Im Einsatz für ein volles Schälchen: Pirko Wedhorn (l.) und Alina Schaller helfen bei der Futterausgabestelle der IG Tierschutz Mittelhessen.
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Im Einsatz für ein volles Schälchen: Pirko Wedhorn (l.) und Alina Schaller helfen bei der Futterausgabestelle der IG Tierschutz Mittelhessen.

Ehrenamt

Futterausgabestelle in Gießen: Auch Archie soll satt werden

  • Annette Spiller
    VonAnnette Spiller
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Wenn das mal keine Zusage ist: Kostenloses Futter, Tierzubehör, Rat und individuelle Hilfe für bedürftige Tierhalter mit Hunden, Katzen, Nagetieren oder Vögeln. So steht es im Flyer der Futterausgabestelle in Gießen, die vom Verein IG Tierschutz in Mittelhessen betrieben wird. Ehrenamtliche wie Pirko Wedhorn und Alina Schaller erfüllen das Versprechen mit Tatkraft und Herzlichkeit.

Gießen – Gleich hinter der Einmündung der Goethestraße steht das Schild auf dem Seltersweg: Gut so, denn sonst würde man wohl nicht ahnen, dass sich hinter einem Modeladen im ehemaligen Kühlhaus der früheren Metzgerei Meister die Futterausgabestelle der Interessengemeinschaft Tierschutz in Mittelhessen e.V. befindet. Alle zwei Wochen samstags zwischen 11 und 13 Uhr ist geöffnet - für Kunden und Spender.

Die Metalltür hat das Team des Tages bereits offen gelassen, dann geht es über einen Hof hinein ins Gebäude. Pirko Wedhorn ist seit sieben, Alina Schaller seit sechs Jahren Mitglied im Verein. Beide Frauen sind im Vorstand aktiv, Wedhorn ist seit sechs Jahren für die Futterausgabestelle zuständig. Mithelfen ist ihr ein Bedürfnis, lange schon engagiert sie sich ehrenamtlich - »früher in der Schule, jetzt hier«. Schaller nahm anfangs Pflegehunde, kann sich als Lehrerin Futterausgabe-Dienste gut einteilen. Ihr gefällt der Austausch im Team und mit den Menschen, die sich die Rationen für ihre Lieblinge abholen.

Futterausgabestelle in Gießen: „Maximal zwei Tiere pro Kunde“

Hinter dem Tresen herrscht Ordnung: links das Hundefutter, rechts ein Regal mit Leinen, Näpfen, Spielzeug, weiter drüben Katzen- und Nagerfutter im Schrank. Es gibt Trockenkörner in Tonnen, Katzenstreu in Säcken. Nur Spenden machen das möglich - und werden dringend gebraucht. Alles wird in wiederverwertbare Beutel abgepackt, die die Kunden kostenlos erhalten und beim nächsten Besuch wieder mitbringen. Die Leckerlis kommen portioniert in Papiertüten. Wie man Hundekekse selbst machen kann, zeigt eine kleine Rezeptsammlung zum Mitnehmen.

Wer hier Kunde werden will, muss Bedürftigkeit nachweisen, etwa mit einem Hartz-IV-, BAföG- oder Rentenbescheid. Dann werden seine Daten, der Name und Impfnachweis des Tieres in die Kartei aufgenommen. »Wir unterstützen maximal zwei Tiere pro Kunde«, erklärt Wedhorn das Prinzip. Außerdem werde Futter alle zwei Wochen nur für sechs Tage ausgegeben - »für den Rest der Zeit bis zum nächsten Ausgabetermin steht der Tierhalter in der eigenen Verantwortung.«

»Wir versuchen, ein gutes Gefühl zu vermitteln. Der erste Schritt zu uns fällt vielen nicht leicht«, sagt Schaller. Dass das gut gelingt, wird schnell klar. Die meisten sind Stammkunden, auch an diesem Samstagvormittag - man kennt sich. Punkt elf grüßt Archies Herrchen freundlich in die Runde. Damit sein Hund satt wird, ist er regelmäßig hier. Ein paar nette Worte, das Team weiß, was Archie bekommt. Nicht zu viele Leckerlis jedenfalls, bestimmt Herrchen augenzwinkernd: »Archie will ja nicht dick werden.«

Futterausgabestelle in Gießen: „Nimmt einen schon mit“

Für den nächsten Kunden verpackt Schaller Heu für die Nager und Futter für die zwei Hunde. Eine Kundin gibt freudige Rückmeldung: Das Geschirr für Katze Liesel hat gepasst. Sie möchte Katzenstreu - »besonders begehrt ist das weiße«, sagt Wedhorn. Eine junge Frau holt den Bedarf für die Nachbarin mit, die Straßenkatzen versorgt - ebenso wie sie selbst. »Die brauchen doch auch was«, sagt sie.

»Wenn manche Kunden von ihrer Lage erzählen, nimmt einen das schon mit«, sagt Wedhorn, ohne ins Detail zu gehen. »Am schönsten ist, dass wir den Menschen helfen können, ihre Tiere zu behalten.« Die Bilanz kann sich sehen lassen: Im Jahr 2019 gab es 387 Kundenbesuche, 359-mal wurde Futter für Hunde, 439-mal für Katzen und 34-mal für Nagetiere ausgegeben. 2020 und 2021 werden die Zahlen niedriger liegen - die Corona-Beschränkungen betrafen auch Futterausgabe und Spendenmenge. Die Mitarbeiter sind heilfroh, wieder öffnen zu dürfen, haben sich um ihre Kunden und deren Tiere gesorgt. Jetzt können sie wieder dazu beitragen, dass Archies Schälchen gefüllt ist.

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