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Anklage wegen Testcenter-Betrugs erhoben

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Von: Kays Al-Khanak

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Das Testcenter an der Kongresshalle im Jahr 2021. ARCHIV © Oliver Schepp

Gießen (khn). Wegen des gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit gewerbsmäßiger Fälschung technischer Aufzeichnungen müssen sich bald zwei Mitarbeiter des ehemaligen Testcenters in der Kongresshalle am Berliner Platz vor Gericht verantworten. Wie Staatsanwalt Rouven Spieler auf Anfrage dieser Zeitung sagt, wurde Anklage gegen einen 43- und einen 27-Jährigen erhoben.

Sie sollen 185 Kunden ein positives PCR-Testergebnis bescheinigt haben, obwohl ein Resultat vom Labor noch gar nicht übermittelt worden war. So, teilt Spieler mit, sollen sie fast 15 000 Euro eingenommen haben.

Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen hingegen gegen den 50 Jahre alten Betreiber des Testcenters sowie eine weitere 38-jährige Beschuldigte. Es habe »kein hinreichender Tatverdacht auf eine irgendwie geartete Beteiligung an den 185 mutmaßlichen Straftaten« bestanden, betont Spieler.

Anfang Juni 2021 war der Fall öffentlich gemacht geworden. In einer gemeinsamen Presseerklärung hatten die Gießener Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft darüber informiert, dass sie ein Verfahren wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges führe. Die Beschuldigten sollen gefälschte PCR-Testergebnisse übersandt und pro Test 79,90 Euro berechnet haben. Auslöser für die Ermittlungen war ein Zeugenhinweis im Mai 2021. Eine getestete Person hatte der Polizei mitgeteilt, dass sie ihr negatives PCR-Testergebnis via WhatsApp erhalten habe und dieses offenbar mit einer falschen Uhrzeit versehen war. Außerdem habe sie das Entgelt in bar entrichten müssen. Die weiteren Ermittlungen hatten schließlich ergeben, dass der Laborbefund gefälscht war.

Wegen dieser Erkenntnisse hatte die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Gießen Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt. Dabei konnten die Ermittlerinnen und Ermittler einige Beweise finden: unter anderem eine vierstellige Summe Bargeld, Speichermedien und ein Exemplar eines augenscheinlich gefälschten Laborberichts. Der 43 Jahre alte Mitarbeiter des ehemaligen Testcenters hatte bei einer ersten Befragung eingeräumt, gefälschte Laborbefunde versandt zu haben.

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