Am Brandplatz in Gießen ist auch abends häufig kein freier Parkplatz zu finden.
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Am Brandplatz in Gießen ist auch abends häufig kein freier Parkplatz zu finden.

Verkehr

Parken in Gießen: „Opfer“ des Parkdrucks zahlen sogar zusätzlich

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Parkplätze in Gießen sind ein rares Gut. Und das nicht nur Nachmittags, wenn es die Leute zum Shoppen in den Seltersweg zieht. Auch abends entspannt sich die Lage oft nicht.

Gießen - Bei herrlichem Sommerwetter sind am frühen Samstagabend in der Gießener Innenstadt die Straßencafés und Biergärten rappelvoll. Und nicht nur die: Auf dem Brandplatz ist gegen 19 Uhr kein Fitzelchen Parkraum mehr frei, ebenso auf dem Lindenplatz, die Marktlauben sind beidseitig zugeparkt. Auch auf Flächen, wo das Parken verboten ist, quetschen sich die »Stehzeuge«. Trotzdem umkurven Autofahrer die Bereiche immer wieder auf der Suche nach einem Parkplatz. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Der starke Parksuchverkehr zeigt: Auf der Gießener Innenstadt lastet auch außerhalb der Geschäftszeiten ein erheblicher Parkdruck, und begehrt sind vor allem die Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone. Da deren Anzahl begrenzt ist, erzeugt das viel Parksuchverkehr.

Auch in der Johannesstraße ist am Samstagabend kein Parkplatz mehr frei. Hier indes hat die Stadt nun eine sogenannte Parkraum-Detektion, die den Parksuchverkehr reduzieren soll, installiert und vor einiger Zeit freigeschaltet. An der Südanlage stehen beidseits Anzeigetafeln, auf denen die Zahl der im Moment noch freien Parkplätze angezeigt wird. Neben den rund 50 normalen Parkplätzen werden auch die Parkplätze für Elektrofahrzeuge und die Parkplätze für behinderte Menschen extra angezeigt. Am Samstagabend steht die Null, trotzdem wird auch in die Johannesstraße in der Hoffnung eingefahren, dass ein Platz frei wird.

Parkplätze in Gießen: In Parkhäusern noch Plätze frei

Ähnlich läuft es am Montagmittag: Die digitalen Tafeln zeigen gerade drei freie Plätze, aber in den nächsten zwei bis drei Minuten biegen rund ein Dutzend Fahrzeuge in die Johannesstraße ein. Eigentlich soll die Anzeige die Autofahrer veranlassen, bei kompletter oder nahezu kompletter Belegung der Parkplätze weiterzufahren und eines der nächstgelegenen Parkhäuser am Anlagenring anzusteuern. Das hätte um diese Zeit auch funktioniert: Laut Stadt-Homepage gab es in den acht innenstadtnahen Parkhäusern gegen 13 Uhr fast 1100 freie Parkplätze.

Belegt sind am Samstag und Montag in der Johannesstraße auch die drei E-Parkplätze. Allerdings stehen dort keine Pkw mit Elektroantrieb, sondern ausschließlich »Verbrenner«. Die Beschilderung an dieser Stelle sorgt immer wieder für ein Missverständnis: Da dort keine Ladesäulen stehen, gehen Fahrer von Benzinern und Diesel-Pkw davon aus, sie dürfen dort noch parken. Ein Irrtum, denn Ladesäulen sind an dieser Stelle gar nicht vorgesehen. Mit dem Verkehrszeichen 314 (Parken mit Zusatzzeichen) werden die Plätze für E-Autos mit entsprechendem Kennzeichen reserviert. »Das sind keine Ladestationen«, klärt Stadtsprecherin Claudia Boje auf. Die Straßenverkehrsordnung lasse diese Reservierung bewusst zu und empfehle sie auch. Dennoch sollen noch zusätzliche, eindeutigere Hinweise auch auf dem Boden hinzukommen, damit es für die Autofahrer deutlicher wird, fügt Boje hinzu.

Parken in Gießen: Anwohner finden keine Parkplätze

»Opfer« des Parkdrucks, der auf der City lastet, sind unter anderem die Inhaber von Scheinen fürs Bewohnerparken. So beklagt eine Anwohnerin des Selterswegs, die ihren Pkw in der Johannesstraße abstellt, dass sie oft keinen freien Parkplatz findet, obwohl sie im Jahr 100 Euro für für das erweiterte Bewohnerparken zahlt. Sie schlägt vor, die Plätze für das Anwohnerparken weg vom Einfahrtsbereich in den Bereich Richtung Sparkasse zu verlegen. »Wenn vorne ein Parkplatz frei ist, wird sofort draufgefahren und gar nicht mehr weitergesucht«, hat die Anwohnerin beobachtet. Am Samstag indes hätte ihr das auch nicht geholfen.

Ob die neue grün-rot-rote Koalition Abhilfe schafft, bleibt abzuwarten. In ihrem Koalitionsvertrag kündigt sie »Kostenwahrheit für Parkplätze im öffentlichen Raum durch angemessene Parkraumbewirtschaftung und ein angepasstes Anwohnerparkkonzept« an.

Was diese »Kostenwahrheit« in Euro und Cent bedeuten könnte, wurden die Vertreter der drei Regierungsfraktionen Grüne, SPD und Gießener Linke auch am Samstag bei einer Diskussionsrunde im Rahmen des Straßenfests im Alten Wetzlarer Weg gefragt. Die konkrete Antwort bleiben sie ebenso schuldig wie die zur Ausgestaltung der propagierten »autoarmen Innenstadt«. Die Zahl der Kurzzeitparkplätze soll reduziert werden, am Brandplatz sollen sie ganz verschwinden und durch einen »Erlebnisraum« ersetzt werden.

Apropos »Kostenwahrheit«: Nach 19 Uhr werden in der Gießener Innenstadt aus gebührenpflichtigen Kurzzeitparkplätzen Dauerparkplätze für lau.

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