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Noch ist die Kleebachschule in Allendorf verwaist. Ab Montag sollen dort aber zumindest wieder die Viertklässler unterrichtet werden. FOTO: SCHEPP

Schulen öffnen wieder

Auch in Gießen Rückkehr zum "richtigen" Unterricht

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Einige Schüler werden ab Montag wieder in Gießen unterrichtet. Für die Schulleitungen und Kollegien ist dies eine Herausforderung, wie ein Besuch in der Kleebachschule in Allendorf zeigt..

Katja Agari ist kommissarische Leiterin der Kleebachschule in Allendorf. Sie hat kürzlich eine Karikatur gesehen, die gut zeigt, vor welchen Herausforderungen Schulen im Zuge der Corona-Pandemie vor Beginn des Präsenzunterrichts am Montag stehen: In der Zeichnung ist ein streng in Quadrate unterteilter Schulhof zu sehen. Ein Lehrer überwacht, dass Schüler ihr Quadrat nicht verlassen. "So wären die Abstandsregeln sehr gut durchzusetzen", sagt Agari, "das ist aber fernab von jeder Praxis."

Es soll ein Trippelschritt in Richtung Normalität sein: Das Land hatte Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass es für einige Schülergruppen wieder Präsenzunterricht geben soll. Betroffen sind die zwölften Klassen der weiterführenden Schulen, die Abschlussjahrgänge der Berufs-, Haupt- und Realschulen sowie vierte Grundschulklassen. Innerhalb kurzer Zeit müssen die Leitungen zusammen mit den Kollegien die Voraussetzungen für die Rückkehr ins Schulleben schaffen: Unter anderem mit ausreichend Hygienemitteln und dem Einhalten eines Abstands von eineinhalb Metern.

Bereits am vergangenen Samstag, erzählt Agari, hätten an der Kleebachschule die Planungen für die Rückkehr der Viertklässler begonnen. So gibt es jetzt eine Sitzordnung unter Berücksichtigung des Mindestabstands, ausreichend Seife und Papierhandtücher, einen Stundenplan für den Notbetrieb sowie einen Pausen-Schichtplan. Geklärt sind auch die Regeln fürs Mittagessen. Eingebunden sind neben der Stadt als Schulträger auch das Kollegium, die Schülerbetreuung, der Hausmeister und die Reinigungskraft.

Schüler und Lehrer müssen sich umstellen

Schüler und Lehrer werden sich nun umstellen müssen. Agari sagt, der Unterricht werde frontal oder mit Einzelarbeitsphasen gestaltet. Übliche Methoden wie der Sitzkreis oder kooperative Lernformen seien nicht möglich.

Den Abstand auf dem Schulhof jedoch zu gewährleisten, sei "herausfordernd", betont Agari. "In der Notbetreuung war das wegen der geringen Schülerzahl einfacher." Bewährt hätten sich zum Beispiel Ballspiele. Wichtig sei, sagt sie, "die Kinder bei der Auswahl der Pausenbeschäftigung anzuleiten". Agari betont: "Es muss uns immer klar sein, dass es sich in der Grundschule um die jüngsten Kinder im Schulsystem handelt. Man kann ihnen das Spiel in der Pause nicht komplett bestimmen." Deshalb plädiert sie an die Eltern, dass deren Kinder am Montag mit Mundschutz in die Schule kommen.

Apropos Mundschutz: Neben den Schülern wird auch den Lehrerinnen an der Kleebachschule empfohlen, Mund- und Nasenschutz zu tragen. Hinzu kommen weitere Hygienemaßnahmen; zusätzliches Händewaschen vor Unterrichtsbeginn, vor der Frühstückspause und nach den Hofpausen sowie vor dem Mittagessen und stündliches Stoßlüften des Klassenraums. Es soll intensiver gereinigt und Flächendesinfektion genutzt werden.

Keine Revolution

Agari ist zuversichtlich, dass der Präsenzunterricht den Umständen entsprechend reibungslos ablaufen wird. Bevor die Schulen geschlossen wurden, hatten die Lehrerinnen mit den Schülern besprochen, wie sie zum Beispiel richtig Hände waschen oder in die Armbeuge husten. Weitere Hinweise gab es in Elternbriefen. Agari glaubt, die Schüler seien deshalb sensibilisiert und diszipliniert.

Im Zuge der Corona-Pandemie geistern Begriffe wie Homeschooling oder Onlineunterricht umher. Das klingt ein bisschen nach schöner neuer Welt. Agari will diese Schritte, die Schulen gezwungenermaßen gehen müssen, um irgendwie Wissen zu vermitteln, nicht überbewerten. Das Lernen in der Schule, sagt sie, werde ihrer Meinung nach nicht revolutioniert. Jedoch glaubt sie, dass "die Wertschätzung, zur Schule gehen zu dürfen und Unterricht für seine Kinder in Anspruch nehmen zu können", steigen werde - genauso wie der Respekt der Eltern für die tägliche Arbeit der Lehrkräfte.

"Kinder werden vielleicht auch die Nähe zu den Spielkameraden mehr zu schätzen wissen", sagt Agari. Sie hofft, dass auch Selbstverständliches wie eine Umarmung oder das gemeinsame Tuscheln bewusster wahrgenommen und mehr genossen werde. Vielleicht, sagt Agari, seien die Schüler auch selbstständiger im Lernen geworden.

Für die Kleebachschule hätten sich ebenfalls positive Aspekte ergeben: So seien die Vorteile der Digitalisierung stärker genutzt worden. Agari kann sich zum Beispiel vorstellen, öfter Videokonferenzen mit Kollegen zu machen. Außerdem soll an der Allendorfer Grundschule zum neuen Schuljahr eine Lernzeit mit Lernplänen eingeführt werden. "So können wir tolle Erfahrungswerte sammeln", sagt Agari. Es ist also wirklich keine Revolution. Aber es sind immerhin Trippelschritte in die richtige Richtung.

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