfgang Papst (l.) und Förster Ernst-Ludwig Kriep mit Hund Enni bei der Besprechung am Grader.
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Wolfgang Papst (l.) und Förster Ernst-Ludwig Kriep mit Hund Enni bei der Besprechung am Grader.

Auch Waldwege halten nicht ewig

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Gießen(ige). Auch Waldwege halten nicht ewig. Kein Wunder, denn sie müssen nicht nur Spaziergänger, Jogger und Radfahrer aushalten, sondern immer wieder auch 42-Tonner. Und zwar beispielsweise dann, wenn gefällte Baumstämme zur Verwertung aus dem Forst abtransportiert werden. Immerhin wiegt schon ein unbeladenes Transportgefährt mit seinem schweren Kran fast 20 Tonnen. Und bei der Zuladung können dann in Form von schweren Stämmen noch mal mehr als 20 Tonnen dazu. Selbst bestens präparierte Wege halten diese Belastung nicht ewig aus. Deshalb müssen Waldwege ab und an instandgesetzt werden. Dies geschieht derzeit in den Stadtwäldern Philosophenwald, Schiffenberg und Fernewald.

Eine Instandsetzung der meist etwa vier Meter breiten Waldwege, die sich in den städtischen Waldgebieten auf insgesamt fast 200 Kilometer aneinanderreihen, ist etwa alle zehn Jahre geboten, wobei die Grundsubstanz der Wege ewig hält. Diese enthält steinigen Knollenschlag mit einer Durchmessertoleranz der einzelnen Steine zwischen 70 und 150 Millimeter. Diese Tragschicht aus gebrochenem Natursteingemisch besteht in der Regel aus Basalt und ist 40 bis 50 Zentimeter dick. Darüber befindet sich eine zehn bis 15 Zentimeter mächtige Schicht aus Split-Sand-Gemisch Diabas der Körnung von 0 bis 32 mm Durchmesser. Den Abschluss bildet eine nur zwei bis drei Zentimeter starke Deckschicht mit einer sehr feinen Körnung. Der gesamte Einbau besteht aus unbehandeltem Naturprodukt ohne Bindemittel.

Vier Kilometer im Jahr

Diabas ist ein Gestein, das im Gegensatz zu Basalt nicht so scharfkantig ist, dabei witterungsbeständig und druckfest. Unter Wassereinfluss verbindet es sich zu einer festen Masse. Wegen seiner gräulich-grünen Farbe wird Diabas auch Grünstein genannt. "Das im Stadtwald verwendete Material kommt aus dem Steinbruch Altenkirchen bei Braunfels", erzählt Tiefbauunternehmer Wolfgang Pabst aus Espa. "Weil der in der ganzen Gegend die beste Qualität hat", ergänzt der Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung im Waldwegebau. Papst hat auch in diesem Jahr den Auftrag des Liegenschaftsamtes erhalten. Auf seinem zwölf Meter langen Grader mit seinen drei Radachsen sitzend schiebt Papst mithilfe einer dreh- und kippbaren mehrere Meter breiten Pflugschar die alte Oberfläche des Weges so ab, dass ein halbrundes Dachprofil entsteht. Dies ist wichtig, damit auf Gefällstrecken das überschüssige Wasser, das bei Starkregen nicht direkt versickern kann, nicht den Weg hinunterschießt, sondern zu den Rändern abläuft. Hier gelangt es gewöhnlich in die begleitenden Gräben, von denen es zum nächsten Bach oder Kanal geleitet wird.

Stadtförster Ernst-Ludwig Kriep beaufsichtigt die Wegebauarbeiten. "Das Problem bei dem in die Seitengräben abgeleiteten Wasser ist, dass es nach einem Starkregen zusätzlich die Kläranlagen flutet", berichtet Kriep.

Für Rollstuhlfahrer geeignet

Außerdem werde so dem Wald viel Wasser entzogen, das er in der Zeit des Klimawandels und infolge der drei letzten regenarmen Jahre eigentlich dringend benötige. "Um das Wasser möglichst im Wald zu belassen, haben wir überall da, wo das Gelände es zulässt, Wasserableiter angelegt." Das sind kleine Gräben, die das Regenwasser von den Wegen in den Wald ableiten.

Ist auf den neu profilierten Strecken frisches, noch lockeres Deckmaterial aufgebracht, wird dieses danach mit Rüttelplatten und Walzen verfestigt. Richtig fest wird der Belag jedoch erst, sobald es kräftig geregnet hat. Denn erst das Wasser schließt die Poren des Gesteinsmehls und generiert eine Bindung der Oberfläche. So ist wegen der lockeren Wegeoberfläche anfangs Vorsicht geboten, vor allem beim Radfahren.

Dass der "alte Steinbacher Weg" zum Schiffenberg bereits nach fünf Jahren saniert werden muss, liegt nach Auskunft von Kriep daran, dass hier im Jahr 2015 der Fernwasser-Leitungsstrang zum Rhein-Main-Gebiet verlegt und der Überbau nicht fachmännisch ausgeführt worden ist. Außerdem ist der Waldweg zum Schiffenberg stark freqzentiert. "Der Weg ist zu vergleichen mit der Zeil in Frankfurt", meint Kriep. Negativ sieht er das nicht. "Wir brauchen die Wege sowohl für den Schwerlastverkehr bei der Waldbewirtschaftung als auch zur optimalen Erholungsnutzung."

Der laufende Meter Instandsetzung koste indes um die 20 Euro. Etwa vier Kilometer an Wegen würden jährlich neu hergerichtet. "Die sind dann so beschaffen, dass sie auch mit Rollatoren und Rollstühlen zu befahren sind."

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