"Arte" drehte zum Thema Amoklauf

Gießen (pd). Kameraleute, Tontechniker und eine Maskenbildnerin waren vor Ort, und selbstverständlich durfte auch die Klappe nicht fehlen. Ein Team des Kultursenders "Arte" war vor kurzem zu Gast an der Friedrich-Feld-Schule. Beim Dreh für das Wissensmagazin "X:enius" ging es um ein ernstes Thema: Amokläufe.

Warum gerade eine berufliche Schule als Kulisse und Interviewpartner ausgesucht wurde? "An der Friedrich-Feld-Schule herrschte die größte Offenheit zum Gespräch über dieses grundsätzlich alle Schulen betreffende Thema", antwortet Pierre Girard, der die "Arte"-Wissenschaftssendung gemeinsam mit Dörthe Eickelberg moderiert.

Gesprächspartner des zweisprachigen Fernsehteams waren vier Schülerinnen und Schüler. In fließendem Französisch gaben dabei eine junge Frau, die aus dem Kongo stammt, sowie ein junger Mann aus Syrien Auskunft. Zu Fragen wie "Beschäftigt Jugendliche das Thema ›Amok‹?", "Thematisieren Sie es im Gespräch untereinander, in der Schule, im Elternhaus?", "Was treibt junge Verzweiflungstäter Ihrer Meinung nach in die Isolation?" und "Wie kann geholfen werden?" standen die Jugendlichen für die Sendung Rede und Antwort.

Als Expertin zu Gast war außerdem Prof. Britta Bannenberg vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Zu den Forschungsschwerpunkten der Kriminologin gehören Gewalt an Schulen und so genannte Amokläufe. Unter anderem sprach Bannenberg nach der Bluttat von Winnenden vor dem öffentlich tagenden Ausschuss des baden-württembergischen Landtags. Bei den Dreharbeiten nahm sie nun gemeinsam mit dem stellvertretenden FFS-Leiter Jörg Keller Stellung zum Thema Amoklauf.

Keller, der als langjähriger Beratungslehrer und Leiter des Krisenteams an der Schule viel Erfahrung mit Konfliktsituationen hat, fasste gegenüber der AZ die wichtigsten Punkte des Austauschs mit der Wissenschaftlerin zusammen. "Amokläufer sind prinzipiell suizidal", sei eine Erkenntnis der Untersuchungen bisheriger Fälle, bei denen Bannenberg die Ermittlungsarbeit der Polizei systematisch ausgewertet habe. Die meisten der jugendlichen Täter hätten zuvor Selbstmordgedanken geäußert, beispielsweise in Andeutungen gegenüber Mitschülern. Jede Drohung müsse ernst genommen werden, auch wenn sie sich später als unbegründet herausstellen sollte.

Dabei müssten auch die Eltern stärker in die Verantwortung genommen werden. Manches Problem, das von Schule erkannt worden sei, werde vom Elternhaus heruntergespielt, berichtete Keller, der im Gespräch den Präventionsgedanken in den Vordergrund stellte. Ziel sei es, eine Schulkultur zu pflegen, in der Hinweisen auch nachgegangen wird. Dazu brauche man ein Schulklima, in dem frühzeitig bekannt wird, "wenn Einzelne aus dem Ruder laufen". Um ein solches Klima zu schaffen, müsse man Werte wie Offenheit, Toleranz und Respekt an der Schule mit Leben füllen, forderte Keller.

Der Sendetermin wird auf der Homepage der Schule () rechtzeitig bekanntgegeben.

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