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Die Zwillingsbrüder Sergio (l.) und Carlos Lopez gehören am Samstagmittag zu den ersten Nutzern des wieder geöffneten Stangenparks. FOTO: CSK

Stadtpark

Auch in Gießen gibt es coronataugliches Training

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Seit Samstag sind die Sportplätze auch in der Wieseckaue wieder geöffnet. Wir haben uns bei den Freizeitsportlern umgehört.

Innerlich zuckt Sergio Lopez mit den Schultern. Äußerlich geht das beim besten Willen nicht. Denn der 28-Jährige klammert sich gerade mit allen Vieren kopfüber an ein Trainingsgerät im Stadtpark Wieseckaue. Wann was wie und warum in der Coronakrise geöffnet wird oder geschlossen bleibt, kann auch er nicht im Detail erklären. Aber das ist für einen Moment egal.

Sergio und sein Zwillingsbruder Carlos freuen sich einfach, dass sie am Samstag wieder auf dem öffentlichen Stangenparcours trainieren können. "Wurde Zeit", finden die beiden Spanier.

Als sie zu den langersehnten Klimmzügen, zu Kniebeugen und sagenhaft fotogenen Kunststück ansetzen, hat mancher Hobbysportler vielleicht noch gar nicht mitbekommen, dass es in Hessen seit diesem Wochenende wieder deutlich mehr Möglichkeiten gibt. Alle Sportarten unter freiem Himmel sind im Freizeit- und Breitensport von Samstag an wieder erlaubt. An Spiel- und an Bolzplätzen waren die rot-weißen Flatterbänder hessenweit sogar schon vergangenen Montag entfernt worden.

Bei schönstem Frühlingswetter dauert es nun nicht lange, bis auch die Areale rund um den Calisthenics-Park dicht bevölkert sind. Nebenan treffen sich kleine Gruppen zum Basketball und Fußball, während an den Stangen stets fünf bis acht Sportler aktiv sind. Muckis hin, Schweißausbrüche her: Corona bleibt allgegenwärtig. Die Ordnungspolizei habe sie vorhin kontrolliert, erzählen Sergio und Carlos. Schilder mahnen anderthalb Meter Abstand an, sie fordern zur Desinfektion der Geräte auf und dazu, Gruppenbildungen zu vermeiden. Ob das alles klappt? Mehr oder weniger.

Gießen: Genug mit dem Sport in den eigenen vier Wänden

Immerhin: Ein Problembewusstsein ist nicht nur bei den Lopez-Brüdern vorhanden. Auch Marko Kostic und Laurin Müller trainieren mit Abstand. Die Boxer kennen sich aus dem Gießener "Extreme Fight Club" und sind - mit oder ohne Coronakrise - "fast täglich" im Stangenpark. Die Wiedereröffnung haben sie sehnsüchtig erwartet. Anders sieht es bei Maximilian Remy und Fabian Rodriguez aus. Sie bezeichnen ihr Workout als "echte Notlösung". Remy ist von Haus aus Basketballer und Leichtathlet, Rodriguez’ Leidenschaft gehört dem Tennis.

Zuletzt mussten sie sich anders fit halten. Sport in den eigenen vier Wänden, Bodybuilding mit dem eigenen Körpergewicht - wie das schon klingt! Weil sie Internisten sind, wissen die Freunde aber gut um die mit dem Virus verbundenen Gefahren. Zumal Rodriguez, der momentan für eine Fortbildung in Gießen weilt, aus Bonn stammt: "Da ist, was Corona angeht, deutlich mehr los als hier."

Das Fazit spricht der Wissenschaftler in Fabian Rodriguez: "Ob wir mit den Lockerungen jetzt zu viel wollen oder genau richtig vorgehen, wird man seriös doch sowieso nur retrospektiv beurteilen können."

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