Die vorbereitenden Arbeiten zur Erschließung des Wohn- und Gewerbegebiets "Philosophenhöhe" laufen. FOTO: SCHEPP
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Die vorbereitenden Arbeiten zur Erschließung des Wohn- und Gewerbegebiets "Philosophenhöhe" laufen. FOTO: SCHEPP

Angebot zum Gemeinschaftswohnen

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Der Weg zum Wohngebiet "Philosophenhöhe" auf dem früheren Motorpool- Areal der US-Armee ist lang. So ist es um die Absicht, dort Grundstücke für Gemeinschaftswohnen zur Verfügung zu stellen, ruhig geworden. Mithilfe von Ex-Wohnbau-Chef Reinhard Thies soll das Projekt forciert werden.

Im Büro der Oberbürgermeisterin war am Mittwochnachmittag alles so wie früher, wenn die Rathauschefin in ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen Wohnbau GmbH über die Unternehmenspolitik oder Bauprojekte informierte. Neben Dietlind Grabe-Bolz saß Reinhard Thies und gab gewohnt eloquent Auskunft. Aber diesmal ging es nicht um die Wohnbau, deren Geschäftsführer, der mittlerweile auf Rügen lebende Thies, noch bis vor einem Jahr war. Nach Gießen zurückgekehrt ist er, um der Stadt bei der Umsetzung eines Projekts zu helfen, um das es in letzter Zeit ruhig geworden war. Es geht um die Absicht, auf einer knapp 5400 Quadratmeter großen Fläche im Plangeltungsbereich des künftigen Wohn- und Gewerbegebiets "Philosophenhöhe" Grundstücke für sogenanntes Gemeinschaftswohnen zur Verfügung zu stellen.

Junge Familien sind abgesprungen

Experte Thies soll als externer Berater und Moderator helfen, die interessierten Gruppen im Bewerbungsverfahren um die Grundstücke sozusagen in die Spur zu bringen. "Wir sind sehr erleichtert, dass Reinhard Thies diese Aufgabe übernehmen kann", sagte OB Grabe-Bolz beim Pressegespräch, an dem auch Ines Müller für das federführende Amt für soziale Angelegenheiten teilnahm.

Die Botschaft an die interessierte Öffentlichkeit ist auch, dass die Stadt an diesem Bestandteil der Wohngebietsentwicklung festhält, denn die ersten Bürgerinformationsveranstaltungen, an denen auch interessierte Wohngruppen teilnahmen, liegen schon vier Jahre zurück. Einige Gruppen, die aus jungen Familien bestanden, hätten sich zwischenzeitlich umorientiert, andere Gruppen, darunter eher Senioren-Initiativen, seien am Ball geblieben. Im Gespräch sei er derzeit mit sieben interessierten Gruppen, die sich an dem "Konzeptvergabeverfahren" beteiligen wollten, erklärte Thies, der als Wohnbau-Chef in der ersten Planungsphase bereits Kontakt zu den Gruppen hatte.

Das Bewerbungsverfahren läuft laut Amtsleiterin Müller in vier Stufen ab. Der ersten Sondierung mit informellen Interessenbekundungen, die Thies mit einem vierseitigen Briefing über das Projekt unterstützt, folgt die verbindliche Interessenbekundung und schließlich der jeweilige Projektantrag. Abschließend wird ein Beirat entscheiden, an wen die Grundstücke vergeben werden. Das alles wird sich wohl noch bis weit ins Jahr 2022 hinziehen.

Die Bebauung wird in Form von Mehrfamilienhäusern erfolgen, Thies nannte eine Bandbreite von vier bis sieben Gebäuden mit bis zu 16 größeren Wohneinheiten. Der "externe Projektbegleiter" geht davon aus, dass sich Gruppen ganz allein bewerben, es aber auch Bewerbungen von Immobilienunternehmen geben wird, die von Gruppen mit Interesse am Gemeinschaftswohnen beauftragt werden. Der Trend zu dieser Wohnform sei ungebrochen, in vielen Städten gebe es ähnliche Vorhaben. "Da rollt eine richtige Welle", sagte Thies.

Erschließung ausgeschrieben

Mit seiner Expertise könnte er den Bewerbern zum Beispiel auch dabei helfen, Fördermittel zu beantragen, falls die Gruppen anteilig auch Sozialwohnungen belegen wollen. Das seien alles sehr komplexe Fragestellungen. "Ich sehe mich da als Brückenbauer", sagte Thies, der zur Erledigung seiner Aufgabe terminbezogen aus Rügen nach Gießen anreisen wird.

Bei der Entwicklung des gesamten Wohngebiets hat es einige Verzögerungen gegeben. Die Übertragung der Flächen vom Bund an die Stadt im Grundbuch erfolgte laut Grabe-Bolz erst im vergangenen September. Die OB rechnet damit, dass die Weiterveräußerung der Grundstücke für die geplante private Wohnbebauung an die Unternehmen Depant/Wilma bald erfolgen wird. Neben diesem großen Segment und dem Bereich für das Gemeinschaftswohnen will die Wohnbau zudem über 100 Wohnungen errichten.

Ausgeschrieben hat das Tiefbauamt vor einigen Tagen Straßenbau- und Erschließungsarbeiten im Bereich Lincolnstraße, Georg-Elser-Straße und Hannah-Arendt-Straße, zudem wurde in den Haushalt 2020 Geld für die Erschließung des "Gewerbestichs" eingestellt, der Richtung Autobahn hinter Lidl und dm entstehen soll. Dort ist auch eine P+R-Fläche für Innenstadt-Pendler vorgesehen, die bei Bedarf mit einem mehrstöckigen Parkhaus für bis zu 900 Pkw bebaut werden könnte.

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