Angriff auf Pizzaboten bleibt ungesühnt

  • Guido Tamme
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Gießen(ta). Ungesühnt bleibt zumindest vorerst ein versuchter Raub im vergangenen Februar im Anneröder Weg. Vor einem Schöffengericht kamen am Mittwoch zwar Indizien dafür zur Sprache, dass es sich bei dem Täter um einen 20-jährigen Gießener handelt. Doch ein sicherer Nachweis ließ sich nicht führen, weshalb Staatsanwalt Mike Hahn nichts anderes übrig blieb, als einen Freispruch für den Studenten zu beantragen. Der geständige Komplize wurde in nichtöffentlicher Sitzung bestraft, weil er Jugendlicher ist.

Den beiden Verdächtigen war die Kriminalpolizei damals durch die Auswertung von Handydaten der beiden jungen Männer und des Mailverkehrs mit dem Lieferdienst auf die Spur gekommen.

So wurde ermittelt, dass ein junger Wiesecker unter falschem Namen per E-Mail drei Pizzen zum Haus Anneröder Weg 8 bestellt hatte. Dabei hatte er angekündigt, nur mit einem 200-Euro-Schein bezahlen zu können. So wollte er sicherstellen, dass der Auslieferer viel Wechselgeld mitbringt. Der Fahrer konnte die angegebene Adresse aber nicht finden, weil es sie nicht gibt. Bei der Suche hatte der Marburger Student auch einen Passanten gefragt. Das war der Wiesecker, der anschließend sogleich dem Pizzaservice eine andere Empfängeradresse durchgab.

Als der Lieferant sich wieder ins Auto gesetzt hatte, um mit seinem Arbeitgeber telefonisch die misslungene Zustellung zu erörtern, riss ein Unbekannter die Fahrertür auf. Er hielt dem 27-Jährigen eine Pistole an den Kopf und verlangte "Her mit dem Geld!" Der Bedrohte ließ sich nicht einschüchtern, sprang aus dem Wagen und schlug dem Täter die Schreckschusspistole aus der Hand. Dann schnappte er sich den Unbekannten und drückte ihn auf den Boden. Als er nach seiner Brille greifen wollte, um per Handy die Polizei zu verständigen, riss der Unbekannte sich los und flüchtete.

Nach der Tat und nun auch als Zeuge sagte der 1,85 Meter große Pizzabote, der Täter sei mindestens genauso groß wie er gewesen. Der Angeklagte misst aber nur 1,71 Meter.

Ermittelt worden war der Gießener durch seine Telefonkontakte mit dem Jugendlichen. Die beiden hatten zuvor auch schon einmal Pizzen bestellt, als sie gemeinsam im Hotel Steinsgarten übernachteten. Ein zweites nächtliches Treffen war schon geplant. Vor Gericht versicherte der Jugendliche nun, bei dem Räuber handele es sich nicht um den Hauptangeklagten, sondern um einen Dritten. Dessen Name könne er aber aus Angst vor Rache nicht preisgeben.

Dem 17-Jährigen, der wegen einer schweren Straftat seit zwei Monaten in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg in Untersuchungshaft sitzt, wurden am Mittwoch drei weitere Delikte angelastet. Ende Januar hatte er frühmorgens in Dornholzhausen vor dem Sportheim einen anderen alkoholisierten Gast mit einem Teleskop-Schlagstock traktiert. Im Juli hatte er sich von einer Freundin 200 Euro geliehen, das Geld aber nicht zurückgezahlt. Als die 16-Jährige sich deshalb nach vergeblichen Mahnungen nach Wieseck zum Wohnsitz ihres Bekannten begab und ihn darüber informierte, bedrohte dieser sie per Sprachnachricht ("Ich mach dich kaputt!"). Zwischendurch war der Schüler einmal bei einer nächtlichen Autofahrt in Wieseck ertappt worden. Weil im Bericht der Jugendgerichtshilfe auch sehr persönliche Belange zur Sprache kommen sollten, wurde die Verhandlung nichtöffentlich fortgesetzt.

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