Die Arbeitsagentur Gießen meldet deutlich rückläufige Kurzarbeitszahlen. FOTO: JRI
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Die Arbeitsagentur Gießen meldet deutlich rückläufige Kurzarbeitszahlen. FOTO: JRI

Anträge auf Kurzarbeit rückläufig

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Im April sah der Seltersweg wie eine Straße in einer Geisterstadt aus. Kein Mensch war unterwegs und die Geschäfte waren geschlossen. Zu dieser Zeit erreichten auch die Anträge auf Kurzarbeit ihren vorläufigen Höhepunkt. 700 Firmen meldeten sich damals bei der Arbeitsagentur Gießen. Seitdem sind die Antragszahlen rückläufig. Im Mai waren es 100 und im Juni 40 weitere Unternehmen, die einen Teil ihrer Belegschaft in Kurzarbeit geschickt haben. Im Juli sind die Zahlen noch weiter gesunken.

Ob Firmen in Gießen wirtschaftliche Probleme wegen Corona haben, lässt sich aus der Zahl der Neuanträge aber nicht ablesen. Stefan Sachs, Geschäftsführer der IG Metall Mittelhessen, erklärt zwar, dass nicht nur die Anzahl der Neuanträge, sondern auch Kurzarbeit im Ganzen in ihrer Branche in Gießen rückläufig sei. "Das kann sich aber schnell wieder ändern", sagt der Gewerkschafter. Es sei für Unternehmen gerade nicht möglich, in die Zukunft zu blicken. Jeder Zeit könne ein Abnehmer pleite gehen oder ein Zulieferer Probleme bekommen, sagt Sachs.

Lieferketten sind auch für Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen, ein Thema. Er sagt: "Man darf bei Kurzarbeit nicht nur an die Corona-Schließungen denken." Natürlich habe der Lockdown Kinos, Geschäfte und Gastronomie getroffen. Ein großes Problem und mitursächlich für viele Anträge auf Kurzarbeit sei aber auch der Zusammenbruch von Lieferketten gewesen. "Firmen konnten nicht weiterarbeiten, weil Waren aus China nichtmehr ankamen."

Körner erklärt, dass man nicht erwarten dürfe, dass die Kurzarbeit auf Null zurückgeht. Das sei vor Corona nämlich auch nicht der Fall gewesen. Der Regionsgeschäftsführer sagt: "Kurzarbeit ist in Deutschland ein Alltagsphänomen." Normalerweise solle damit ein kurzer wirtschaftlicher Engpass überwunden werden, ohne dass Angestellten gekündigt werde. In Corona-Zeiten sei das System aber ausgeweitet worden.

Körner sagt: "Es ist spürbar, dass diese Maßnahmen erfolgreich waren." Das sehe man unter anderem daran, dass die Arbeitslosenzahlen nicht sprunghaft angestiegen seien. Der Gewerkschafter setzt aber nach und fordert, dass die Regierung die Regelungen zur Kurzarbeit nicht auslaufen lassen solle. Die wirtschaftliche Lage im Moment könne nach wie vor zu vielen Kündigungen führen. Körner sagt: "Dann wären die Bemühungen der letzten Monate umsonst gewesen."

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