Apfelwein

Apfelwein aus Gießen

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Der Gießener Joschua Schmidt stellt Apfelwein und Brand her. Die Nachfrage ist so gut, dass der Lehramtsstudent vor der Frage steht, ob er sein Hobby zum Gewerbe machen soll.

Früher war es üblich, dass Besitzer von Streuobstwiesen die Apfelernte im Herbst zu Apfelwein für den privaten Gebrauch machten. Einzelne produzierten sogar ihren eigenen Apfelbrand. Zu dieser aussterbenden Spezies gesellte sich vor fünf Jahren auch der junge Lützellindener Joschua Schmidt, nachdem er durch die Vermittlung des Allendorfer Branntweinherstellers Manfred Becker eine 1600 Quadratmeter große Streuobstwiese auf dem Judenberg in Allendorf erworben hatte.

Mit der Hilfe dieses Mentors stellte der gelernte Kfz-Mechatroniker seinen ersten Apfelbrand her, mit dem er Verwandte und Freunde erfreute. Nebenbei versuchte er sich dann auch als Hersteller von Apfelwein. Als Schmidt vor drei Jahren zu seiner Überraschung mit seinem Apfelwein beim Kreiswettbewerb für Selbstkelterer der Hessischen Apfelwein- und Obstwieserouten den dritten Platz belegte, ging er sein Hobby professioneller an.

Gutburgerlich und Hawwerkasten

Heute verkauft Schmidt seinen Apfelwein schon in der Gießener Gastronomie. "Das war nicht mein Ziel, aber es ist an mich herantragen worden", sagt er. Die Inhaber der "Weinrebe" und des Burger-Lokals "Gutburgerlich" wollten die Nachfrage ihrer Kunden nach regionalen Produkten befriedigen und kamen auf Schmidt zu.

In den letzten beiden Jahren füllte seine Kelterei jeweils rund 500 Liter Apfelwein in 0,33- und 0,75-Liter-Flaschen ab. Dazu kommen an die 40 Liter Apfelbrand, die er in der Tulipano-Flasche mit 0,5 Litern verkauft. Zu haben sind beide Erzeugnisse auch in den Rewe-Märkten in Linden und Biedenkopf sowie im "Hawwerkasten" und in der Musikkneipe "Irish Pub". Weinproduktion fast komplett abverkauft

Zurzeit ruht die Getränkeherstellung aber. Die Weinproduktion von 2016 ist fast komplett abverkauft, der Apfelbrand von 2016 kommt bald in die Läden. Richtig los geht es dann wieder im September und Oktober, wenn die Ernte ansteht. Freunde aus der Umgebung helfen ihm. Dabei setzt er auf Qualität: "Ich wollte von Anfang an etwas Gutes produzieren", betont er. Das bedeutet: Jeder einzelne Apfel wird in die Hand genommen und geprüft. Sobald ein Indiz für einen Wurm erkennbar ist, bleibt der Apfel auf der Wiese liegen und dient später als Wildfutter.

Zum Qualitätsanspruch des Lehramtsstudenten für Physik und Sport gehört auch, dass die Ernte sofort verarbeitet, also gepresst und gehäckselt wird, ehe die Äpfel angären können. Bei den weiteren Schritten – vom Umfüllen und Abfüllen über das Etikettieren bis zum Reinigen der Ballonflaschen ist der Zeitdruck dann nicht mehr so groß. Das alles geschieht im Keller der Familie Schmidt in der Breslauer Straße. Nur der Brand entsteht in der professionellen Brennanlage bei Gernot Becker in Watzenborn-Steinberg. Lehrer oder Kelterer? Momentan überlegt Schmidt, ob er weitere Grundstück anpachten soll, um die Apfelernte und damit seinen Ausstoß zu erhöhen. Für sich selbst muss er dabei auch die Frage beantworten: "Ist das nur noch Hobby oder schon Beruf?". Ganz ausschließen mag der 25-Jährige jedenfalls nicht, dass er nach dem Abschluss seines Studiums zunächst einmal auf eine Anstellung im Staatsdienst verzichten wird

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