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Auch für Schulen gilt 2035Null

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Sie sind nur eine Baustelle auf dem Weg zur beschlossenen Klimaneutralität: die Schulen, Sporthallen und Verwaltungsgebäude der Stadt Gießen. Seit neun Jahren wird gezielt an einer besseren Energiebilanz gearbeitet. Es gibt Erfolge, aber auch hier ist das Ziel 2035Null nicht nur zeitlich noch weit weg.

Kommunalpolitiker sind eher selten zu Gast in den Polit-Talkshows im Fernsehen. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist da eine Ausnahme. Am Montag durfte der Grüne bei "Hart aber fair" in der ARD erklären, wie Tübingen bis 2030 klimaneutral werden will. Ein Mitdiskutant, der Umweltforscher Prof. Michael Braungart, zeigte sich unbeeindruckt: "Wenn Tübingen klimaneutral werden will, muss sich Tübingen auflösen."

Das wird sich die schöne Unistadt am Fuß der Schwäbischen Alb hoffentlich nicht. Auch Gießen nicht, das fünf Jahre später klimaneutral sein will. Auch hier werden in 15 Jahren unter anderem noch Schulgebäude, Sportstätten, Bürgerhäuser, Feuerwachen und Friedhofskapellen gebraucht. Allerdings sollen sie dann ohne Ausstoß von klimaschädlichem Treibhausgas betrieben werden, bekräftigte am Montagabend im parlamentarischen Hauptausschuss SPD-Stadträtin Astrid Eibelshäuser: "Unsere Liegenschaften sollen in 15 Jahren klimaneutral sein."

640 000 Euro bislang gespart

Aus umwelt- und haushaltspolitischen Gründen hatte die Stadt die Energiebilanz ihrer Gebäude bereits 2011 in den Fokus genommen und mit Unterstützung der Stadtwerke ein Energiemanagement aufgebaut, das jährlich Bericht erstattet, am Montag den für 2018. Im Vorwort spricht die für das Hochbauamt zuständige Stadträtin von einer "deutlichen Senkung" der Kohlendioxid-Emissionen um rund 1800 Tonnen im Berichtsjahr durch die erzielten Verbrauchseinsparungen. Im Vergleich zum Referenzzeitraum 2008 bis 2010 entspricht das einer CO2-Reduzierung um fast 15 Prozent. Das heißt aber auch mit Blick auf das vom Stadtparlament im vergangenen September beschlossene Ziel 2035Null: 85 Prozent der fast 12 000 Tonnen Treibhausgas, das die über 160 städtischen Gebäude erzeugen, müssen noch weg. Der Frage aus dem Ausschuss, wie das geschafft werden soll, wichen die Referenten aus. Man habe zum Zeitpunkt der Erstellung des Berichts vom neuen Klimaziel 2035 noch keine Kenntnis gehabt, hieß es.

Lässt man die Zielsetzung 2035Null außer Acht, lassen sich aus dem Bericht beachtliche Erfolge herauslesen. Von den fast 4,2 Millionen Euro Verbrauchskosten pro Jahr für Strom, Wärme und Wasser der Referenzjahre sind durch das Management bisher über 640 000 Euro eingespart worden. In Kilowattstunden sind das bei Strom und Wärme zusammen fast sechs Millionen weniger, beim Wasser fast 6500 Kubikmeter.

Signifikante Verbesserungen ließen sich auch "mit minimalstem Aufwand" erzielen, machte Stadtwerke-Technik-Vorstand Matthias Funk deutlich. Manchmal reiche es schon, "den Heizungsregler anders einzustellen", ergänzte Bernd Weber vom Hochbauamt. Oder, wie im Rathaus, die Dauerbeleuchtung "auf Präsenz" umzustellen. Obwohl es sich bei der 2009 eingeweihten Stadtverwaltung am Berliner Platz auch energetisch um ein modernes Gebäude handelt, ist es seit 2012 gelungen, den Stromverbrauch durch einige kleinere Maßnahmen um immerhin gut 100 000 Kilowattstunden zu reduzieren.

Aktuell hat das Energiemanagement 162 Gebäude mit 311 000 Quadratmetern Bruttogrundfläche in der Bearbeitung. Obwohl der Bericht auf fast 140 energetische Sanierungen seit 2007 verweist, stehen da noch viele Fässer ohne Boden in der Stadt herum. Als da wären Sporthallen wie in Wieseck oder der Rivers Automeile, die marode Feuerwache in der Steinstraße oder Friedhofshallen wie in Lützellinden und Kleinlinden, wobei die angesichts ihrer Nutzung und Größe für die Gesamtbilanz fast keine Rolle spielen. Neben dem Rathaus stehen daher vor allem die Schulen im Fokus des Energiemanagements.

Heizung und Licht aus

Die Schlüsselfiguren des Energiemanagements sind freilich nicht die Mitarbeiter des Hochbauamts und der Stadtwerke, sondern die Nutzer der Gebäude und die Hausmeister. Wenig hilft bei diesem Thema bekanntlich viel. Und so gehören zum Energiemanagement auch diese Bitten: Heizung zurückdrehen oder abdrehen, wenn der Raum nicht genutzt wird. Licht aus, wenn das Tageslicht reicht. Elektrogeräte vor dem Feierabend oder Urlaub ausschalten.

Gute Ratschläge, die sich nicht nur die Nutzer der über 160 städtischen Gebäude zu Herzen nehmen sollten.

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