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In den letzten Tagen gab es in Gießener Baumärkten mitunter rücksichtsloses Gedränge. Nun werden die Kunden gezählt; mehr als eine bestimmte Anzahl dürfen sich nicht im Markt aufhalten. FOTO: SCHEPP

Ansturm auf Baumärkte

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Die Corona-Krise beschert den Baumärkten einen starken Kundenansturm. Weil viele andere Läden nicht öffnen dürfen, zieht es die Menschen zu Bauhaus, OBI und Co. Auch in Gießen. Weil viele Kunden die Schutzmaßnahmen nicht einhalten, müssen die Heimwerkermärkte den Einlass sogar beschränken.

Wir haben jetzt Zeit, lass uns endlich einen neuen Fußboden im Flur verlegen. Die Kinder langweilen sich zu Hause, der Osterurlaub fällt aus, wir brauchen ein Trampolin. Und im Garten ist jetzt Ende März sowieso reichlich zu tun: Die Corona-Krise beschert den Baumärkten einen verstärkten Kundenansturm. Die Freude darüber hält sich dort jedoch in Grenzen. Zahlreiche Menschen missachteten die Appelle, Schutzmaßnahmen einzuhalten, berichten Mitarbeiter im GAZ-Gespräch. Unter anderem mit beschränktem Einlass versuchen die Geschäfte den Andrang zu steuern.

Etliche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen befinden sich in der Zwangspause. Wer dort normalerweise arbeitet, hat nun zusätzliche Freizeit und nutzt diese gern etwa für Gartengestaltung oder Renovierungen. Etwa ein junges Gießener Paar, das einige Lücken im Beet füllen und Lampen aufhängen will. "Wir sind schon vor einem Jahr in die Wohnung gezogen, aber irgendwie gingen einige Dinge im Alltagstrubel unter." Nun muss die Studentin nicht mehr zur Uni gehen, der Baufinanzierungsberater kann derzeit nur noch einige Projekte abarbeiten. Wie ist ihre Stimmung?

"Persönlich bin ich entspannt", sagt sie, "aber man merkt, dass die Leute vorsichtiger sind".

Leider nicht alle, berichtet ein Mitarbeiter eines Marktes im Schiffenberger Tal. Etwa 30 Prozent mehr Kunden als normalerweise seien in den letzten Tagen im Haus unterwegs. Darunter etliche, die mangels anderer Shopping-Möglichkeiten einen ausgiebigen "Erlebniskauf mit der ganzen Familie" einlegen wollen. Das Risiko für das Personal und andere Kunden sei vielen nicht bewusst oder sogar egal.

Mit Handschuhen und Mundschutz

Die meisten Kolleginnen und Kollegen tragen mittlerweile Handschuhe und Mundschutz. Beides wurde ihnen schon vor Wochen angeboten. Nun wollen sie damit nicht nur sich selbst vor Ansteckung schützen, sondern auch "ein Signal" vermitteln, erklären sie. Die Botschaft lautet in den Worten der Bundeskanzlerin: "Die Lage ist ernst. Nehmen Sie sie auch ernst."

Vor allem am Samstag und Montag sei es häufiger zu rücksichtslosem Gedränge gekommen, heißt es unisono.

Deshalb haben sowohl OBI als auch Bauhaus die Ein- und Ausgänge mit Absperrungen und Schildern versehen. Davor sind Mitarbeiter postiert. Sie zählen, wie viele Kunden den Markt betreten und verlassen, und halten Neuankömmlinge draußen auf, wenn der Laden voll ist. Das heißt bei Bauhaus beispielsweise: 140 Menschen dürfen sich gleichzeitig auf den 16 000 Quadratmetern bewegen. Dutzende von Plakaten machen außen wie innen auf die Regeln aufmerksam: Den Aufenthalt im Haus "auf das Nötigste reduzieren". Beratungsgespräche im direkten Kontakt gibt es nicht oder eingeschränkt. Bei Fragen hilft unter anderem eine Handy-App. Die wichtigste Bitte lautet: Abstand halten!

Pro Kasse höchstens fünf Wartende

Um das durchzusetzen, haben Appelle offenbar nicht gereicht. Signalklebestreifen auf dem Boden und Plexiglasscheiben an den Kassen sorgen nun für mehr Disziplin. An keiner Kasse dürfen mehr als fünf Wartende stehen. Sowohl für Personal als auch für Kunden stehen Desinfektionsmittel zur Verfügung. All diese Maßnahmen seien nötig im Interesse der Gesundheit aller, betonen die Pressestellen beider Ketten auf GAZ-Anfrage. Man folge den Vorgaben und Empfehlungen der Behörden in dieser Ausnahmesituation, unterstreicht OBI.

Bei Bauhaus heißt es, es sei bundesweit nötig geworden, die Sicherheitsmaßnahmen "mit Nachdruck strikt umzusetzen". Natürlich seien die Kunden weiterhin "herzlich willkommen".

Einige werden in diesen Wochen tatsächlich immer wiederkommen. Ein Paar, das gerade den Kofferraum mit Frühlingsblumen und Erde belädt, schmiedet bereits Pläne für das nächste Projekt: "Wir wollten doch schon lange mal ein Hochbeet anlegen...."

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