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Veit Laurent Kurz baut für die Kunsthalle im Schaufenster Richtung Berliner Platz eine Installation aus seiner Werkserie »Herba 4« (im Foto die »Kräutergasse«) auf.

Apokalypse im Schaufenster

  • VonRedaktion
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Als zweiter Künstler der Reihe »Insideout« kreiert Veit Laurent Kurz ein apokalyptisches Szenario im Schaufenster der Kunsthalle. Zu sehen ist es vom 1. bis 28. März.

Im Schaufenster der Kunsthalle werden bis 18. April monatlich wechselnde künstlerische Positionen gezeigt. Nach einer Installation von Raphaela Vogel ist dort ab 1. März Kunst von Veit Laurent Kurz zu sehen.

Wie erspüren wir unsichtbare Gefahr? Wo sitzt sie und was sind ihre Folgen? Das Thema Kontamination beschäftigt Veit Laurent Kurz schon seit seiner Kindheit: Beim Spielen im Wald und am Wasser spürt er unsichtbare Geister, die Übelkeit und Halsschmerzen auslösen. Heute sind seine »Dilldapps« zwergenartige, deformierte Figuren, von denen etwas Toxisches ausgeht. Eingebettet in apokalyptische Szenarien aus Plastikpflanzen, Möbel- und Bauteilen, oft getränkt mit giftgrüner Flüssigkeit wirken sie wie Untote, die zugleich etwas Märchenhaftes verströmen - und die ganze Räume in den Abgrund reißen.

Für »Insideout« im Schaufenster der Kunsthalle baut er eine Installation aus seiner Werkserie »Herba 4« auf, die er immer wieder abwandelt: Bemalte Wandpaneele und turmartige Architekturen aus Styropor, die einen moosig-floralen Bewuchs aufweisen, sind über Schläuche zusammengeschlossen wie eine große Destillationsmaschine.

Der »Dilldapp« als Alter Ego

»Herba 4« - ein fiktives Elixier, das durch das Rohrsystem hindurch gepumpt wird - fungiert für Kurz abwechselnd als Kräuterextrakt, als Gift, als Halluzinogen oder gar als fiktiver Impfstoff. Wahlweise gehen also eine tödliche oder eine vitalisierende Wirkung von ihm aus. Wenn »Herba 4« wie eine radioaktive, ausgelaufene Flüssigkeit den Boden bedeckt, so gleicht die Szenerie einem Chemielabor, in dem ein Unfall passiert ist.

Stehen magische oder medizinische Kräfte dahinter? Die paradoxe Verbindung von Technologie und Zauber, von Natur und Maschine, von Organik und Künstlichkeit taucht im Werk von Kurz immer wieder auf - ebenso wie der »Dilldapp«, der so etwas wie sein Alter Ego ist. Die folkloristisch-karnevaleske Kreatur hat verschiedene Herkunftsgeschichten. Die eine liegt - wie die Heimat des Künstlers - im Hunsrück. Der »Dilldapp« kommt auch in der gleichnamigen Geschichte von Clemens Brentano vor: Sie erzählt von einem Jungen, der wegen seiner Dummheit von zu Hause fortgejagt wird und fortan bei einem Ungeheuer lebt, das ihm Zaubertricks beibringt. Für den Künstler verkörpert er das Unerklärbare, das im Gegensatz zur Wissenschaft und zu statisch festgelegten Lösungen steht.

Veit Laurent Kurz wurde 1985 in Erbach geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin, studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und an der Städelschule in Frankfurt.

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