Ji-Yeon Shin-Tolksdorff und Cornelius Jensen (Violinen) sowie Kaja Kapus (Cello) und Christoph Koerber (Cembalo). FOTO: JOU
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Ji-Yeon Shin-Tolksdorff und Cornelius Jensen (Violinen) sowie Kaja Kapus (Cello) und Christoph Koerber (Cembalo). FOTO: JOU

Anregende musikalische Reise

  • vonSascha Jouini
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Zu einer unterhaltsamen "musikalischen Reise von Hamburg nach Venedig" nahm ein Quartett die Besucher beim zweiten Kammerkonzert im Stadttheater mit. Die Musiker spielten am Sonntag im fast voll besetzten Foyer.

Ji-Yeon Shin-Tolksdorff und Cornelius Jensen (Violinen) sowie Kaja Kapus (Cello) und Christoph Koerber (Cembalo) widmeten sich beim Kammerkonzert im Theater anspruchsvollen Barockkompositionen.

Manche der Werke regten zu Vergleichen an. So enthält Georg Philipp Telemanns Triosonate (42: D 1) als Schlusssatz ein fugiertes Presto, das das Ensemble transparent, mit schön herausgearbeiteten Themeneinsätzen darbot. Auch die Triosonate G-Dur BWV 1038 ungeklärter Autorschaft birgt ein Fugen-Finale, bei dem wieder die recht deutliche Stimmenzeichnung gefiel. Voraus ging das emotional besonders berührende Adagio mit ansprechend eingefangener Schwermut.

Von Leidenschaft getragen war auch die Triosonate von Johann Adolph Hasse; besonders eindrucksvoll das Presto mit der schmachtenden Seufzermotivik. Das Vivace setzte einen virtuosen, mit Verzierungen gespickten Schlusspunkt.

Bei den Variationen über einer ständig wiederholten Basslinie in Johann Heinrich Schmelzers "Sonata Tertia" bekam Violinist Jensen nicht allein Gelegenheit, mit brillanter Spieltechnik aufzutrumpfen, demonstrierte überdies außerordentliche Fantasie. Seine natürliche Artikulation und flexible Tempogestaltung gaben der Musik lebendigen Charakter.

Virtuose Effekte

Geradewegs vor virtuosen Effekten strotzte Carlo Farinas "Sonata detta la Greca"; Jensen und Shin-Tolksdorff meisterten diese mühelos. Nach der Pause gab Antonio Vivaldis Sonate Nr. 6 B-Dur Cellistin Kapus Raum zu solistischer Entfaltung. Darin beeindruckten ihre sangbare Tongebung und musikalische Einfühlsamkeit. Lebhaft verlieh sie den kontrastierenden Satzcharakteren Gestalt, wurde dabei von Koerber am Cembalo vorzüglich unterstützt.

Heinrich Ignaz Franz Bibers Passacaglia d-Moll "Der Schutzengel" schien Johann Sebastian Bachs noch berühmtere Chaconne für Violine solo beeinflusst zu haben und lud mit dem weiten musikalischen Strom in Shin-Tolkdorffs inspirierter Interpretation zur geistigen Einkehr ein.

Temperamentvoll ging das Konzert zu Ende mit Vivaldis "La Follia" für zwei Violinen und Basso continuo. Das Publikum spendete kräftigen Beifall.

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