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André Eisermann bringt den »Werther« zurück

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Feunde seit Kindertagen: André Eisermann (r.) und André Lotz.		
(Foto: ik)
Feunde seit Kindertagen: André Eisermann (r.) und André Lotz. (Foto: ik) © Gabi Krämer

»Familientreffen« der besonderen Art im Seltersweg: André Eisermann, renommierter deutscher Film- und Theaterschauspieler, gab sich am Freitagmittag ein Stelldichein am Weihnachtsmarktstand des Gießener Schaustellers und ehemaligen Spitzen-Bodybuilders André Lotz – die beiden sind Freunde seit frühester Kindheit.

Jahrzehnte haben sie sich nicht gesehen, der Kontakt riss nie ab – Internet sei Dank.

Allein dieser Freundschaft haben es die Gießener zu verdanken, dass sie 2015 in den Genuss eines inzwischen weltweit beachteten Spektakels kommen werden. Denn Eisermann bringt seine gern und oft als »Spoken Word Performance« titulierte Lesung »Goethe. Werther. Eisermann« am Samstag, 18. April, auf die Bühne der Miller Hall; die organisatorischen Fäden vor Ort zog André Lotz. Schon einmal, 1999, war der charismatische Schauspieler mit (der Urversion) dieser Inszenierung in der Uni-Stadt zu sehen; dem Gastspiel in der Kongresshalle waren im gleichen Jahr zwei ausverkaufte Vorstellungen in Wetzlar, der Goethe-Stadt, vorausgegangen. Dort hatte der damalige Museumsdirektor Hartmut Schmidt mit einer Idee zur Eröffnung des »Goethe-Sommers 1999« eher zufällig den Grundstein für eine beispiellose späte Karriere des Romans »Die Leiden des jungen Werther« gelegt – die Lesung aus dem Roman-Erstling des Dichterfürsten war eigentlich als einmalige Angelegenheit gedacht. Es sollte anders kommen.

Eisermanns Performance im Zusammenspiel mit der Musik von Jakob Vinje ging »durch die Decke« – zunächst überschlug sich die nationale Kritik, dann gab es gefeierte Gastspiele im Ausland, darunter in der Vanderbilt Hall in New York. Es gab mehrere Tourneen, die Zahl der Auftritte kann Eisermann nicht mehr überblicken. 2015 will er ein letztes Mal mit »Goethe. Werther. Eisermann« unterwegs sein. Treuer Begleiter am Piano ist abermals Jakob Vinje – die beiden haben eine neue Performance ausgetüftelt, weshalb hinter dem Titel der Lesung nun das vielversprechende Wort »reloaded« prangt.

Für die Titelrolle in Peter Sehrs »Kaspar Hauser« bekam André Eisermann Auszeichnungen und Preise auf der ganzen Welt, seine Darstellung des »Elias« in Joseph Vilsmaiers »Schlafes Bruder« brachte ihm sogar eine Golden-Globe-Nominierung ein.

Eisermann (Jahrgang 1967), der in seiner Jugend als Sohn eines Schausteller-Ehepaares mit seinen Eltern von Rummelplatz zu Rummelplatz zog – und dabei die Familie Lotz kennenlernte –, hat über sein abenteuerliches Leben längst eine Autobiografie geschrieben (»1. Reihe Mitte – ein Schaustellerleben«; erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch). Goethes »Werther« freilich nimmt darin eine tragende Rolle ein: »Sie ist mir die liebste Rolle, weil ich darin unabhängig bin«, räumte er im spontanen »Glühwein-Talk« mit dieser Zeitung in der Löwengasse freudig ein.

Worauf sich sein »Werther«-Erfolg begründet, das hat Eisermann nicht vergessen – deshalb zog es ihn in Begleitung von Mutter Karin am Freitag zunächst nach Wetzlar: »Ich wollte ›Danke» sagen!« Gabi Krämer

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