Auch "rauschhaus(2)" als Erfolg zu verbuchen

Etwa 250 Besucher erlebten die Eröffnungsfeier der Kunstaktion "rauschhaus(2)" in der Dulles-Siedlung mit. Installationen, Performances, Musik und Bilder regten zum "rauschhaften" Genuss an.

Das Zimmer ist im zweiten Stock des "rauschhauses" in der Lincoln Street Nummer 7 gelegen, und in dem Raum, in dem sich etwa zehn Zuschauer befinden, ist es stockdunkel. Soweit das überhaupt zu übersehen ist, befindet sich nichts darin, als plötzlich ein Stöhnen erklingt, das durch Mark und Bein geht. Es fällt etwas Licht ins Dunkel und jetzt ist zu sehen, dass in der hinteren Ecke des Zimmers in etwa 1,50 Meter Höhe eine Stange befestigt ist, über der eine Person hängt. Endlos scheinende Minuten dauert ihr Gewimmer - und schon ist der erste Auftritt dieser Performance von Kuratorin Julia Blawert wieder vorbei. Die Darbietung wird in einem anderen Raum fortgesetzt, immer umgeben von zahllosen gegenständlichen Kunstwerken und Musik.

Und genau das war Programm im zweiten rauschhaus, zu dessen Eröffnung am Freitagabend etwa 250 Gäste kamen, und das am Sonntag seine Pforten wieder schloss.

Der Besucher, der in allen sechs Wohnungen des Mehrfamilienhauses ganz unterschiedliche Kunstwerke wie Installationen, Gemälde oder auch Musik finden konnte, sollte mit der Flut der verschiedenen und vor allem gleichzeitigen Eindrücke in eine Art Rausch versetzt werden - daher der Name des Projekts. Und so viel ist sicher: Das gelang, und zwar erstklassig, denn gemeinsam haben die Künstler Veronica Astete-Engel, Julia Blawert, Michael Bloeck, Björn Leo Bryniason, Robert Groos, Michael Grünbeck, Maria Isabel Hagen, Halldór Halldórson, Detlev Hartmann, Daniel Horvat, Matthias Lange, Klaus Mangesius, Frank Menger, Bettina Rippl, Volker Ruprich, Gregor von Schenck, Wolf D. Schreiber, Timon Seibel, Jessica Sillah, Claudia Stamm, Evelyn Stapat, Norbert Umsonst, Ana Maria Velez und Mona Wolf eine höchst sehenswerte Ausstellung erarbeitet. Kräftige Farben, zum Teil verstörende Formen und Performances, die - wie der Eröffnungsauftritt des Kurators Matthias Lange - zum Nachdenken angeregt haben. Jede einzelne der Arbeiten war bereits für sich genommen eindrucksvoll.

Und schon ist alles wieder vorbei, denn die Ausstellung, die unter dem Motto "(Wert-) Werden" stand und durch die Unterstützung der Gießener Wohnbau möglich wurde, war, wie auch im letzten Jahr, temporär angelegt und dauerte nur drei Tage. Das ist bedauerlich, denn ganz sicher war dieses Projekt eine Bereicherung für das künstlerische Leben der Stadt. Doch alle die, die die Ausstellung verpasst haben, können beruhigt sein, denn die Kuratoren Blawert und Lange, die sich auch mit der zweiwöchigen Arbeitsphase des rauschhauses(2) sehr zufrieden zeigten, haben zumindest schon über das dritte Haus im kommenden Jahr gesprochen. Für Gießen wäre die Realisierung in jedem Fall ein Gewinn. olz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare