"Antifaschistischer Stadtführer" ist überarbeitetet

Gießen (mö). Gut 20 Jahre nach der ersten Auflage hat der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Überarbeitung seines "Antifaschistischen Stadtführers" vorgelegt. Auf fast 60 Seiten wurde ein reichbebildeter Stadtrundgang mit 26 Stationen konzipiert.

Durch die Aufarbeitung von Nachlässen der beiden mittlerweile verstorbenen Lokalhistoriker Ria Deeg und Frank Pötter sowie Recherchen im Internet habe man Zugang zu bislang noch unveröffentlichten Foto- und Textdokumenten erhalten, sagte DGB-Chef Ernst Richter am Donnerstag bei der Vorstellung des Hefts.

Kernstück des Stadtführers ist der Rundgang durch Gießen, daneben gibt es einen allgemeinen Überblick zu den Themen "Machtübertragung" und Widerstand. Ein drittes Kapitel widmet sich der Entwicklung neonazistischer Strömungen und Parteien in der Region seit 1989, dem Jahr der Erstauflage. Für Richter soll mit der Veröffentlichung und den geplanten Stadtführungen "ein Impuls für ein aktives Andenken" gegeben werden. "Das ist eine Reise zu den Tätern, Gegnern, Opfern und Befreiern", sagte der Vorsitzende des DGB in Mittelhessen.

Stationen des Rundgangs sind die Standorte, an denen sich 1933 und danach Einrichtungen der NSDAP, von SS, Gestapo und SA, das Gewerkschaftshaus, die jüdischen Gotteshäuser oder arisierte Häuser jüdischer Geschäftsleute befanden. Auch zu den Brennpunkten des Kriegsgeschehens gibt es Erläuterungen, ebenso widmen sich Stationen den Zwangsarbeitern, der Verstrickung von Stadtverwaltung und Universität in Naziverbrechen oder der Heil- und Pflegeanstalt an der Licher Straße. Teilweise bislang noch unveröffentlichte Fotos zum Beispiel von der Volkshalle, von Aufmärschen der SA oder der Verhaftung von Regimekritikern illustrieren den Rundgang, den es auch als pdf-Datei gibt.

Ab April will die DGB-Jugend zudem Stadtführungen für Gruppen anbieten, wobei diese für Schulklassen und Jugendgruppen kostenlos sein werden. Dazu gibt es ein handliches Faltblatt. Kontakt mit den Veranstaltern kann unter Tel. 9 32 78 0 aufgenommen werden. Der gedruckte Stadtführer soll in einer Auflage von zunächst 1000 Stück auch an den Gießener Schulen verteilt werden. An interessierte Einzelpersonen wird er vom DGB zum Selbstkostenpreis abgegeben, der noch festgelegt werden muss.

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