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Der Uni-AStA prangert das JLU-Präsidium an: Es wolle "den Klimaschutz weiter aufschieben". SCREENSHOT

AStA fordert mehr "Nachhaltigkeit"

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Gießen(kw). Die fünf Kopfbilder erinnern an einen Steckbrief, die Aufschrift wirkt versöhnlicher: "Liebes Präsidium, gehen Sie neue Wege!" Darunter steht: "Die Klimakrise wartet keine zwei Jahre mehr auf eine JLU-Nachhaltigkeitsstrategie." Mit dieser Veröffentlichung im Internet will der Allgemeine Studierendenausschuss Druck machen auf die Leitung der Justus-Liebig-Universität. Die zeigt sich "dankbar für die Hinweise".

Sofortmaßnahmen: Skepsis im Senat

In der Senatssitzung am vergangenen Mittwoch hatte ein AStA-Vertreter konkrete Forderungen gestellt. Ökologische Themen sollten in sämtlichen Studiengängen zum Thema werden, in allen Fachbereichen "Nachhaltigkeitsbeauftragte" ernannt werden. Etliche Mitglieder des Uni-Parlaments äußerten zwar Verständnis für das Anliegen. Unter anderem JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee wies jedoch darauf hin, dass für zusätzliche Lehrinhalte und Aufgaben etwas jetzt Vorhandenes wegfallen müsse. Dafür bedürfe es der Planung.

Außerdem müssten Maßnahmen nicht unbedingt im "Entwicklungsplan" für die nächsten zehn Jahre aufgeführt werden, um den es im Senat ging, meinte Mukherjee. Dieser solle lediglich die wichtigsten Leitlinien der JLU für die nächsten zehn Jahre skizzieren als Grundlage für Finanzverhandlungen mit dem Land. Schließlich lehnte eine Mehrheit des Senats - bei etlichen Enthaltungen - die AStA-Anregungen ab.

Diese unvorbereitete "scheindemokratische" und im Ergebnis "ernüchternde" Abstimmung gehört zu den Kritikpunkten des AStA. Im Entwicklungsplan seien durchaus Maßnahmen zur Nachhaltigkeit genannt, aber erst ab 2022. Man begrüße eine durchdachte Strategie, doch "die Zeit drängt". Andere Hochschulen reagierten schneller auf die Mahnungen des Weltklimarats, etwa mit der Einrichtung von "Green Offices". "Die FU Berlin zeigt, dass mehr drin ist": Sie habe beschlossen, dass sie bereits 2025 klimaneutral sein möchte.

Dem JLU-Präsidium dagegen fehle es an Mut, so der AStA. Ein "Lichtblick" sei die Ankündigung, bis zur nächsten Senatssitzung am 25. März den Entwicklungsplan möglicherweise zu ergänzen.

"Bei der Bearbeitung des Abschnitts zur Nachhaltigkeit werden wir die Anregungen mit einbeziehen", erklärt eine Uni-Sprecherin auf GAZ-Anfrage. "Die lebhafte Diskussion im Senat hat gezeigt, dass das Thema einen Nerv trifft." Dem Präsidium sei bewusst, dass Nachhaltigkeit ein zentrales Zukunftsthema ist.

Schon lange sei die JLU in diesem Bereich "sehr aktiv", etwa durch lebenswissenschaftliche Forschung, die Unterstützung von Initiativen wie "Scientists for Future" oder "Students for Future", das Leihradsystem oder den energetischen Masterplan zur Gebäudesanierung. Die Uni Gießen werde "diese Themen weiterhin im Blick behalten und kontinuierlich konkrete Maßnahmen anstoßen und umsetzen."

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