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Das Oberhessische Museum hat zwar geschlossen. Doch die Arbeiten, wie hier im Gemälde-Depot unter dem Dach des Alten Schlosses, gehen weiter. FOTOS: PM

Oberhessische Museen

Auch ohne Besucher viel zu tun

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Die drei Häuser des Oberhessische Museums in Gießen sind zwar aktuell für Besucher geschlossen. Doch auch so gibt es für Museumsleiterin Katharina Weick-Joch und ihr Team jede Menge zu tun.

Im Treppenhaus des Alten Schlosses stehen jede Menge Kisten. Luftpolsterfolie liegt zum sicheren Einpacken von Objekten aus. Wo sonst Besucher einen Blick in die Vitrinen werfen oder Gemälde bestaunen, sieht es aus wie bei einem Umzug. Corona hat auch das Oberhessische Museum zur vorübergehenden Schließung genötigt. Doch natürlich geht die Arbeit hinter den Kulissen weiter.

Die Schließung ist umso ärgerlicher, als erst vor wenigen Tagen die Ausstellung "Feuer und Flamme für diese Stadt - Das bewegte Gießen in den 80er Jahren" eröffnet wurde und auf enormes Publikumsinteresse gestoßen ist. "Vielleicht machen wir im Mai nochmal auf", hofft Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch. "Aber wer weiß das schon zum jetzigen Zeitpunkt." Fest stehe aber, dass die zahlreichen Veranstaltungsformate zur Ausstellung - von Stadtrundgängen über Podiumsdiskussion, Gesprächsrunden und Workshop - zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollen. Selbst dann, wenn die ursprünglich bis 31. Mai geplante "80er-Ausstellung" dann nicht mehr laufen sollte.

Wie andere Museen im Land, arbeitet das Museums-team daran, die aktuelle Schau, aber auch den Sammlungsbestand, online einsehbar zu machen. Über Facebook und Instagram sollen so bald wie möglich die fünf Themen von "Feuer und Flamme für diese Stadt" aufbereitet werden. Und auch auf der Homepage des Museums (einsehbar über www.giessen.de) könnte man sich dann mit ein paar Klicks darüber informieren, was man aktuell leider nicht mit eigenen Augen sehen kann. Ein virtueller Rundgang, wie vor einigen Monaten bei einer der Stadtlabor-Ausstellungen praktiziert, ist allerdings momentan zu schwierig zu realisieren.

Umbauarbeiten von Juni bis August

Auch eine Verlängerung der Ausstellung bis in den Sommer hinein und nach der ohnehin anstehenden Umbau-Schließung erwägt Weick-Joch. Denn im Museum stehen umfangreiche Bauarbeiten an. Eine Schließung war daher ohnehin von Anfang Juni bis Ende August dieses Jahres geplant. Ein neuer, schnellerer und sicherer Aufzug mit Zugang zu allen Etagen wird im Alten Schloss eingebaut und jede Menge Leitungen müssen dort neu verlegt werden. Staub, Dreck und Erschütterungen sind da unvermeidlich - für ein Museum eine Herausforderung.

Und die Vorbereitungen auf diesen Ausnahmezustand kann das Museumsteam, dank der aktuellen besucherfreien Phase, schon jetzt treffen. Die mit Porzellan und kleinen Skulpturen bestückten Vitrinen im Treppenhaus werden ausgeräumt und jedes Objekt sicher in Kisten verstaut. Gemälde wandern ins Depot und diesen Tagen kommt auch Künstlerin Eva Yeh ins Museum, um beim Einpacken ihrer über mehrere Etagen des Treppenhauses hängenden Skulptur aus hellgrünen Plexiglasscheiben zu helfen. "Es ist ein Glücksfall, dass die Künstlerin uns dabei unterstützen kann", freut sich Weick-Joch. Den schließlich gilt beim Einlagern: "Jedes Objekt hat ein anderes Bedürfnis.". An Platz zum Verstauen der Kisten herrscht momentan keine Not, denn auch der Netanya-Saal kann zur Zwischenlagerung genutzt werden.

Die viele Jahre vernachlässigten Arbeiten zur Inventarisierung des Museums laufen auch in Zeiten der Corona-Schließung weiter. Und auch die männlichen Helfer im Team können sich derzeit nicht über Arbeitsmangel beklagen: Sie fertigen in der Museumswerkstatt Passepartouts für Kunstwerke auf Papier an.

"Wir haben jetzt ein bisschen mehr Zeit und können auch mal am Stück arbeiten", versucht Weick-Joch der Krise auch etwas Positives abzugewinnen

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