Mit einem Schild im Seltersweg verabschiedet sich die "Galeria Markthalle".
+
Mit einem Schild im Seltersweg verabschiedet sich die »Galeria Markthalle«.

Seltersweg

Karstadt Gießen: Gerüchte um bisherige Lebensmittel-Abteilung

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
    schließen

Das Warenhaus Karstadt/Kaufhof im Seltersweg in Gießen wird seinen Lebensmittelmarkt am 17. Oktober schließen. Dort könnte danach ein Asia-Markt einziehen. .

Gießen (kw). Das Schließungsdatum für die Karstadt-Lebensmittelabteilung steht fest. Auf Schildern vor dem Warenhaus wird der Samstag, 17. Oktober, als Termin genannt. Bisher war von Ende Oktober die Rede gewesen. Unterdessen verdichten sich Gerüchte, dass ein Asia-Markt als Mieter folgen könnte.

Inoffiziell, aber von mehreren Seiten bekam die GAZ bestätigt, dass im Untergeschoss des Flaggschiffs der Fußgängerzone auch künftig Lebensmittel zu haben sein werden - allerdings vorwiegend fernöstliche. Schon seit Jahren ziehen in anderen Städten solche Asia-Märkte dort ein, wo Lebensmittelmärkte von Karstadt oder anderen Warenhausketten aufgegeben worden sind.

Der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof hat den Plan zur Schließung, der Ende Juni bekannt wurde, trotz mehrerer Anfragen der Redaktion bis heute nicht offiziell bestätigt. Nun sorgt das Schild vor dem Eingang für Klarheit. Mit den Worten »Tschüss und vielen Dank!« verabschieden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter »zu unserem Bedauern« von der Kundschaft.

Karstadt Gießen: Senioren in Sorge um Nahversorgung

Seit Wochen wird das Sortiment im Untergeschoss ausgedünnt. So ist der »Fisch-Point« längst verwaist. Zahlreiche Produkte werden, angeblich wegen des nahenden Mindesthaltbarkeitsdatums, zum Sonderpreis auf Extratischen angeboten.

Die Frage, wie viele Mitarbeiter in Gießen betroffen sind, beantwortet der Warenhauskonzern nicht. Nach GAZ-Informationen wurde allen gekündigt. Bundesweit macht fast die Hälfte der bundesweit rund 50 Filialen von Karstadt Feinkost dicht, sie haben 2100 Beschäftigte. Auch der Schnäppchenmarkt an der Rodheimer Straße steht vor dem Aus. Das Kern-Warenhaus am Selterstor entging indes der Schließungswelle, der rund 60 von 170 Häusern in Deutschland zum Opfer fallen. Die traditionsreiche Lebensmittelabteilung setzte ab 1998 mit der Neueröffnung als »Marktplatz« verstärkt auf edle Delikatessen. Damals zählte sie 88 Mitarbeiter auf 56 Stellen, darunter eigene Weinberater. Seitdem sank die Zahl stetig, 2015 lag sie bei 35.

2004 stieg Rewe bundesweit mit 25,1 Prozent als Partner bei Karstadt Feinkost GmbH ein. Die Läden wurden in »Perfetto« umbenannt. Im vergangenen Jahr stieg der Lebensmittelhändler wieder aus. Seit kurzem nennt sich die Fläche »Galeria Markthalle«. Eine richtige Markthalle war zunächst als Nachfolgenutzung im Gespräch. Diese Idee scheint nicht durchsetzbar gewesen zu sein. In den ohnehin krisengebeutelten Innenstädten lohnenswerte Mengen an Lebensmitteln zu verkaufen, sei grundsätzlich »zunehmend schwierig« geworden, sagt ein Kenner der Branche.

Der städtische Seniorenbeirat äußerte im Juli »Sorge«: Viele ältere Innenstadt-Bewohner nutzten den Laden, um zu Fuß ihren täglichen Bedarf zu decken. Innerhalb des Anlagenrings gibt es vier weitere Supermärkte: Tegut und Penny in der Galerie Neustädter Tor, Rewe am Marktplatz und Klatschmohn in der Neuen Bäue.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare