Antisemitismus aus juristischer Sicht

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Gießen (pm). Wie wird Antisemitismus rechtlich erfasst? Wie geht die Rechtspraxis mit dem Antisemitismus um? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der neuen Vortragsreihe »Abraham Bar Menachem (ABM) Talks« am Fachbereich Rechtswissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Die ABM-Talks finden im Rahmen des DFG-geförderten Projekts »Seeing Antisemitism Through Law: High Promises or Indeterminacies?« statt. Dieses Projekt unter der Leitung von Prof. Thilo Marauhn, Inhaber der Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht, und Dr. Reut Yael Paz, Postdoktorandin am Fachbereich Rechtswissenschaft der JLU und zurzeit Gastprofessorin an der TU Berlin, beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Recht und Antisemitismus in ausgewählten Staaten.

Zum Auftakt der ABM-Talks am Donnerstag, 28. Januar, wird ab 11.30 Uhr Dr. Sergey Lagodinsky einen Vortrag über »Antisemitism and Legal Rules - A Complicated Story of Law, History and Identity« halten. Der Jurist ist Mitglied des Europäischen Parlaments und dort unter anderem erster stellvertretender Vorsitzender des Rechtsausschusses. Sein Vortrag wird von Dr. Doris Liebscher, Leiterin der Berliner Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (LADS), kommentiert. Im Anschluss an den Vortrag in englischer Sprache besteht die Gelegenheit zur Diskussion. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet digital über Webex statt, die Zugangsdaten werden unter www.uni-giessen.de/satl bereitgestellt. Die ABM-Talks werden künftig an jedem letzten Donnerstag eines Monats jeweils um 11.30 Uhr stattfinden.

Benannt ist die Reihe nach Dr. Abraham Bar Menachem, einem der wichtigsten Alumni des Fachbereichs Rechtswissenschaft, der im Jahr 2017 verstorben ist. Die Benennung der Reihe erfolgte in Absprache mit seiner Familie. Nach einem Studium der Rechtwissenschaft promovierte Bar Menachem 1933 an der damaligen Ludwigs-Universität Gießen. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten nicht mehr zum Referendarsexamen zugelassen. Sein Doktorvater, Prof. Wolfgang Mittermaier, ermöglichte ihm jedoch noch die Promotion zum Dr. jur. 1938 flüchtete Bar Menachem mit seiner Frau nach Palästina, wo er als Rechtsanwalt arbeitete und später zum Bürgermeister der israelischen Stadt Netanya gewählt wurde.

Bar Menachem gilt als Wegbereiter der Annäherung und Aussöhnung zwischen dem jüdischen und dem deutschen Volk nach den Verbrechen der Nationalsozialisten. Die Stadt Gießen ernannte ihn 1987 zum Ehrenbürger.

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