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"Artig auf Abstand"

  • vonSebastian Schmidt
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Eine ehemalige Karstadt-Dekorateurin schlägt zwei Fliegen mit einem Kunstprojekt: Menschen können sich in einem kleinen, weißen Rahmen kreativ austoben und gleichzeitig die lokale Kulturszene unterstützen.

Monika Wegener biegt aus Draht ein Gerüst: vier Beine, einen Schwanz und einen langen Hals mit Kopf. Kleister und Zeitungspapier formt sie zu einem Körper. Das Ergebnis ist ein Dackel mit einem Gänse-Hals. Ein "Gackel". Wegener platziert das fertige Tier in einen tiefen, weißen Bilderrahmen und fertig ist eines von über 20 Kunstwerken aus der Reihe "Artig auf Abstand". Mit den Kunstwerken will Wegener zum einen bei Menschen die Freude am Gestalten wecken. Zum anderen will sie die lokale Kulturszene unterstützen. Dafür sucht sie noch weitere Mitstreiter.

Es mache ihr Freude, bei ihren Kunstwerken mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten, sagt Wegener. Das gilt nicht nur, wenn sie bastelt, sondern auch bei Kleidung oder Möbeln. Sie lacht und sagt: "Ich bin eine Material-Fetischistin." Wegener hat in ihrem Leben schon mit viel Dingen gebastelt. Denn sie hat in den 1960er Jahren die Ausbildung zur Dekorateurin bei Karstadt gemacht. "Damals hat man da noch ganz viel von Hand gemacht. Als Blickfang für die Kunden." Nach ihrer Ausbildung hat sie als "Mädchen für alles" bei einer Boutique am Kreuzplatz gearbeitet und auch dort die Schaufenster dekoriert.

Geburtstagsfeier musste ausfallen

Die Idee mit ihren Fertigkeiten Kunstwerke herzustellen, ist Wegener an ihrem Geburtstag gekommen. Der ist im April gewesen - im Lockdown. An eine Feier sei nicht zu denken gewesen. "Ich habe trotzdem etwas zusammen mit meinen Freunden machen wollen." Wegener hat daraufhin eine Rundmail geschrieben. Jeder der Spaß daran habe, könne einen der kleinen, weißen Bilderrahmen mit einem Kunstwerk füllen. Und ihre Freunde haben mitgemacht. Die fertigen Geschenke hat sie dann Anfang August präsentiert bekommen. "Als Corona es zugelassen hat, haben wir zusammen eine Vernissage gemacht."

20 Stück seien es geworden. "Und die sind viel zu schön, um sie bei mir verstauben zu lassen," sagt Wegener. So ist die Idee entstanden, daraus ein Kunstprojekt zu machen. Der Name "Artig auf Abstand" ist ein Wortspiel, erklärt Wegener. Denn einmal bezieht er sich auf die Corona-Regeln und zum anderen ist "art" das englische Wort für Kunst. Wegener und Freunde wollen weitere Kunstwerke erstellen. Die werden zum einen auf einer Webseite zum Verkauf angeboten, zum anderen möchte Wegener eine Ausstellung machen. "Wenn Corona es zulässt." Der Erlös der Verkäufe soll lokalen Musikern zukommen. "Gestaltende Künstler können auch während Corona ein bisschen arbeiten. Viele Musiker haben dazu gar keine Möglichkeit."

Ausstellung, wenn Corona es zulässt

Unterstützen können Interessierte das Projekt auf mehrere Arten. Wer möchte, kann selbst ein Kunstwerk erstellen. Wichtig dabei: Alle sollen im gleichen weißen Rahmen angeordnet sein. "Die Vielfalt soll durch die gemeinsame Form ausgedrückt werden", erklärt Wegener. Sie hat einen kleinen Vorrat der Rahmen, und wer will, kann sich einen davon nehmen. Die fertigen Kunstwerke stehen auf der Webseite artigaufabstand.de zum Verkauf. Dort listet Wegener noch weitere Ideen auf, wie man dem Projekt helfen kann.

"Das Projekt wächst mit der Zeit immer weiter, die Ideen werden immer mehr." Obwohl sie mittlerweile Rentnerin sei, nehme "Artig auf Abstand" gerade viel ihrer Zeit in Anspruch. Ihr ist es deswegen wichtig zu erwähnen: "Ohne meinen Ehemann, der kocht, bäckt und einkauft, ginge es nicht."

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