_1LOKSTADT19-B_092352_4c
+
Dass die angehenden Lehrerinnen und Lehrer von der JLU kein mündliches Staatsexamen ablegen müssen, begründet das Hessische Kultusministerium mit dem Infektionsgeschehen. ARCHIVFOTO: DPA

Corona-Auswirkungen

Auch an Uni Gießen kein mündliches Staatsexamen

  • VonSebastian Schmidt
    schließen

Während Uni-Prüfungen und Abitur weiterhin stattfinden sollen, streicht die Lehrkräfteakademie die mündlichen Staatsexamen für angehenden Lehrer.

Lehrerinnen und Lehrer sollen eine ganze Reihe von Kompetenzen mitbringen, um die Schülerinnen und Schüler optimal unterrichten zu können. So müssen sie ein solides Fachwissen in ihren Schulfächern haben und auch die notwendige didaktische Kompetenz besitzen, um das Wissen an ihre Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.

Das genügt aber nicht. Das Lehrpersonal muss auch vor der Klasse stehen und frei reden können. Eine Kompetenz, die mit einem mündlichen Teil auch im Ersten Staatsexamen geprüft wird - normalerweise. 550 angehende Lehrer haben an der Justus-Liebig-Universität (JLU) bereits den schriftlichen Teil des Ersten Staatsexamens hinter sich und sollten jetzt mitten in der mündlichen Prüfungsphase stecken. Wegen der Corona-Pandemie fällt das mündliche Staatsexamen aber in ganz Hessen aus.

Prüfungen in Universitätsräumen

Philipp Bender, Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums, erklärt, dass mehrere Gründe zur Absage geführt haben. Ein Grund sind die Prüfungsorte. Die mündlichen Examen fänden überwiegend in Räumen der jeweiligen Hochschulen statt. »Es gelten die Hygiene- und Schutzmaßnahmen der Universität«, sagt Bender. Aber was passiert, wenn an einer Universität die mündlichen Prüfungen stattfinden können und an einer anderen nicht? Bender sagt, es könne auch passieren, dass durch eine Veränderung des Infektionsgeschehens ein Teil der Studierenden bereits die Prüfung gemacht hätte und der andere Teil die Prüfungen aber nicht mehr ablegen könne.

Deswegen wolle die Hessische Lehrkräfteakademie vor allem Planungssicherheit bei allen an den Prüfungen Beteiligten schaffen, sagt Bender. »Dies ist aufgrund der aktuellen Situation aber nur dann zu gewährleisten, wenn auf die Durchführungen der mündlichen Prüfungen verzichtet wird.« Denn bei der momentanen Infektionslage könne nicht garantiert werden, dass überall die mündlichen Prüfungen stattfinden können. »Um Ungleichheiten zu vermeiden, wenn zum Beispiel mitten in der Kampagne ein Abbruch erfolgen muss, stellt diese Lösung vor dem Hintergrund des immer gebotenen Gleichheitsgrundsatzes die fairste Möglichkeit dar.« Die Staatsexamen können die Prüflinge auch ohne den mündlichen Teil bestehen. Die Noten ergeben sich aus den bisher abgelegten Prüfungen, die in die Erste Staatsprüfung einfließen, erklärt Bender.

Ungleichheiten vermeiden

Ein weiterer Grund für die Absage des mündlichen Examens scheinen auch Bedenken aus den Reihen der Hochschullehrer gewesen zu sein. So sagt Bender: »Ebenfalls haben wir auf die Rückmeldungen sehr vieler Professorinnen und Professoren zu reagieren.«

Warum können die angehenden Lehrer die mündlichen Prüfungen nicht einfach nachholen? Bender sagt: »Eine Verschiebung ist aus Zeitgründen nicht realisierbar.« Und warum keine mündliche Prüfung über Videochat? Dafür gebe es keine gesetzliche Regelung - obwohl es ein Jahr Zeit gab, eine entsprechende Gesetzesänderung zu veranlassen. Wer Schuld daran hat, dass das bis jetzt noch nicht geschehen ist, bleibt offen. Bender sagt nur, dass die notwendige Änderung durch den Gesetzgeber »bis jetzt nicht eingeholt werden konnte.« Die Lehrkräfteakademie setze sich aber dafür ein, »diese Prüfungsform so schnell wie möglich als Ausnahmeregelung in der Verordnung zu verorten.«

JLU schreibt weiter Klausuren

Die Universität Gießen hält die Absage der mündlichen Prüfungen für »nachvollziehbar und vertretbar«, aber zieht keine Konsequenzen daraus für ihre eigenen Prüfungen. JLU-Sprecherin Lisa Dittrich sagt, dass das Hygienekonzept der JLU bisher erfolgreich Clusterinfektionen habe verhindern können. »Da die Prüfungsorganisation aber hessenweit zu regeln war, sind die Infektionsschutzmaßnahmen der JLU sicher nur ein kleiner Teil der Entscheidungsgrundlage gewesen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare